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Potsdam „Vorgehen der Stadt erinnert an einen Alkoholiker“
Lokales Potsdam „Vorgehen der Stadt erinnert an einen Alkoholiker“
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18:40 04.04.2017
Streitobjekt Nummer eins zurzeit. Quelle: dpa
Innenstadt

Der Zeitungsartikel mit dem Plädoyer zum Erhalt der Fachhochschule wird zum Aufreger. Am Dienstag kommentierten Vertreter der Stadtpolitik und von Vereinen die Debatte.

Jann Jakobs. Quelle: Nadine Fabian

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD): Ein frischer Blick von außen mag manchmal hilfreich sein. Er sollte aber von Fakten gestärkt werden. Das ist bei dem Artikel kaum der Fall. Alle städtebaulichen Entscheidungen zur Potsdamer Mitte fußen auf Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlungen. Sie sind nach zahlreichen Workshops mit Experten und Diskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern gefasst worden. Die Richtungsentscheidung dazu gab es schon 1990 im ersten frei gewählten Stadtparlament zur behutsamen Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss. Von Potsdamerinnen und Potsdamern beschlossen. Es spricht hier eine westdeutsche Arroganz gegenüber der friedlichen Revolution in Ostdeutschland, wenn man diese Tatsache komplett ausblendet.

Hans-Jürgen Scharfenberg. Quelle: Friedrich Bungert

Hans-Jürgen Scharfenberg, Linken-Fraktionschef: Wäre dieser Artikel vor fünf Jahren erschienen, hätte er viel bewirken können in der öffentlichen Diskussion. Wir haben mit einer Vielzahl von Anträgen für den Erhalt der FH gekämpft, gegen die Mehrheit von SPD, CDU und Grünen. Jetzt wirkt diese Veröffentlichung wie bittere Satire, denn in der Zwischenzeit ist viel passiert. Für den Erhalt der Fachhochschule ist es, so befürchte ich, zu spät. Deshalb setzen wir uns für den Erhalt des Staudenhofs, des Rechenzentrums und des „Minsk“ ein, um die Mitte so zu gestalten, dass sie möglichst von allen akzeptiert werden kann.

André Tomczak. Quelle: Archiv

André Tomczak, Verein Potsdamer Mitte neu denken: Für mich als Kunsthistoriker und Sprecher von „Potsdamer Mitte neu denken“ ist der Artikel eine ebenso umfang- wie geistreiche Bestätigung für das bisherige Engagement. Nicht nur in der Fachwelt wird offensichtlich, dass der Potsdamer Stadtumbau alles andere als eine „behutsame Wiederannäherung“ darstellt. Längst hat sich Potsdam zu einem Extrembeispiel für Rekonstruktion entwickelt, die nicht nur bedeutende öffentliche Ressourcen vernichtet, sondern auch zu Lasten der Ablesbarkeit von Geschichte geht.

Die Pläne der Stadt sind das absolute Gegenteil einer „behutsamen Stadterneuerung“. Als Stadtentwicklung „aus dem Bestand“ bewirkte eben diese in Ost und West in den 80er-Jahren das Ende der radikalen Moderne mit ihren Flächen- beziehungsweise Kahlschlagsanierungen und der verheerenden Selbstsicherheit der Planer, alles besser zu wissen.

Mich erinnert das Vorgehen der Stadt an einen Alkoholiker, der auf der Suche nach den letzten Resten die eigene Wohnung zertrümmert. Der Artikel macht unmissverständlich klar, dass die Stadt in ihrer Sehn-Sucht nach früherer „Greatness“ weit über das Ziel hinaus schießt und sich – neben Spielräumen für kommende Generationen – ihre eigene Geschichte raubt. Es ist noch nicht zu spät, zur Behutsamkeit zurückzufinden!

Pete Heuer. Quelle: Friedrich Bungert

Pete Heuer, SPD-Fraktionschef: Weil Gläubige mit der Hostie und dem Wein Fleisch und Blut Christi in sich aufnehmen, widmete sich die FAZ am Samstag auf ihrer Wissenschaftsseite der Frage, ob Veganer Katholiken sein können. Dem konnte und wollte das Feuilleton in seinem Anspruch auf Originalität offenbar nicht nachstehen und kam – genau einen Tag zu spät. Der 1. April 2017 war bereits Geschichte. . Es ist das Los einer Sonntagszeitung, dass sie statistisch betrachtet nur alle sieben Jahre an einem 1. April erscheint. Zuletzt übrigens im Jahr 2012 und erst wieder im nächsten Jahr. Da das Gebäude der Fachhochschule dann aber wahrscheinlich bereits verschwunden sein wird, musste die Redaktion im fernen Frankfurt a. M. handeln, wollte sie zuvor die Frage beantworten, wie vieler neuer Gebäude es bedarf, um in Potsdam „die komplette Auslöschung all dessen, was zu Zeiten der DDR gebaut wurde“ zu erreichen.

Wären die FAZ-Autoren je in Potsdam gewesen, hätten sie erlebt, wie sich inzwischen selbst die konsequentesten Liebhaber von Staudenhof und Fachhochschule alle drei Wochen sonntags andächtig auf dem wiederentstandenen Alten Markt zwischen Nikolaikirche, Landtag, Rathaus und Barberini einfinden, den Platz behutsam in Besitz nehmen, ihn zu ihrem Wohnzimmer machen – und nicht etwa zwischen den beiden anderen Gebäuden logieren, „an denen man sich gern aufhält“, wie der Beitrag zu suggerieren versucht. Alles in allem eine köstliche Collage dessen, was die Archivfunktion von Blogs und Gazetten zum Thema hergeben. Für Freunde deftigen Humors - empfehlenswert, allzu zart Besaitete sollten ihre Augen schützen.

Saskia Hüneke. Quelle: Archiv

Saskia Hüneke, Bauexpertin der Grünen: Bitte nicht immer nochmal! Die Größe und die Platzierung des FH-Gebäudes an dieser Stelle war ein Fehler. Es geht um Städtebau, um die so entstandenen unwirtlichen Stadträume und nicht das Gebäude an sich. Die Beschlüsse richten sich denn auch nicht grundsätzlich gegen die DDR-Architektur, die dennoch in Potsdam vielerorts sichtbar bleiben wird, und es geht bei den Neubauten auch nur zum geringsten Teil um historisierende Zitate der Vorgängerbauten. Die sind auch kein Fake, sondern eben eine der vielen, heutigen Architektursprachen. Und schon gar nicht sind es die Schönen, Reichen und Beamten aus dem Westen, die hier das Sagen haben.

Über Städtebau und Architektur kann man ewig diskutieren, aber dass die Verfasser den breiten, seit 1989 geführten bürgerschaftlichen Diskurs und die demokratischen Entscheidungsprozesse aus zwei Jahrzehnten derart arrogant übergehen, ist nicht hinnehmbar, schon gar nicht, wenn man die DDR, die friedliche Revolution und diesen Diskurs bewusst miterlebt hat. Als Krönung ignorieren die Verfasser auch noch, dass der letzte Stadtverordnetenbeschluss zur Errichtung eines urbanen Stadtquartiers am Alten Markt nach dem Bürgerbegehren mit der Konzeptvergabe im Sinne vielfältiger Funktionen und sozialer Durchmischung wesentliche Anliegen der Kritikerseite aufnimmt und mit übergroßer Mehrheit beschlossen wurde: Statt diese Leistung eines gesellschaftlichen Diskurses zu würdigen, gefallen sich die Verfasser in belehrender Polemik. Das brauchen wir nun gewiss nicht.

Matthias Finken. Quelle: Archiv

Matthias Finken, CDU-Fraktionschef: Zum x-ten Mal aufgewärmte Argumente, die bereits mehrfach rauf und runter diskutiert wurden, viel Polemik und Ignoranz. Von der Wende bis heute haben engagierte Potsdamer zusammen mit ihren Potsdamer Stadtverordneten, dem Sanierungsträger und der Verwaltung in vielen Sitzungen und Werkstätten die notwendigen Beschlüsse erarbeitet und ihren Plan von der Potsdamer Mitte entwickelt. Änderungen, Ergänzungen und Anregungen wurden selbstverständlich immer berücksichtigt. Es war und ist ein Prozess, der Spaß macht und auf den viele stolz sind. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und Potsdam sowie die Potsdamerinnen und Potsdamer werden gewinnen.

Von Ildiko Röd

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