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Potsdam Weißes Hemd und irrer Blick
Lokales Potsdam Weißes Hemd und irrer Blick
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17:55 05.01.2018
Die Plastik „Erreger“ von Götz Lemberg vor dem Ölbild „Ohne Titel“ von Henning Loeschke. Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Ein junger Mann mit irrem Blick und weißem Hemd verharrt am Rande eines Birkenwaldes. „Vincent“ ist der Titel der mit 140 mal 200 Zentimeter großformatigen Fotografie auf Plexiglas, die im Zentrum der neuen Ausstellung des Kunsthauses steht wie ein weit geöffnetes Fenster. Vincent van Gogh war dem aus Holland stammenden Menno Veldhuis ebenso Inspiration wie Andrei Tarkowskis Partisanenfilm „Iwans Kindheit“. „Vincent“, von Klaus Fahlbusch nach den Vorgaben Veldhuis’ fotografiert, ist ein Sinnbild für den Künstler, der sich nach einem Schlaganfall ins Leben zurück kämpfte.

Annette Jahnhorst, Mitarbeiterin der Galerie, beim Aufbau der Ausstellung mit „Vincent“ von Menno Veldhuis. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Kein Thema“ ist der Titel der Gruppenausstellung zum Jahresanfang, die als zweiter Teil nach der Eröffnungsschau von 2017 weitere 30 künstlerische Positionen von Mitgliedern des Vereins Kunsthaus Potsdam präsentiert. Mit 280 Mitgliedern der größte Kunstverein im Land Brandenburg, wurde es vor zwei Jahren allen Künstlern aus den eigenen Reihen angeboten, sich um die Teilnahme an der Eröffnungsausstellung zu bewerben.

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60 Meldungen gingen damals beim Vorstand ein. In alphabetischer Reihenfolge wurde vor einem Jahr die erste Hälfte vorgestellt. Nun ist die zweite Gruppe an der Reihe. Erneut gingen die acht Vorstandsmitglieder zur Auswahl der Beiträge in die Ateliers der Künstler, die ihnen streng nach Alphabet zugewiesen wurden. Raum und Zeit sind die zentralen Koordinaten der neuen Schau, so wie bei „Vincent“, der die Dinge für einen Augenblick zum Stehen bringt.

„Odysseus“ von Felicitas Hoess-Knahl. Quelle: Bernd Gartenschläger

Kunst über Kunst präsentiert Margareta Hase mit ihrer dunkle Tiefen öffnenden Fotografie von einer Laserinstallation im Gewölbe eines historischen Wasserspeichers. Die wie ein Teich in der letzten Abenddämmerung in Schwarz und Grau verschwimmende „Irisierende Landschaft“ aus leicht gewölbtem Röntgenfilm von Sibylle Wagner erweist sich bei näherem Hinsehen als 3D-Panorama. In dem Acrylbild „Grün Gewesenes I“ von Dörte Lützel-Weiß vereint sich die titelgebende Farbe mit einfallendem Violett zu warmer Körperlichkeit. Das Ölbild „Ohne Titel“ von Henning Loeschke entführt aus einem schwarz-rot-grünen Traumgebilde in die satt tröpfelnde Monotonie eines Regentages.

„Erreger“ ist der Titel einer Plastik, deren nicht einmal handballgroßes Modell mitten im Raum auf einem Sockel balanciert – eine silbrige Kugel mit zwei Dutzend abstehenden Fühlern. Das Original wurde von Götz Lemberg im Sommer 2016 am Universitätsklinikum in Regensburg aufgestellt, eine mit fünf Metern Durchmesser echt monströse Mikrobe. Musik schwingt mit bei der „Odysseus“-Installation von Felicitas Hoess-Knahl mit Cello- und Geigensaiten, die Tentakeln gleich in Kästen aus Acryl fixiert sind. Die Odyssee ist ein Thema, das die Künstlerin schon seit Jahren beschäftigt. Immer wieder einmal setzt sie eine Episode mit gebrauchtem Material in Plastiken um. Für die Begegnung des irrfahrenden Griechen mit den mörderischen Sirenen nahm sie Saiten, die von den Berliner Philharmonikern bespielt worden sind.

Ausstellungstermine und weitere Veranstaltungen

Die Ausstellung „Kein Thema 2“ im Kunsthaus Potsdam, Ulanenweg 9, wird am Sonntag um 16 Uhr eröffnet.

Zur Vernissage sprechen die Vereinsvorsitzende Birgit Möckel und Frank Michael Zeidler, Vorstand der Stiftung Kunstfonds Bonn. Die Ausstellung läuft bis zum 25. Februar, geöffnet Di, Mi, Fr, Sa, So 12-17 Uhr, Do 12-20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Zur Finissage gibt es am 25. Februar um 16 Uhr ein Gespräch von Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam-Museums – Forum für Kunst und Geschichte, mit beteiligten Künstlern.

Einen Vortrag „Die neue Unfreiheit. Wie Markt und Moral die Kunst bedrohen“ mit Hanno Rautenberg gibt es im Kunsthaus am 17. Januar um 19 Uhr. Die Veranstaltung ist öffentlich.

In der nächsten Ausstellung sind vom 4. März bis 22. April Malerei und Installation von Ruthi Helbitz Cohen Skulpturen von Johoshua Rozenmann (Berlin/Amsterdam) zu sehen.

Vom 24. April bis 17. Juni folgen in Kooperation mit den Kunstvereinen Wilhelmshaven und Singen Skulpturen von Werner Pokorny sowie Malerei von Gabriele Streile und Werner Schmidt.

Von Volker Oelschläger

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