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Potsdam Von der neuen Lust altmodisch zu tanzen
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16:50 03.02.2020
Impressionen vom Ufa-Filmball 1929 (November 2019) im prächtigen kaiserzeitlichen Festsaal der Tanzschule Linksfüßer im Potsdamer Logenhaus. Quelle: Oliver Max Wenske
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Potsdam

Hundert Jahre nachdem die Kleider lockerer, die Damenfrisuren kürzer und die Musik frecher wurden, kommen die schönen Paartänze der „Goldenen Zwanzigerjahre“ wieder auf. Mehrere Angebote Potsdamer Tanzschulen reagieren auf eine gestiegene Nachfrage, die nicht nur an „Babylon Berlin“ liege: „Mit Beginn der ’Neuen Zwanziger’ wagen wir einen Blick zurück auf die Anfänge der Standardtänze“, sagt Martin Lehmann, Inhaber der ADTV Tanzschule Linksfüßer. „Bei der Recherche zu den Tanzgepflogenheiten stießen wir auf einen Tanz, der bei uns in Vergessenheit geraten war, den Balboa.“

Der Balboa ist ein sehr schneller Tanz, der viele kleine Schritte erfordert. Dafür kann er platzsparend fast auf der Stelle getanzt werden. „In den großen Vergnügungspalästen waren bis zu 1000 Paare auf der Tanzfläche. Manche Veranstalter vergaben Nummern und ließen mal die geraden und mal die ungeraden Zahlen tanzen.“ Auch der erste von zehn zweistündigen Workshops im Logenhaus war am vergangenen Sonntag mit 30 Paaren, also 60 Personen, komplett ausgebucht. „Wir sind als Tanzlehrer bis nach Österreich gereist, um den Balboa, der dort ’überlebt’ hat zu lernen.“ Seine Weiterentwicklungen, der Bal Swing und der Lindy Hop, werden in den nächsten Monaten ebenfalls unterrichtet.

Oliver Max Wenske und Grit Jehmlich organisieren die beliebten Zwanzigerjahre-Bälle im Potsdamer Logenhaus. Quelle: Oliver Max Wenske

Nicht ganz unschuldig am nostalgischen Tanzfieber in Potsdam sind Grit Jehmlich und Oliver Max Wenske. Schon dreimal haben sie einen Zwanzigerjahre-Ball im privaten Kreis ausgerichtet. Dabei wird ihre Gesellschaft immer größer: „Zum Boom wird es gemacht, mich interessieren die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge“, sagt Wenske. Dabei weist er darauf hin, dass sich die landläufig Zwanzigerjahre genannte Zeit in Deutschland musikalisch von den Mittzwanzigern bis in die Enddreißigerjahre erstreckte. 1943 setzte das Tanzverbot der Nazis dem Vergnügen ein absolutes Ende.

„Es selbst zu tanzen ist etwas anderes, als über die Zeit zu lesen, in eine Ausstellung zu gehen oder die Musik nur zu hören“, so Wenske. Für ihn gehört zur Faszination, dass ihm sein Großvater noch von den Berliner Tanzdielen erzählte. Dessen Schwärmen und die Verklärung teilt er zwar nicht: „Es braucht drei Generationen, um einen kritischen Blick auf die Geschichte zu werfen“. In den Zwanzigerjahren hätte man vieles positivistischer wahrgenommen und noch mit großen Augen in die Welt geschaut. So heißt das Motto des nächsten Balls im prächtigen Logenhaus „Sound der Metropole“ und man stellt sich vor, als Potsdamer in die deutsche Hauptstadt zu fahren.

Impressionen vom letzten Ball im kaiserzeitlichen Festsaal im Logenhaus. Es spielte das Salonorchester Berlin. Quelle: Oliver Max Wenske

Allerdings ist das Fest am 28. November mit 105 Gästen schon wieder ausverkauft. Seine Interessentengruppe sei um die 50, mit einer Klientel aus Alt-West-Berlin, um die 70, erzählt er. Für jüngere Tänzer, die man sich von den neuen Workshops erhofft, ist der Ball-Organisator überaus offen – allerdings erst ab 2021. Auch Show-Veranstalter haben den Trend erkannt und touren mit der Revue „Glanz auf dem Vulkan“ durchs Land. „Frivol, verrucht, mondän“, soll der Auftritt sein, der an den Burlesque-Hype anknüpft. Am 16. Februar kommt die fast ausverkaufte Zwanzigerjahre-Show in den Nikolaisaal.

Wenske betont, dass sein Ball für ihn mehr als eine Vintage-Mode sei. „Man imitiert nicht diese Zeit; vielleicht ist ’Babylon Berlin’ der Einstieg, aber wir möchten die ursprüngliche Atmosphäre wieder aufleben lassen.“ Kurze, enge Pailettenkleidchen, wie die Zwanzigerjahre jetzt interpretiert würden, habe man damals beispielsweise nicht getragen, sondern körperumspielende Modelle, die aus der Reformmode kamen. Die historische Rekonstruktion des Tanzes ist den Veranstaltern, beide von Beruf Restauratoren, ein Anliegen.

Noch Plätze frei sind bei Falk Schönfelder im Tanzstudio Potsdam, der ab 28. Februar erstmals die Tänze der Goldenen Zwanziger im Programm hat. Swing, Charleston, Ragtime, Blues und Foxtrottvarianten hat er schon vor Jahren bei Lehrgängen an der Stanford Universität in den USA gelernt. Jetzt möchte er im Festsaal im Rathaus Babelsberg den „One-Step“ oder „Lingering Blues“ vorzeigen. „Gehaltvolle Paartänze funktionieren bis heute“, sagt er, „und die Musik ist allgegenwärtig“. Er wird teilweise Originalaufnahmen abspielen und betont, dass der Kurs viel Spaß machen wird. „Es ist ja keine Weiterbildung; die Leute sollen kommen und auf das, was sie können, bauen wir auf.“

Das ist auch die Devise von Martin Lehmann von den Linksfüßern, „es braucht fürs Tanzen keine besondere Konstitution, dann tanze ich eben ein paar Tänze weniger am Abend.“ Zu oft denke man an die Höchstleistungen von Turniertänzern, dabei könne sich keiner blamieren: „Wer laufen kann, kann auch tanzen!“

Aktuelle Workshops: „Die Goldenen Zwanziger“, www.tanzstudio-potsdam.de,, Tel. 0331/71 03 89 „Balboa, Bal Swing“, www.tanzschule-potsdam.de, Tel. 0331/ 6 00 36 66.

Von Gabriele Spiller

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