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Potsdam Weltmarkt-Erfolg aus Potsdam
Lokales Potsdam Weltmarkt-Erfolg aus Potsdam
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21:49 20.09.2013
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Potsdam

Was sind schon all die Urkunden und Zertifikate, all die hochoffiziellen Stempel, Siegel und Preise gegen die Weihnachtskarte eines kleinen Mädchens? Therese schreibt von ihrem ersten Tag ohne Kopfschmerzen und ohne Übelkeit. Auf den Fotos, die sie mit ins Kuvert gesteckt hat, trägt sie eine Nikolausmütze und tobt durch den Schnee, sie lacht, ihre Bäckchen sind rosig.

Christoph Miethke ist gerührt, wenn er von Therese erzählt: „Das ist es, was uns antreibt. Nicht die Intention, Umsatz zu machen, sondern zu behandeln.“ Die Firma, die der Ingenieur vor mehr als 20J ahren gegründet hat und deren Geschicke er seither als Geschäftsführer leitet, entwickelt neurochirurgische Implantate zur Therapie des Hydrocephalus – des Wasserkopfs. Heute ist die in der Ulanenkaserne an der Jägerallee ansässige „Christoph Miethke GmbH & Co. KG“ ein Global Player. Die Firma hat sich mit ihrer neuartigen Gravitationstechnologie weltweit in neurochirurgischen Fachkreisen einen Namen gemacht. Die in Potsdam entwickelten und gefertigten Ventile werden in etwa 50 Ländern auf allen Kontinenten implantiert; in Deutschland ist man Marktführer. Kein Wunder also, dass Miethke mehrfach prämiert wurde. Unter anderem war die Firma im Jahr 2008 „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“; 1999 und 2006 gab’s den Innovationspreis Berlin-Brandenburg.

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Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (r.) und Christoph Miethke (M.) lassen sich an der Drehmaschine von Kai Möbius einen Rohling für ein neurochirurgisches Implantat zeigen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Für Wirtschaftsminister Ralf Chris toffers (Linke) ist Miethke ein Vorzeigeunternehmen par excellence, ein Aushängeschild für Brandenburger Forscher- und Unternehmergeist. „Die Entwicklung dieser Firma macht deutlich, wie weit wir im Land Brandenburg gekommen sind“, sagt Chris toffers. Bevor er im Dezember erneut den Innovationspreis verleiht, schaut er sich bei früheren Preisträgern um und erkundigt sich nach deren Befinden. Bei Miethke war er zuletzt 1999 – er ist begeistert, welchen Sprung die Firma seither gemacht hat – auch mit Hilfe öffentlicher Mittel. „Das waren ganz klar Investitionen in die Zukunft“, so Christoffers.

„Dieses Unternehmen ist nur aufgrund staatlicher Förderung möglich geworden“, betont Christoph Miethke. Als er die Firma 1992 aus der Taufe hob und mit der Produktion in einer ehemaligen Stasi-Baracke auf Jahrzehnte alten, gebrauchten Maschinen begann, gab’s 850.000 D-Mark aus der Staatskasse; der private Anteil betrug 150.000 Mark. Am 1. Februar 1995 implantierten Ärzte der Berliner Charité einem Patienten das erste Miethke-Ventil.

Das menschliche Gehirn ist zu seinem Schutz von einer speziellen Flüssigkeit, dem Hirnwasser, umgeben. Es wird in mehreren Hirnkammern (Ventrikel) produziert und zirkuliert dort, bis es ins Blut abgegeben wird. Die Ventrikel sind untereinander durch Kanäle verbunden und bilden so ein komplexes Ableitungssystem. Bei Hydrocephalus-Betroffenen fließt das Hirnwasser nicht richtig ab – die Ventrikel vergrößern sich, der Hirndruck steigt. Das kann das Gehirn bleibend schädigen.

Auch wenn die Störung des Hirnwasserkreislaufs heute kein Todesurteil oder der Grund für schwerste geistige Behinderungen mehr sein muss – heilbar ist sie nicht. Aber therapierbar.

Ein implantiertes Ableitungssystem (Shunt) aus Ventil und Kathetern ermöglicht den Abfluss des Hirnwassers. Dabei passen sich Miethke-Ventile der Körperposition des Patienten an und dosieren genau – egal, ob der Patient liegt oder sitzt. Durch die von Miethke entwickelte Technologie ist es gelungen, die Mängel bisheriger Systeme – etwa zu starkes oder zu schwaches Abfließen – zu überwinden.

Trotz dieses bahnbrechenden Erfolgs schreitet Miethke voran, forscht weiter, entwickelt weiter – und wirkt so als Wegweiser für all die anderen kreativen Köpfe der Hauptstadtregion, von denen sich 135 um den Innovationspreis 2013 beworben haben. Miethke ist nun Partner und Sponsor des Innovationspreises. Über dieses Engagement habe er nicht lange nachdenken müssen, sagt Christoph Miethke: „Weil ich weiß, was der Preis mit uns allen hier gemacht hat. Diese Anerkennung der Öffentlichkeit für unsere kleine Nische hat uns enorm motiviert, unseren Weg fortzusetzen.“ Die Patienten können ein normales Leben führen.

Global Player von nebenan: Die Miethke GmbH & Co.KG

1992 gründete der Ingenieur Christoph Miethke die nach ihm benannte Firma; das Team zählte damals vier Mitarbeiter – heute sind es mehr als 70.

Erster Firmensitz war eine ehemaligen Stasi-Baracke an der Berliner Wuhlheide. Über Adlershof und den Europark Dreilinden kam die Miethke GmbH & Co. KG schließlich nach Potsdam. 2004 erwarb die Firma den einstigen Pferdestall der Ulanenkaserne an der Jäger allee und ließ die denkmalgeschützte Ruine aufwendig und liebevoll sanieren.

Spezialität des Unternehmens ist die Entwicklung und Produktion neurochirurgischer Implantate zur Therapie des Hydrocephalus (Wasserkopf). Die Ventile werden weltweit in etwa 50 Ländern implantiert.

Etwa 60.000 Hydrocephalus-Patienten leben in Deutschland. Der Hydrocephalus kann angeboren sein (man schätzt etwa ein bis vier Betroffene je 1000 Geburten) oder im Erwachsenenalter erworben werden. Die Ursachen für einen erworbenen Hydrocephalus sind vielfältig: Unfälle, Operationen, Hirnblutungen, Tumore, Hirnhautentzündungen uvm. können die Krankheit auslösen. Eine verbreitete Form ist der Normaldruckhydrocephalus, auch Altershydrocephalus genannt. Die Ursachen dafür sind nicht hinreichend bekannt. Die Erkrankung tritt zumeist ab dem 60. Lebensjahr auf.

Der Innovationspreis Berlin-Brandenburg wurde der Firma 1999 und 2006 verliehen. Seit 2007 ist Miethke Partner des Preises.

» www.miethke.com

Von Nadine Fabian

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