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Potsdam Illegale Kameras auf Schultoilette – Staatsanwaltschaft ermittelt
Lokales Potsdam Illegale Kameras auf Schultoilette – Staatsanwaltschaft ermittelt
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09:46 12.07.2019
In der Toilette der Jungen in der Voltaire-Gesamtschule wurden bei Routinearbeiten Kameras gefunden. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Wurden Schüler der Voltaire-Gesamtschule auf der Toilette heimlich gefilmt? Diesem Verdacht gehen nun Polizei und Staatsanwaltschaft in Potsdam nach. Der Anlass: Bei Routinearbeiten hat der Kommunale Immobilien Service (Kis) Kameras gefunden, die unerlaubt installiert waren. Das teilte die Stadt Potsdam am Donnerstag mit. Als Verwalter der Schulimmobilie erstattete der Kis auch Anzeige.

Auch in der Ferienzeiten werden in Schulen Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten gemacht. So entdeckten am 27. Juni und 3. Juli Mitarbeiter des Kis und der Schul-Informationstechnik der Stadt Potsdam gleich drei Kameras in der Voltaire-Gesamtschule. Laut Mitteilung der Stadt waren die illegal angebrachten Kameras im Eingangsbereich der Schule, sowie in der Jungentoilette im Erdgeschoss zu finden. Sie seien unverzüglich demontiert worden.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ob die Schüler tatsächlich von den Kameras gefilmt und die Bilder gespeichert wurden, ist Stadtsprecherin Christine Homann nicht bekannt: „Die Polizei hat die gesamte Technik mitgenommen und wertet sie nun aus.“

Markus Nolte, Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, sagt: „Wegen des Verdachts der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen ermitteln wir in alle Richtungen.“ Hinweise auf eine sexuell motivierte Straftat liegen ihm jedoch nicht vor. Ob der Blickwinkel der Kamera explizite Inhalte oder Gesichter filmte, lässt die Staatsanwaltschaft offen. Nach MAZ-Informationen hat die Kamera in der Toilette in Vogelperspektive in den Raum gefilmt. Wer die Kameras installiert hat, ist ebenfalls nicht bekannt.

Das steckt hinter dem Paragrafen 201a

Paragraf 201 a des Strafgesetzbuches bezieht sich auf die höchstpersönlichen Lebensbereiche.

Dazu zählen vor Einblicken geschützte Räume wie eine Wohnung, aber auch die zur Schaustellung einer hilflosen Person durch Bildaufnahmen.

Bestraft werden alle unbefugten Aufnahmen und das unbefugte Verbreiten, auch genehmigter Bilder.

Das Gesetz führt ausdrücklich auf, dass das Filmen und Fotografieren von Nackten unter 18 Jahren mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet wird. Ebenso das Anbieten oder Kaufen dieser Aufnahmen.

Kreiselternrat ist erschrocken

Markus Kobler, Vorsitzender des Kreiselternrats Potsdam, sagt: „Es gibt bestimmt viele Theorien dazu. Das muss restlos aufgeklärt werden.“ Seine Stellvertreterin Grit Schkölziger ist erschrocken über den Fund: „Das ist ein No-Go. Egal welche Hintergründe das hat, die Persönlichkeitsrechte der Schüler müssen eingehalten werden.“

Das sieht auch Potsdams Bildungsbeigeordnete, Noosha Aubel (parteilos) so: „Die Stadt nimmt diesen Vorfall sehr ernst. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte sowie der Daten der Schülerinnen und Schüler hat für uns oberste Priorität“, sagt sie. Als erstes seien die Eltern der 860 Schüler informiert worden. Im Brief sei auch für weitere Fragen eine Info-Hotline angegeben, die bei Bedarf auch an psychologische Beratungsstellen vermittelt, heißt es aus dem Rathaus.

Schkölziger lobt die schnelle Reaktion der Stadt. Die Stadt hat nicht nur Eltern und Schüler in der Ferienzeit informiert, sondern auch das Staatliche Schulamt, das Bildungsministerium des Landes und die Landesbeauftragte für den Datenschutz sowie den Potsdamer Datenschutzbeauftragten.

Erster Fall in Potsdam

Ähnliche Fälle aus der Vergangenheit sind weder Markus Nolte aus der Staatsanwaltschaft Potsdam, noch Stadtsprecherin Christine Homann bekannt. Laut Homann gäbe es auch aktuell keine Hinweise auf weitere Potsdamer Schulen. „Sollten wir Hinweise bekommen, gehen wir diesen selbstverständlich nach“, sagt sie.

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Als Folge des Kamera-Fundes will die Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel in der nächsten Tagung alle Schulleiter in Potsdam sowie Hausmeister und Reinigungskräfte zum Thema Datenrecht sensibilisieren und Verhaltenstipps für weitere Funde geben, heißt es aus dem Rathaus. Dazu möchte man auch die Polizei zur Unterstützung einladen.

Auch der Kreiselternrat will in Zusammenarbeit mit der Polizei Eltern sensibilisieren. „Es geht darum zu wissen, was die rechtliche Lage ist“, sagt Markus Kobler.

Von Jan Russezki

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