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16:28 25.01.2018
Kirchenforscher Wolfgang Mörtl vor der Französischen Kirche. Fast 50 Gemeinden in Potsdam hat er besucht.
Kirchenforscher Wolfgang Mörtl vor der Französischen Kirche. Fast 50 Gemeinden in Potsdam hat er besucht. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Etwa 50 christliche Gemeinden gehören zur Stadt Potsdam und dem Umland. Wolfgang Mörtl, selbst Mitglied der Evangelischen St.-Nikolai-Gemeinde, wollte sie alle kennenlernen. Dazu besuchte er etwa ein Jahr lang jede Woche Gottesdienste von verschiedenen Kirchen und kam mit den Besuchern ins Gespräch. Von seinen Erlebnissen berichtet Mörtl am Donnerstag im Bildungsforum.

Von den Bergen Potsdams in die christlichen Gemeinden der Stadt

Wie es dazu kam? Das Langzeitprojekt war für den 68-Jährigen bereits das zweite dieser Art. Im Sommer vor drei Jahren nahm sich der Rentner zum Ziel, alle Berge in Potsdam und Umgebung zu erklimmen. Weil sein anschließender Vortrag im Kulturzentrum in Zusammenarbeit mit der Akademie 2. Lebenshälfte so gut ankam, bat ihn die Akademie um ein weiteres Projekt dieser Art. Das Thema dafür war schnell gefunden: „Für die Unterschiede zwischen christlichen Gemeinden interessiere mich schon seit Jahren. In Potsdam gibt es etwa 15 verschiedene Richtungen. Ich wollte verstehen, wie andere Christen den Glauben leben und warum.“

Auf die Frage, wie die Mitglieder der anderen Gemeinden auf ihn und sein Projekt reagierten, betont Mörtl, dass er in allen Fällen freundlich aufgenommen wurde. „Meist steht vor dem Gottesdienst ein Kirchenmitarbeiter an der Tür. Dort habe ich mich jedes Mal vorgestellt und ganz ehrlich erklärt, warum ich hier bin.“

Schlichter Raum auf der einen, Gold und Prunk auf der anderen Seite

Als wesentliche Unterschiede zwischen den Gemeinden nennt Mörtl zum einen die Ausgestaltung der Räumlichkeiten: „Ich habe bei meinen Besuchen zwei Extreme kennengelernt: In russisch-orthodoxen Kirchen prunkt man häufig mit Gold und Farbe, bringt die Gottesverehrung also auch mit der äußeren Gestaltung zum Ausdruck. Bei anderen Gemeinden gibt es dagegen nur einen Gemeindesaal – keine Kanzel, kein Altar. Nur ein Stehpult, von dem aus alles abgehalten wird.“ Mörtl begründet das damit, dass man hier das Wort des Geistlichen ganz in den Mittelpunkt stellen möchte.

Spannend fand der Rentner außerdem sogenannte Gemeinde-Projekte, bei denen sich die Mitglieder bewusst nicht in kirchlichen Räumen treffen. „Auch hier singt man und liest aus der Bibel. Es soll aber vor allem Menschen der Zugang erleichtert werden, die sich nicht trauen, über eine Kirchenschwelle zu treten.“ Um andererseits wieder mehr junge Menschen für die Kirche zu gewinnen, nähern sich manche Gemeinden laut Mörtl auch sehr bewusst dem Musikgeschmack Jugendlicher. Der Gesang im Gottesdienst wird dann häufig von Gitarre oder Kirchenband begleitet.

Mörtl hat schon ein nächstes Projekt

Mit einem Fazit, was eine „gute“ Gemeinde ausmache, tut sich der Rentner schwer: „Die Menschen haben ganz unterschiedliche Vorstellungen von einem gelungenen Gottesdienst: Manche möchten viel singen, anderen ist eine gute Predigt wichtig, wieder anderen die Gemeinschaft.“ Wer selbst einmal Lust hat, neue Gemeinden kennenzulernen, den möchte Mörtl auf jeden Fall ermutigen: „Ich wurde überall herzlich aufgenommen. Und es lohnt sich!“ Derweil hat Wolfgang Mörtl schon die nächste Erkundungs-Idee: Die Stellen mit schönsten Aussichtspunkten in und um Potsdam.

10.30 Uhr bis 12 Uhr im Veranstaltungssaal im Erdgeschoss des Bildungsforums, Eintritt: 5 Euro.

Von Aline Boie

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