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Potsdam Viel Geld, kein Amt: Was bleibt vom Wahlkampf? Unterwegs mit CDU-Kandidat Viehrig
Lokales Potsdam Viel Geld, kein Amt: Was bleibt vom Wahlkampf? Unterwegs mit CDU-Kandidat Viehrig
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11:49 05.09.2019
Im Angesicht des Landtags nimmt Clemens Viehrig (Direktkandidat im Wahlkreis 22) nach der Wahlniederlage eines seiner letzten Wahlplakate ab. Quelle: Peter Degener
Potsdam

Das Geld, das Clemens Viehrig in seinen Wahlkampf gesteckt hat, hätte für ein Auto gereicht. Doch stattdessen bleibt dem CDU-Landtagskandidaten im Wahlkreis „Potsdam I“ nur ein recht einfaches Lastenfahrrad.

Damit ist er wochenlang durch die Stadt gefahren, hat sich gezeigt, wollte Menschen von sich überzeugen. „Stadt.Land.Viehrig“ war sein Slogan – er wollte die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung für Potsdam mit der im Landtag verknüpfen, wollte so mehr erreichen.

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Im Innenstadt-Wahlkreis hatte Viehrig es jedoch alles andere als leicht. Nur 12,9 Prozent der Stimmen erhielt er schließlich und landete an vierter Stelle hinter den Kandidatinnen der Grünen, Sozialdemokraten und Linken.

Clemens Viehrig nimmt seine letzten Plakate ab. Quelle: Peter Degener

„Keiner hat erwartet, dass ich gegen den Platzhirsch Geywitz und den grünen Hype gewinne“, räumt er selber ein. Warum investiert er dennoch Geld und Zeit? Warum tut er sich das an?

400 Plakate allein eingesammelt

Zwei Tage nach der Wahl sammelt der 41-Jährige seine letzten Plakate ein, die noch in der Potsdamer Innenstadt hängen. Es ist schon dunkel, als er seine Leiter an eine hohe Laterne direkt vor dem Landtagsgebäude lehnt. Er zieht die Pappgesichter der Konkurrenten hinab, bis er auch sein Plakat zu fassen bekommt.

Mit dem Cuttermesser trennt er erst die Kabelbinder, am Boden schließlich zerteilt er das Plakat, das seinen Namen und sein Gesicht trägt, in Stücke und stapelt die Reste im Lastenrad. Dann geht es zur nächsten Laterne. 400 Plakate hat er seit der Wahl allein wieder eingesammelt. „Ich will das erledigen, bevor ich wieder anfange zu arbeiten“, sagt er.

Clemens Viehrig, vor dem Landtag in Potsdam. Quelle: Peter Degener

Für die Plakate musste er nichts bezahlen. Die Partei stellte ihm ein Kontingent. Doch persönliche Flyer für tausende Haushalte, Großflächen-Plakate, sein Gesicht auf den Werbeflächen der Haltestellen in den letzten Tagen vor der Wahl und vor allem die Werbung im Netz finanzierte er selbst. Er ließ ein professionelles Video drehen. Die Verbreitung auf verschiedenen sozialen Netzwerken kostete Tausende. Er lud sich prominente CDU-Politiker für Wahl-Talks ein, musste Mieten für die Veranstaltungsräume zahlen.

Wahlkampf statt Sommerurlaub

Genaue Summen möchte Viehrig nicht nennen, sagt nur so viel: „Ich habe einen ordentlichen vierstelligen Betrag aus eigener Tasche investiert.“ Hinzu kommt: Viehrig hat sich einen Monat lang unbezahlt von seinem Referentenjob im Bundesverkehrsministerium freistellen lassen, hat seinen Jahresurlaub und alle angesammelten Überstunden genommen, um sich von Anfang Juli bis zum Wahltag auf den Wahlkampf konzentrieren zu können.

Clemens Viehrig vor dem Potsdamer Rathaus. Quelle: Peter Degener

Und das alles nur fünf Wochen nach dem Kommunalwahlkampf, der ihn schließlich zum Fraktionschef der CDU in der Stadtverordnetenversammlung gemacht hatte. Seine Frau hielt ihm dafür den Rücken frei – auch wenn das hieß, dass sie und sein dreijähriger Sohn den ersehnten Sommerurlaub an der Ostsee in diesem Jahr ohne ihn verbringen mussten.

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Doch die Hoffnung auf „Stadt.Land.Viehrig“ muss er am Wahlabend gleich um 18 Uhr aufgeben. „Die erste Prognose war sehr ernüchternd. Ich hatte nicht erwartet, dass wir unter den Umfragen bleiben würden. Aber in dem Moment war klar, dass es nicht einmal knapp werden wird“, sagt er während der abendlichen Runde durch die Stadt. Waren alle Investitionen umsonst? „Nein, ich nehme unwahrscheinlich viel mit aus dem Wahlkampf. Die CDU hat es schwer in Potsdam und trotzdem habe ich es versucht“, sagt er bestimmt.

Sein Antrieb als Kommunalpolitiker sind keine Aufwandsentschädigungen. Der Ur-Potsdamer begann sich zu engagieren, damit sein Sportverein einen Kunstrasenplatz in der Waldstadt bekommt. Acht Jahre hat das gedauert.

Das anfänglich persönliche Interesse hat Viehrig in dieser Zeit zum Politiker und Stadtverordneten gemacht, der sich nun um Sport und Bildung in ganz Potsdam kümmert. „Ich will etwas für die Stadt bewegen, darauf habe ich Bock“, sagt er.

Etwas bewegen ist das Ziel

Und weil das nicht nur ihm so gehe, sondern den meisten Kommunalpolitikern, fügt er an: „Ganz viele wollen etwas bewegen, trotz des Vorwurfs, sie würden sich nur die Taschen vollhauen.“ In sein Engagement hat Viehrig nicht nur in diesem Sommer als Landtagskandidat investiert. Sein Ehrenamt als Stadtverordneter und CDU-Fraktionschef kostet ihn monatlich zwischen 30 und 40 Stunden für Sitzungen und Vorbereitung.

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Nur eines lässt er sich weder im Wahlkampf noch im Alltag nehmen: „Ich arbeite lange und an vielen Abenden. Aber jeden Morgen nehme ich mir die Zeit und kümmere ich mich um meinen Sohn, den ich zur Kita bringe.“ Am Montag und am Dienstag sammelte er anschließend stundenlang Plakate ein.

An diesem Mittwochmorgen aber machte er sich erstmals seit Monaten wieder auf den Weg zur Arbeit in das Bundesverkehrsministerium in der Berliner Invalidenstraße in das Referat „Strategische Planung“. Schon am späten Nachmittag war er wieder in Potsdam, saß als CDU-Fraktionschef im Stadthaus und nahm am Hauptausschuss teil. Im Ehrenamt.

Von Peter Degener

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