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Potsdam Wenn die Miete zum Albtraum wird
Lokales Potsdam Wenn die Miete zum Albtraum wird
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01:19 08.06.2019
Aline Liebenow, die Leiterin der der Awo-Beratungsstelle für Überschuldete, im Zelt am Brandenburger Tor. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Zelten – da schwingt immer ein Hauch Abenteuer mit: Einfach irgendwo die Zelte aufschlagen und dann genüsslich die Seele baumeln lassen. Wenn diese Existenz aber zur einzigen Wohnform wird, die man sich leisten kann, dann sieht die Sache schon anders aus. Und es wird immer leichter, in so eine Notsituation – Wohnungsverlust, Obdachlosigkeit – zu geraten. Darauf hat die Potsdamer Awo am Mittwoch im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung aufmerksam gemacht. Motto: „Albtraum Miete“.

Zelten am Brandenburger Tor

Direkt am Brandenburger Tor hatte die Awo ein Zelt aufgestellt, flankiert von einer „Wohnküche“ als Anschauungsexemplar für die Situation von Menschen in prekären Lebensverhältnissen. Denn jeder Quadratmeter zählt – nicht nur, was das Wohlfühlambiente angeht, sondern bei den finanziellen Einstufungen durch die Behörden.

Angesichts des extrem niedrigen Wohnungsleerstands in Potsdam fällt es Sozialleistungsempfängern zunehmend schwer, passenden, sprich: kleineren, Wohnraum zu finden, der auch den Vorgaben entspricht. Als „unangemessener Wohnraum“ werden all jene Quadratmeter bezeichnet, die über den Vorgaben liegen. Sie müssen von den Sozialleistungsbeziehern aus eigener Tasche bezahlt werden. Oft geraten diese Mieter so in die Schuldenfalle. „Das können locker mal 10 000 bis 20 000 Euro sein“, erläuterte Aline Liebenow, Leiterin der Awo-Beratungsstelle für Überschuldete.

Was folgt, sind oft Zwangsräumungen und Gerichtsprozesse. Anders als in Potsdam-Mittelmark, wo es laut Liebenow momentan gar keine Wohnheimunterkünfte für zwangsgeräumte Mieter gibt, ist Potsdam relativ gut aufgestellt. 110 Plätze im Obdachlosenheim am Lerchensteig; dazu einige Wohnungen im Familienhaus am Stern. Doch diese Angebote können die Nachfrage nicht decken.

Awo bietet etliche Hilfsmöglichkeiten

Liebenows Rat: „Wichtig ist, sich rechtzeitig Hilfe zu holen – und nicht erst, wenn der Mahn- oder Vollstreckungsbescheid im Briefkasten landet.“ Vor Ort war am Infostand auch Anne Schweiger, Leiterin der ambulanten Wohn- und Eingliederungshilfe „Der Laden“: „Bei drohender Wohnungslosigkeit begleiten wir die Menschen, bis das große Ziel der eigenen Wohnung oder des Wohnraumerhalts erreicht ist.“

Kontakt zur Ambulanten Wohnhilfe unter 03 31/60 08 69 66. Kontakt zur Beratungsstelle für Überschuldete unter 033 27/5 73 72 80.

Von Ildiko Röd

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