Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Werkeln gegen die Wegwerf-Gesellschaft
Lokales Potsdam Werkeln gegen die Wegwerf-Gesellschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:56 24.06.2013
Der Physiker Mario Parade – hier mit dem 3-D-Drucker – betreut das offene Labor auf dem Freilandgelände.
Der Physiker Mario Parade – hier mit dem 3-D-Drucker – betreut das offene Labor auf dem Freilandgelände. Quelle: Julian Stähle
Anzeige

Doch die Technik ist mehr als ein Spielzeug für einsame Garagen-Existenzen: Dahinter steckt eine weltweit vernetzte Gemeinschaft von Tüftlern, die sich der Logik der industriellen Massenfertigung entziehen will. Doch die allgegenwärtige Verfügbarkeit der Technologie birgt auch Gefahren.

So ein 3-D-Drucker funktioniert ähnlich wie ein Tintenstrahldrucker, nur dass heißes Plastik statt Tinte aus dem computergesteuerten Druckkopf kommt. Millimetergenau schichten sich dabei feine Plastikfäden auf einer kleinen Hebebühne und erzeugen so die komplexesten Formen. „Für die Show bau ich auch mal kleine Action-Figuren oder Lego-Steine, die sonst nicht mehr zu bekommen sind“, erzählt Mario Parade (39), der das offene Labor betreut. „Aber meistens stellen wir Ersatzteile für Elektrogeräte her, die man sonst teuer bestellen müsste.“

Die Show richtet sich vor allem an Jugendliche, die sich in der offenen Werkstatt mit den praktischen Möglichkeiten von Physik, Informatik und Ingenieurswesen vertraut machen wollen. Oder an Design-Studenten, die den Drucker für ihre Entwürfe und Prototypen nutzen können. „Ein vernünftiger 3-D-Drucker kostet immer noch mehrere Hundert Euro“, sagt Mario Parade. „Und wir verfolgen hier ja auch einen Bildungsaspekt.“ Zum Beispiel die Idee des nachhaltigen Konsums: kaputte Elektro-Geräte reparieren, anstatt sie einfach wegzuwerfen.

Die Idee der offenen Werkstätten – im Englischen „Fab-Labs“ genannt – entstand vor gut zehn Jahren am „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT), der legendären Bostoner Ingenieurs-Schmiede. Mittlerweile gibt es rund 300 Fab-Labs überall auf der Welt. „Zum Beispiel im afghanischen Jalalabad, wo die Kollegen gerade aus Schrott ein offenes W-Lan-Netz für die ganze Stadt gebaut haben“, so Parade. „Nicht gerade zur Freude der Taliban.“

Der Druckkopf sprüht Plastik statt Tinte. Quelle: Julian Stähle

Der politische Anspruch schwingt immer mit bei den Anarcho-Tüftlern, die sich unter der Parole „Do it yourself – mach es selbst“ versammeln. „Die große Neuerung ist gar nicht die 3-D-Technologie selbst, sondern die Steuerungssoftware, die mittlerweile für jeden zugänglich ist, der halbwegs programmieren kann“, erklärt Mario Parade. In der Großindustrie würden die Geräte schon seit Jahrzehnten genutzt. Doch erst seit kurzer Zeit sind sie für Privatleute erschwinglich. Und mit der rasanten Entwicklung des Internets konnten sich auch die versprengten Schrauber von einst vernetzen und ihre Ideen und digitalen Baupläne tauschen.

Dass dabei nicht immer Gutes herauskommt, zeigt ein Fall, der vor Kurzem auch die Polizei in Deutschland alarmiert hat. Ein Amerikaner hatte sich ein voll funktionstüchtiges Schnellfeuergewehr „ausgedruckt“. Der Bauplan kam aus dem Internet. „Mit solchen Waffen kann man zwar nur einmal schießen“, sagt Mario Parade. „Aber die sind nicht zu detektieren und könnten als Attentatswaffen eingesetzt werden.“

Mit Gewehren der Marke Eigenbau haben die Bastler im Freiland gewiss nichts am Hut. Über einer der Werkbänke prangt die Fab-Charter, quasi die zehn Gebote der offenen Werkstätten. Nach dem Fall des Amerikaners wurde sie um einen Punkt erweitert: „Wir stellen keine Waffen her.“

Von Martin Küper

DAS FREILAND

Seit drei Jahren gibt es das Jugendkulturzentrum Freiland auf dem Gelände des ehemaligen Wasserwerks an der Friedrich-Engels-Straße 22.

Die Idee war 2008 aufgekommen, als der Spartacus-Verein und der Jugendclub S 13 ihr Haus in der Schlossstraße aufgeben mussten.

Vielfältigste Angebote sind heute neben Spartacus und Clubmitte (ehemals S 13) im Freiland zu finden – diverse Ateliers, Sport- und Tanzgruppen, ein Gemeinschaftsgarten, der Wissenschaftsladen sowie Vereine und Initiativen.

Die Ausschüsse für Jugendhilfe und Kultur haben jetzt zugestimmt, das Freiland weiter zu fördern. nf

Potsdam Eine lange Nacht der Märchen zur kürzesten Nacht des Jahres war im Volkspark zu erleben - Es war einmal in Potsdam . . .
24.06.2013
Potsdam Potsdamer demonstrieren für bezahlbares Wohnen - „Hopp, hopp, Mietenstopp!“
24.06.2013
Potsdam 22 jährige Manga-Künstlerin brcht in die Selbstständigkeit auf - Striche, die die Welt bedeuten
24.06.2013