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Potsdam Was für eine Parkplatzpflicht spricht – und was dagegen
Lokales Potsdam Was für eine Parkplatzpflicht spricht – und was dagegen
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14:48 29.10.2019
Nach dem Willen von SPD und Grünen soll es in Potsdam keine Vorschrift mehr für den Bau von Anwohnerparkplätzen geben – dafür aber von Fahrradplätzen. Quelle: Axel Heimken/dpa (Symbolfoto)
Potsdam

Wenn es nach den Potsdamer Grünen geht, soll die Stellplatzpflicht für Autos bei Wohnungsbauprojekten in Potsdam abgeschafft werden. Der Wohnungsbau in Brandenburgs Landeshauptstadt soll damit vereinfacht werden. Die Antragsteller erhoffen sich dadurch auch Auswirkungen auf die Wohnungspreise in der Stadt. Doch was spricht dafür – und was dagegen?

Pro: Auch Elektroautos benötigen Parkplätze

Plädiert für die Stellplatzpflicht beim Wohnungsbau: MAZ-Redakteur Jan Bosschaart. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass auch Elektroautos Parkplätze benötigen, darauf ist wohl noch niemand gekommen. Oder Lastenräder. Und dann könnte einem auch einfallen, dass das vergebliche Cruisen um den Block und das Wohngebiet Lärm, CO2, Feinstaub und Stickoxide produziert, erst recht, wenn es dutzende Fahrzeuge in dutzenden Kiezen betrifft. Verkehrsplaner wissen darum und haben ein hübsches Verkehrsplanerwort dafür: Park-Such-Verkehre.

Eine weitere Idee ist: Parkplätze brauchen Platz, den man doch in Potsdam besser mit Wohnungen vollbauen könnte. Wie glücklich die Mieter oder Eigner der künftigen Wohnungen indes sind, wenn sie sich abends in den Park-Such-Verkehr einreihen dürfen, steht dann auf einem anderen Blatt.

Und machen wir uns nichts vor: Wer sich in Potsdam bauen leisten kann, kann sich auch entweder Stellplätze leisten – siehe die Tiefgaragen in der Alten Mitte – oder die im Vergleich zu den Baukosten läppische Summe, die die Stadt bislang kassiert, wenn man sich von der Stellplatzerrichtungsverpflichtung freikaufen möchte. Dieses Geld aber müsste die Stadt laut Satzung – für Parkplätze ausgeben! So ein Ärger!

Contra: Wer in Potsdam lebt, braucht eigentlich kein Auto

Der Wegfall der Baupflicht könnte den Potsdamern das Autofahrern madig machen, meint MAZ-Redakteurin Annika Jensen. Quelle: Samantha Franson

Die Grünen wollen mit ihrem Vorstoß den Wohnungsbau in Potsdam vereinfachen. Ein positiver Nebeneffekt könnte sein, dass man den Hauptstädtern das Autofahren madig macht. Das ist überfällig. Denn wer in Potsdam lebt, braucht meist kein Auto. Ich bin viel mit dem Rad in der Landeshauptstadt und in den Orten im Umland unterwegs. Und soll ich Ihnen etwas sagen? Es funktioniert. Sogar sehr gut. In Kombination sind Zug und Fahrrad oder Zug und Bus eine hervorragende Alternative zum Auto. Man muss sich nur darauf einlassen und sich organisieren. Und genau das tun die wenigsten.

Für die meisten Menschen ist das Auto vor allem ein bequemes Fortbewegungsmittel. Sie machen sich nicht die Mühe, sich über ÖPNV-Verbindungen zu informieren. Mit dem Vorstoß der Grünen und der SPD könnten sie nun allerdings dazu gezwungen werden. Und genau das ist notwendig. Ohne Zwang wird sich nichts ändern. Und wer Angst vor Zwang und Verpflichtung hat, sollte sich fragen: Wo wären wir heute ohne die Pflicht für einen Waffenschein, ohne die Pflicht zur Schule zu gehen und ohne das Verbot der Volksverhetzung?

Sicher wäre es schön, wenn es für all das keine gesetzlichen Verbote bräuchte, wenn der gesellschaftliche Konsens stattdessen so stark wäre, dass kein Mensch auf die Idee kommen würde, sich zu widersetzen. Doch so ist es nicht. Es braucht diese Verbote und Pflichten, um die Menschen nachhaltig zu bewegen.

Und das ist leider nicht anders bei dem gigantischen Vorhaben, die große Masse der Menschen in der Stadt aus dem Auto auf das Fahrrad zu bringen. Und wenn dazu unter anderem die Stellplatzsatzung in Potsdam geändert werden muss, dann ist das so.

Von Jan Bosschaart und Annika Jensen

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