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Potsdam Bauprojekt gefährdet Potsdams Welterbe-Status
Lokales Potsdam Bauprojekt gefährdet Potsdams Welterbe-Status
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08:06 07.05.2018
Das Nuthewäldchen zwischen Humboldtring und Havel soll bebaut werden. Icomos stellt deswegen den Weltkulturerbe-Status für Potsdam infrage. Quelle: Friedrich Bungert
Zentrum Ost

Das geplante Bauprojekt der Firma BMP Immobilienentwicklung Berlin am Humboldtring in Zentrum Ost sorgt für massive Kritik – und hat nun sogar die Unesco-Welterbehüter des Deutschen Nationalkomitees des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos) auf den Plan gerufen. Das Gremium berät die UN-Kulturorganisation, die ihren Sitz in Paris hat. Laut einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten vom Sonnabend könnte Potsdam möglicherweise auf der Roten Liste gefährdeter Welterbestätten landen, falls das Bauprojekt tatsächlich wie geplant in der Pufferzone des Welterbes umgesetzt wird. Damit wäre eventuell in letzter Konsequenz der Welterbe-Status gefährdet.

Auch die Schlösserstiftung geißelt das Vorhaben

Wie berichtet, soll für das Vorhaben mit 270 Wohnungen auch das Nuthewäldchen an der Havel geopfert und in Bauland umgewandelt werden. Einer entsprechenden Flächennutzungsplan-Änderung stimmten die Stadtverordneten im Dezember zu – allerdings unter der Maßgabe, dass der Investor 50 Sozialwohnungen und eine Kita beziehungsweise Schule bauen muss. Momentan befindet sich der B-Plan in der Auslegung. Das Vorhaben ist seit Jahren heftig umstritten. Insbesondere die Schlösserstiftung geißelt das Vorhaben in unmittelbarer Nähe zum Welterbe. „Es geht um einen Grünzug entlang der Havel, der immer mehr eingeengt wird“, betonte Stiftungssprecher Frank Kallensee am Sonntag den Wert des „hochsensiblen Gebietes“. Immerhin handle es sich – neben dem Volkspark – um die letzte innerstädtische Grünfläche jenseits der Parkanlagen. Und: Durch die dichte Bebauung würde auch der Blick vom Flatowturm in Richtung St. Nikolai beeinträchtigt. „Wir prüfen juristische Schritte und schließen eine Klage nicht aus“, sagte Kallensee.

Jann Jakobs: „Man sollte nicht zu oft mit der Roten Liste drohen“

Die Potsdamer Stadtspitze blieb am Wochenende unbeeindruckt von der Drohung von Icomos Deutschland. „Ich sehe die ganze Sache gelassen“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zur MAZ. „Man sollte nicht zu oft mit der Roten Liste drohen – das zieht irgendwann nicht mehr.“ Am Beispiel von Dresden könne man sehen, „dass die Welt nicht untergeht, wenn der Welterbestatus verloren geht“. Darüber hinaus stehe man mit Icomos in Kontakt und wisse um die Bedenken. Die Welterbe-Hüter würden in die Abwägungsprozesse einbezogen, so Jakobs. Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) erklärte, dass im September das nächste turnusmäßige Treffen zwischen der Landeshauptstadt und Icomos geplant sei. Verabredungsgemäß würde dann auch dieses Thema mit den Welterbe-Hütern behandelt.

Icomos hat in der Vergangenheit Kompromisse mitgetragen

Kritik am Gebaren von Icomos kommt vom früheren Potsdamer Chef-Denkmalpfleger Andreas Kalesse, der Ende Februar in den Ruhestand gegangen ist. „Es ist fraglich, ob die ständige Drohung in Richtung ,Rote Liste’ durch Icomos Deutschland zielführend ist.“ Schon in der Vergangenheit hätten die Berater im Umgang mit dem Potsdam-Berliner Welterbe immer wieder verschiedene Positionen bezogen – „teilweise nicht nachvollziehbar“, so Kalesse. Damit spielt der Ex-Stadtkonservator unter anderem auf das „Ja“ von Icomos zum Bau des russisch-orthodoxen Gemeindezentrums auf dem Kapellenberg in der Alexandrowka an – mittendrin in einem Waldstück im Welterbe. Allerdings übt Kalesse auch Kritik am Rathaus, dem bislang kein vorbeugendes Krisenmanagement in solchen Konflikten gelungen sei. Obwohl dafür eigens eine verwaltungsinterne Leitplanung im Stadtplanungsamt installiert worden sei, zeige diese Maßnahme offenbar keine Erfolge, so Kalesse.

Welterbe-Hüter kritisierten Potsdam schon zuvor

Die Welterbe-Hüter von Icomos haben Potsdam bereits zwei Mal die Rute ins Fenster gestellt und mit der Aberkennung des Welterbe-Status gedroht.

Beim ersten Mal war der Stein des Anstoßes die Bebauung des Glienicker Horns. Beim zweiten Mal ging es um die geplanten Abmessungen des Hauptbahnhofs.

Aberkannt wurde der Unesco-Welterbe-Titel beispielsweise 2009 der Kulturlandschaft Dresdner Elbtal wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke.

Von Ildiko Röd und Nadine Fabian

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