Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Zeitreise in die Goldenen 20er: Villa am Ufer des Lehnitzsees zu verkaufen
Lokales Potsdam Zeitreise in die Goldenen 20er: Villa am Ufer des Lehnitzsees zu verkaufen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
08:07 05.02.2020
Das Haus am Lehnitzsee wurde 1926 errichtet. Quelle: Friedrich Bungert
Anzeige
Neu Fahrland

Als die alte Dame im April 2018 mit 93 Jahren stirbt, hinterlässt sie ihren Töchtern ein Juwel. Am Ufer des Lehnitzsees liegt das Haus versteckt am Ende eines wilden Gartens, kleiner als die ausladenden Villen der Nachbarschaft, grauer, sanierungsbedürftiger – und dennoch so einzigartig, dass es jedem, der durch die hölzerne Eingangstür und den schmalen Flur in den Salon tritt, für einen Moment den Atem raubt. Die Holz-Täfelung an den Wänden, die Parkettböden in Fischgrätmuster, die Einbauschränke, die an eine Schiffskajüte erinnern – das alles hat sich seit fast 100 Jahren nicht verändert.

Marcus Weber kennt inzwischen jeden Winkel des Hauses, er hat es mindestens zwei Dutzend Mal besichtigt und schwärmt noch immer, als wäre es das erste Mal. „Diese Symmetrien...“, sagt er und schreitet von dem einen Salon in den nächsten, „diese Beschläge, diese Fenster, diese Handwerkskunst, alles original Zwanziger Jahre.“ Für den Makler ist es das ungewöhnlichste Haus im Bestand, ein Objekt, das er so nie zuvor gesehen hat, „ein einzigartiger Schatz“, ein „Ort, den es eigentlich nicht mehr gibt“. Und eine Immobilie, für die er trotz allem seit 2018 keinen Käufer findet.

Einst lebten die Besitzer des Hauses in exklusiver Nachbarschaft

Knapp 120 Quadratmeter, vier Zimmer, zwei Bäder, eine Küche im Keller und eine Terrasse mit Seeblick: Als der unbekannte Architekt das Haus Anfang der 1920er Jahre entwarf, der Berliner Unternehmer Paul Leonhard das „Haus im Bau“ kaufte, war Neu Fahrland gerade zum beliebten Wohnort für begüterte Städter geworden – und das Landhaus zur Mode. Elf Jahre später verkaufte Leonhards Witwe das Haus an den Berliner Schauspieler Georg Alexander, der lebte in exklusiver Nachbarschaft mit Prinz Friedrich Sigismund und Prinzessin Marie-Luise von Preußen, mit Luis und Hedda Adlon sowie Carl Friedrich von Siemens.

Vor fast 100 Jahren ist die kleine Villa am Ufer des Lehnitzsee gebaut worden – und seitdem hat sie sich kaum verändert. Vor allem die Innenräume sind spektakulär, die MAZ durfte hineinschauen.

Seitdem hat sich das Haus kaum verändert. Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen die Eigentümer, die kleine Villa fiel unter Staatsverwaltung, Mieter kamen, Mieter gingen, bis 1969 Familie Hinz ins Erdgeschoss zog und blieb. 1990 kauften sie dann zunächst das Haus, 2010 nach der Rückübertragung an die alten Eigentümer auch das Grundstück. Vereinzelt bauten sie um oder an, doch das Zwanziger-Jahre-Herz des Hauses ließen sie unberührt – bis zum Tod der alten Dame 2018.

Ihr halbes Leben hat sie in dem Haus am See gelebt, hat im Keller gekocht, im Salon gegessen, in der Marmorwanne gebadet und bis zum Schluss den Parkettboden unter den Füßen knarzen gehört. Ihre Töchter hingegen wollten das Haus nicht, entschieden sich zum Verkauf. Seelage, mehr als 2500 Quadratmeter Grundstück, exklusive Nachbarschaft – in Potsdam ein Selbstgänger. Dachten sie. Das Problem: Mit ihren Recherchen zur Geschichte riefen sie die Denkmalschützer auf den Plan – und auch für die war das Haus eine kleine Sensation, ein Gebäude von „großer baugeschichtlicher, geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung“, das es um jeden Preis zu erhalten gilt. Am 11. Oktober 2019 teilte die Stadt den Eigentümern schließlich mit, dass „das Objekt am 28.02.2019 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen wurde“.

Strenge Auflagen des Denkmalschutzes

Für Marcus Weber als Makler heißt das: „Ich musste jedem Interessenten sagen, dass sie eigentlich nichts verändern dürfen.“ Die Küche, die der Architekt für die Dienstboten im Keller geplant hat, muss auch im Keller bleiben. Das Marmor-Bad im ersten Stock muss ein Marmor-Bad bleiben. Das düstere Holz im Bibliothekszimmer muss so düster bleiben. „Das ist alles auf den ersten Blick wunderschön und faszinierend.“ Weber seufzt. „Nur wer will heute noch im Keller kochen? Und wer will in einem finsteren Arbeitszimmer sitzen.“

Ein weiterer Salon im Erdgeschoss des Hauses. Quelle: Friedrich Bungert

Mit dem Denkmalschutz versuchen Weber und die Eigentümerinnen, die namentlich nicht genannt werden möchten, nun eine Lösung zu finden, einen Zwischenweg, der beides möglich macht – Wohnen und Erhalten. Weber ist überzeugt: „Das geht. Man kann dieses Haus so umbauen, dass es seine Bedeutung als Denkmal behält.“ Teuer wird es für einen neuen Besitzer ohnehin. Allein 1,75 Millionen Euro sollen Haus und Grundstück kosten, 300.000 bis 400.000 Euro, schätzt Weber, kommen für die Sanierung dazu. „Mindestens.“

Doch am Preis scheiterte es bisher nicht. „Ich hatte so viele Interessenten hier, für die Geld keine Rolle spielt, trotzdem ist das Haus noch immer da.“ Ob sich das 2020 ändert? Seit Kurzem hat Weber zumindest Hoffnung. „Es gibt tatsächlich zwei ernsthafte Kaufinteressenten und das Denkmalamt scheint kompromissbereit.“ Sogar bei der Küche. „Gute Aussichten also, dass für das Haus nun zum zweiten Mal die goldenen Zwanziger anbrechen.“

Lesen Sie mehr:

Von Anna Sprockhoff

Das Fusionskonzept der asiatischen Küche hat auch etwas Gutes. Es spricht viele Gaumen an, wie bei Herrn Dang. Freie Plätze sind Mangelware, doch die MAZ hatte Glück.

04.02.2020

Die Anteilnahme war groß, als Pias Familie im November nach Spendern für ein spezielles Medikament suchte. Nun zeigt sich: Der Tumor der 7-Jährigen ist geschrumpft. Ihre Mutter kritisiert allerdings die Vorgehensweise der Ärzte.

04.02.2020

Mit einem Bretterzaun versperrt der Berliner Investor Tamax den Zugang zu seinem Grundstück – und damit auch den Weg zu den letzten verbliebenen Kleingärten. Warum, will Tamax nicht erklären. Und das legt nur einen Schluss verdammt nahe, findet MAZ-Autorin Anna Sprockhoff.

04.02.2020