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Potsdam Wenn Potsdamer Macher rocken...
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13:55 14.02.2015
Hasso Plattner (Mitte) bei einem Auftritt mit Studenten auf dem Sommerfest des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts.
Hasso Plattner (Mitte) bei einem Auftritt mit Studenten auf dem Sommerfest des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Quelle: HERSCHELMANN (Archiv)
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Potsdam

Sie sind Sänger, Klavierspieler und E-Gitarrenrocker: Potsdams Hochschulprominenz könnte ohne Weiteres einen Konzertabend bestreiten. Zum Teil haben sie es schon getan. Softwareunternehmer Hasso Plattner hat sich beim Sommerfest der von ihm finanzierten und nach ihm benannten Softwareschmiede HPI am 21. Juli 2006 rockend als Gitarrist unter die Berliner Cowboys von „The BossHoss“ gemischt.

HASSO PLATTNERDer gebürtige Berliner Hasso Plattner (Jahrgang 1944) gründete nach dem Studium der Nachrichtentechnik mit Dietmar Hopp, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector und Klaus Tschira 1972 das Softwareunternehmen SAP. Die Spende für das von ihm finanzierte Hasso-Plattner-Institut ist mit über 200 Millionen Euro die größte deutsche private Stiftung. Foto: Griebnitzsee, Juli 2006: Hasso Plattner empfiehlt sich als neuer Gitarrist bei "The BossHoss". Quelle: MAZ

Unipräsident Oliver Günther brachte 2014 beim Hochschulball mit „Moon River“ die Herzen im Ballsaal zum Schmelzen. Und Eckehard Binas, Präsident der Fachhochschule Potsdam (FHP), hat bislang vor allem die „Kamingespräche“ im Theatersaal der FHP mit seinen 15-minütigen am E-Klavier vorgetragenen Kompositionen bereichert.

„Musik ist für mich das wichtigste Hobby“, sagt Uni-Präsident Günther. „Sie ist entspannend und führt Menschen zusammen, ob im Chor oder im Orchester.“ Schon 1968 übte der damals siebenjährige Günther im heimischen Stuttgart den Anschlag. „Meine Eltern spielten leidlich Klavier, es stand bei uns zu Hause und so hat das eben begonnen“, erzählt er. Später wurde Günther Mitglied bei den renommierten Hymnus-Chorknaben in Stuttgart. Daneben lernte Günther ein wenig Oboe.

OLIVER GÜNTHERDer 1961 in Stuttgart geborene Oliver Günther studierte in Karlsruhe. Der Wirtschaftsinformatiker war unter anderem am Ulmer Institut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) tätig. Später war er Professor für Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Januar 2012 übernahm er das Amt des Präsidenten der Universität Potsdam. Foto: Griebnitzsee 2014: Oliver Günther bringt beim Hochschulball Herzen zum Schmelzen.. Quelle: Karla Fritze

Mit diesen Voraussetzungen konnte er später als Student des Wirtschaftsingenieurwesens und der Mathematik an der damaligen Universität Karlsruhe mit vier Kommilitonen und einem Klavier spielenden Lehrer die Combo „Comedian Sextett“ gründen. „Der Name zeigt eigentlich schon, was wir gemacht haben: Wir haben die Songs der Comedian Harmonists von den Platten runtergeschrieben.“ Günther selbst hat „Mein kleiner grüner Kaktus“ auf Notenblättern für seine Kollegen neu arrangiert. Auf Bällen, Betriebsfesten und Familienfeiern entzückten die jungen Leute damit das Publikum. „Das war durchaus ein schöner Nebenverdienst“, sagt Günther.

Geradezu psychotherapeutische Effekte schreibt FHP-Präsident Binas dem Klavierspielen zu. „Einen Ausgleich für den Hochschulalltag braucht man“, sagt der Autodidakt und Komponist. Dabei war die Musik für Binas weitaus mehr als nur ein schöner Zeitvertreib. Als Mitglied und Mitbegründer der DDR-Band „Der Expander des Fortschritts“ mischte Binas von 1986 bis 1990 mit seinen Kollegen Uwe Baumgartner, Mario Persch, Norbert Grandl, Thomas Görsch, Stefan Schüler und nicht zuletzt mit Susanne Binas, seiner langjährigen Lebensgefährtin, die Undergroundszene der DDR auf. Heute noch kann die Songs der Band auf Youtube abrufen. Der harte Sound zwischen Jazz, Blues, Punk und experimenteller Musik versetzte vor gut einem Jahr sogar Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) in Verzücken. Ein Referent hatte ihr Klangbeispiele präsentiert. „Bei einer Veranstaltung in den neuen Kammern kam sie dann aufgeregt auf mich zu“, erzählt Binas. Man habe sich entspannt unterhalten. „Von da an war das Eis gebrochen.“

ECKEHARD BINASEckehard Binas, Jahrgang 1955, studierte Kultur- und Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität. Anfang der 90er baute er an der FH Potsdam den Studiengang „Kulturarbeit“ mit auf. Dann wechselte er als Professor für Kulturphilosophie, Kulturgeschichte und Ästhetik an die Hochschule Zittau/Görlitz. Seit Dezember 2012 ist er Präsident der FH Potsdam. Foto: Campus Pappelallee 2015: Eckehard Binas unterhält Gäste der "Kamingespräche" gerne am Piano. Quelle: MAZ

Binas hat sogar eine Zeit lang von seiner Musik gelebt. Von 1988 bis 1990 schrieb er als freischaffender Komponist Musik für Theater und Film. Neben dem Potsdamer Kabarett „Obelisk“ griff auch das „Deutsche Theater“ in Berlin auf seine Fähigkeiten zurück. Dabei hat Binas erst im Alter von 17 Jahren mit dem Musizieren begonnen. „Ich nahm damals die alte Schrammelgitarre meines Vaters in die Hand, eigentlich nur als Rehaübung, um meinen Finger zu trainieren.“ Binas hatte sich bei einem Segelunfall den Mittelfinger der linken Hand geklemmt und dessen Spitze verloren. Der Unfall ließ ihn seine Fähigkeit zum Musizieren und Komponieren entdecken. „Ich habe da meinen ganz eigenen Stil“, sagt er. „Ich denke mehr in harmonischen Feldern, weniger in harmonischen Abläufen.“ Sein Kompositionsstil orientiere sich eher am Jazz als an der Sinfonik.

Gemeinsam aufgetreten sind die drei Herren noch nicht. Das zeichnet sich zumindest für Günther und Binas ab. „Wir sind im Gespräch“, sagt Günther. Gegen das Hinzustoßen von Hasso Plattner hätte insbesondere Binas nichts einzuwenden. „Klar, das funktioniert bestimmt“, meint er. „Das wäre sicher auch gut für die Hochschulen.“ Unter Umständen wäre sogar noch Verstärkung aus dem HPI denkbar. Dessen Direktor Christoph Meinel spielt Kontrabass. Meinel leitete in seiner Jugend in der DDR sogar ein Jugendsymphonieorchester. Da hängt es vermutlich allein vom engen Terminkalender des viel beschäftigten SAP-Aufsichtsratschefs Plattner ab, ob es jemals zu einem ungewöhnlichen Potsdamer Konzertevent mit Mehrwert für die Wissenschaftslandschaft kommt.

Von Rüdiger Braun

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