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Potsdam Wendebilder im alten Stasi-Knast
Lokales Potsdam Wendebilder im alten Stasi-Knast
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21:38 02.12.2019
Bernd Blumrich vor der Gedenkstätte Lindenstraße mit dem Eröffnungsmotiv seiner Fotoausstellung. Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Bernd Blumrich war in Horstwalde, als Potsdams Bürgerrechtler am 5. Dezember 1989 den Zugang zur Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in der Hegelallee und zum Stasi-Untersuchungsgefängnis in der heutigen Lindenstraße erzwangen.

Im Auftrag des Neuen Forums dokumentierte der Bildchronist der Wendezeit an diesem Tag auf dem Militärgelände bei Sperenberg (Teltow-Fläming) einen bis dahin streng geheimen Waffenmarkt des DDR-Ministeriums für Außenhandel.

Bernd Blumrich am Montag in der ehemaligen Küche. Quelle: Bernd Gartenschläger

In den nächsten Wochen aber sollte Blumrich immer wieder in die Lindenstraße kommen. Er war dabei, als Vertreter des Neuen Forums, der Arbeitsgemeinschaft für Stadtgestaltung und Umweltschutz (Argus) und der neu gegründeten Sozialdemokratischen Partei (SDP) am 9. Januar 1990 die Schlüssel für das Gebäude übernahmen, Büros aufteilten und mit dem Haus der Demokratie quasi ein neues Kapitel in der Geschichte der Lindenstraße eröffneten.

Der Kleinmachnower Fotograf war ebenso dabei, als die Lindenstraße am 20. Januar 1990 erstmals für einen Tag der offenen Tür aufgeschlossen wurde.

Das Plakatmotiv für die Ausstellung. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Haus für alle“ stand auf einem Banner über dem Eingangstor. Für „Offene Türen“ warb ein Plakat des Neuen Forums im Erdgeschoss, während in der oberen Etage ein Transparent an den Gefängnisgittern bekannt gab, dass nun auch der Kreisverband des „Demokratischen Aufbruchs“, erste Partei der späteren Bundeskanzlerin Angela Merkel, ins Haus der Demokratie eingezogen war.

Mit dieser Aufnahme beginnt eine Ausstellung „Zeiten des Umbruchs 1989/90: Eine fotografische Intervention in der Gedenkstätte Lindenstraße“, die am Dienstag um 18 Uhr eröffnet wird.

15 Fotografien von Bernd Blumrich aus der Wendezeit sind in den Räumen platziert, in denen sie 1990 aufgenommen wurden. „Der direkte Vergleich von Gegenwart und Vergangenheit lädt zu einem neuen Blick auf den historischen Ort und lässt die Umbruchszeit 1989/90 lebendig werden“, sagt Gedenkstättenleiterin Uta Gerlant.

Blick durch den künftigen Haupteingang in den Gefängnishof. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zu jeder Aufnahme gibt es eine kurze Erläuterung: „Die Schleuse“ etwa zeigt dass Bild eines Käfigs in der Durchfahrt von der Straße zum Gefängnishof.

Gerlant beschreibt die von ehemaligen Häftlingen vielfach geschilderte Situation, in der sich das Eisentor zur Straße schließt: „Mit einem Knall, der für sie wie ein Abschneiden von der Außenwelt war. Der ihnen gesagt hat: Jetzt bist du drin, jetzt bist du ausgeliefert.“

War das Tor geschlossen, wurde der Käfig zum Hof geöffnet. Heute sind davon nur noch Spuren zu sehen. Das stählerne Tor wurde in den 1990er Jahren entfernt und in Anlehnung an den barocken Ursprung des Hauses denkmalgerecht durch ein Holztor ersetzt. Vom Gitter blieben nur noch Spuren im Boden.

Aufnahme von den leeren Aktenordnern im „Kuturrraum“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der „Kulturraum“ genannte heutige Veranstaltungssaal ist in diesem Ausstellungsprojekt der einzige Raum mit zwei Fotografien. Vorn links neben dem Eingang gibt es ein Bild, auf dem die Wände mit Sprelacart-Kunstharzplatten verkleidet sind, davor ein großer Haufen mit leeren Aktenordnern. Fotografiert hat Blumrich das am 9. Januar, als die Bürgerrechtler das Haus übernahmen.

Die zweite Aufnahme zeigt die später herausgerissene Wand auf der anderen Seite des Saals, darauf die Reste eines Schriftzuges „Mit dem Blick auf den XII. Parteitag die Aufgaben der Gegenwart lösen“.

Die Reste der Parteitagslosung. Quelle: Bernd Gartenschläger

Mehrere Räume der einstigen Gefängnisses werden mit dieser Ausstellung erstmals für das Publikum geöffnet. Der Überwachungsraum war die Zentrale des 48 Mann starken Wachpersonals mit einer Direktverbindung zu jeder Zelle.

Ebenso erstmals zugänglich ist die ehemalige Großküche. Eine Fotografie vom 23. Januar 1990 zeigt den Potsdamer Mitbegründer des Neuen Forums, Rudolf Tschäpe, nach der Vollversammlung in der Erlöserkirche bei einer nächtlichen Führung durch das frühere Gefängnis. Unter seinen Begleitern ist Lea Rosh, die spätere Initiatorin des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Das Fotoprojekt schlägt eine Brücke in die Nachwendezeit.

Die Ausstellung „Zeiten des Umbruchs“ ist bis zum 3. Oktober 1990 zu sehen, dem 30. Jahrestag der deutsch-deutschen Wiedervereinigung.

In die Zeit der Ausstellung fällt mit der Neugestaltung des Eingangs der größte Umbau der letzten Jahre. Das einstige Tor mit dem Direkt-Durchgang zum Hof wird als Haupteingang geöffnet. Eine im 19. Jahrhundert zugemauerte Seitenwand in der Durchfahrt wird nach historischem Vorbild aufgebrochen und für den Empfang ausgebaut.

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Der jetzige verwinkelte Haupteingang in einer Seitentür spielt für den Publikumsverkehr eine Rolle mehr. Stadt und Land als Träger der Gedenkstättenstiftung investieren laut Gerlant knapp 100.000 Euro in den Umbau, mit dem noch in diesem Jahr beginnen wird.

Das Fotoprojekt schlägt eine Brücke in die Nachwendezeit.

Von Volker Oelschläger

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