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Potsdam Wannsee-Reaktor: Schubert beschwichtigt
Lokales Potsdam Wannsee-Reaktor: Schubert beschwichtigt
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12:23 09.12.2016
Information oder Stimmungsmache? Im September informierten Ärzte einer Anti-Atombewegung auf dem Babelsberger Weberplatz: Quelle: Marion Kaufmann
Potsdam

Fragen zu einem möglichen Unfall mit austretender Strahlung am Forschungsreaktor Wannsee des Helmholtzzentrums bestimmten fast die Hälfte der Einwohnerfragestunde auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch. Wann legt die Stadt einen fälligen Katastrophenschutzplan vor? Wie viele Haushalte wären in Drewitz zu evakuieren? Wie soll das in 20 Minuten möglich sein? Wo ist der Notfallplan einzusehen? Wann wird wie darüber informiert? Was passiert mit Kindern? Wer gibt ihnen die Jodtabletten und wann? All diese Fragen hatten besorgte Anwohner gestellt, und Sozialdezernent Mike Schubert (SPD), bemühte sich mit geradezu stoischer Freundlichkeit, sie zu beantworten, auch wenn ihm manches gezeichnete Szenario sichtlich zu unwahrscheinlich erschien. So sei eine Evakuierung von Drewitz gar nicht vorgesehen, weil der Gefahrenradius selbst bei Austreten radioaktiven Materials aufgrund der geringen Menge im Forschungsreaktor Drewitz nicht berühre. Eine Evakuierung von Potsdamer Wohnungen oder Häusern sei deshalb auch gar nicht innerhalb von 20 Minuten nötig, versicherte Schubert, der vor seiner Dezernententätigkeit Stabsstellenleiter Katastrophenschutz im Innenministerium war und auf diesem Gebiet als hochkompetent gelten darf. Je nach Schwere eines solchen Unfalls und den meteorologischen Bedingungen – sprich: der Windrichtung – könnte es höchstens sein, dass die Aufforderung an manche Anwohner ergehe, vorübergehend in den Wohnungen zu bleiben, gefährdete Menschen wie Kinder, Schwangere oder Ältere würden gegebenenfalls mit Jodtabletten versorgt. Dies bedürfe aber einer ärztlichen Zustimmung, da es Krankheiten und Allergien gäbe, bei denen kein zusätzliches Jod in den Körper gelangen dürfe.

Alle Unterlagen dazu finde der Bürger zudem im Internet, versicherte Schubert, zudem verfasse das Rathaus alle fünf Jahre Broschüren zur Frage, was im Notfall zu tun sei – die jüngste sei von 2014 und vollumfänglich gültig, so der Dezernent.

An dieser Stelle kam Streit auf, weil verschiedene Fragesteller Experten zitierten, die etwa einen Zehn-Kilometer-Evakuierungsradius empfählen, was durchaus Drewitz oder Babelsberg beträfe. Schubert entgegnete dem, er halte sich an das, was rechtsverbindlich sei, nämlich die Angaben des Berliner Senats, eine offizielle Studie des Öko-Instituts Darmstadt und die Erkenntnisse des Umweltbundesamtes. Es kam zu Zwischenrufen, andere Experten sagten anderes, mehrfach musste das Präsidium die Fragestellerin zur Ordnung rufen, die schließlich, sichtlich unzufrieden, den Saal verließ. Vorher hatte sie immerhin noch erfahren, was der generelle Katastrophenschutzplan für Potsdam vorsieht: Eine Evakuierung binnen 20 Minuten mit Hilfe von Fahrzeugen des städtischen Verkehrsbetriebs ViP.

Weil viele Menschen den Katas­trophenabwehrplan für Potsdam im Netz nicht fanden, habe die Stadt sich bemüht, ihn mit entsprechenden Suchbegriffen zu verknüpfen. Er solle nun leichter auffindbar sein, versprach Mike Schubert.

Wolfgang Deuster vom Kindergarten-Elternbeirat wollte insbesondere wissen, welche Informationen die Kita-Träger für den „Atom-GAU“ hätten – ob sie mit den Kindern in den Keller gehen müssten, Jodtabletten verteilen, wenn ja, wann diese eintreffen oder vorgehalten werden, ob Kinder eine Bescheinigung vorbringen müssen, dass sie Jod-Tabletten vertragen. In den Kitas sei man „ahnungslos“. Mike Schubert sagte, das würde dann je nach Lage entschieden und „vom Katastrophenschutz kommuniziert“, das müsse nicht jeder Kita-Mitarbeiter wissen, da es im Ernstfall zentral entschieden würde.

Der Forschungsreaktor

Das Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie in Berlin-Wannsee ist eines von 16 Zentren der renommierten Wissenschaftsgesellschaft.

Es betreibt den Elektronenspeicherring BESSY II und den Forschungsreaktor BER II. Der BER ist kein Kernkraftwerk, sondern produziert Neutronen für die Forschung.

Deshalb arbeitet er bei niedriger Temperatur und Normaldruck, was ihn wesentlich sicherer macht.

Von Jan Bosschaart

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