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Potsdam Wie Fontane in seinen Werken die Männer sah
Lokales Potsdam Wie Fontane in seinen Werken die Männer sah
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17:47 30.04.2019
Zur Ausstellung gehört auch ein Kleid aus der Effi-Briest-Verfilmung von 1970. Dem werden noch Männer-Silhouetten zur Seite gestellt. Quelle: Fotos: Gartenschläger
Potsdam

„Es gibt schon so viel zu Fontanes Frauenfiguren. Ich möchte nun mal die Perspektive umdrehen“, sagt Ursula von Keitz. Die Literaturwissenschaftlerin und Leiterin des Filmmuseums Potsdam kuratiert die neue Ausstellung „Theodor Fontanes Männlichkeiten. Rollenbilder zwischen Kino und Fernsehen“. Die Ausstellung ist im Foyer des Museums zu sehen.

„Wir denken in letzter Zeit sehr viel über Männlichkeit nach. Und ich bin der Meinung, dass, nachdem die Frauenrolle sich nun lange gewandelt hat, jetzt die Buben an der Reihen sind“, ergänzt sie. Und tatsächlich wird in der Ausstellung vieles deutlich, aber eines ganz besonders: Die Männerollen in Fontane-Verfilmungen wandeln sich stark. Vor allem in den Filmen der 1960er und 1970er Jahre sei das zu sehen, so Ursula von Keitz.

Moderne Blick auf die Figuren

Die Foyerausstellung ist keine, die sich primär mit Fontane auseinandersetzt. Von Keitz und ihrem Team geht es um die Darstellung seiner Figuren in den Kino- und Fernsehfilme in Ost- und Westdeutschland. Also der Frage: Wie haben die Drehbuchautoren die Figuren verarbeitet? „Wir wollen auf diese Männerfiguren mit einem modernen Blick schauen“, begründet von Keitz die Annäherung an jene Figuren mithilfe des Films.

In der Ausstellung werden vorwiegend Bilder der Filme gezeigt. Also sogenannte Stills, die die Figuren in ihren Szenen zeigen. Die Ausstellung ist in drei Bereiche unterteilt. Alle drei Bereiche beschäftigen sich mit einem unterschiedlichen Typ Mann. Es geht um „Alte Männer“, „Männer in der Krise“ und um die „Jungen Rebellen“.

Ein Werkfoto zu dem Film „Stine“ von 1979. Zu sehen sind Thomas Langhoff und Herwart Grosse als Baron „Pagageno“ am Set. Quelle: Bernd Gartenschläger

So sind als Beispiel in der letzteren Gruppe Figuren vertreten, die aufbegehren. Zumeist sind es Offiziere, die unzufrieden sind mit ihrem Leben und sich von den Zwängen, die oft auch ihre Familien ihnen aufdrücken, befreien wollen. Für diese Gruppe steht etwa Waldemar von Haldern aus dem Werk „Stine“. Er kehrt aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 zurück und sieht sich keiner neuen Aufgabe gegenüber. In der DDR-Verfilmung „Stine“ aus dem Jahr 1979 von Thomas Langhoff wird er denn auch stark als ein Flaneur gezeigt, der durch Berlin schlendert.

Filmische Auseineinandersetzung mit Fontane begann 1937

In beiden deutschen Staaten wurden Fontanes Stoffe zahlreiche Male verfilmt. Doch die filmische Auseinandersetzung mit dem beliebten Autoren begann schon 1937. Da nahm sich Regisseur Frank Wysbar dem Stoff „Irrungen und Wirrungen“ an und nannte seinen Film „Ball im Metropol“. Allein in den 1960er und -70er Jahren liefen zehn Filme in den Kinos diesseits und jenseits der deutsch-deutschen Grenze an. „Das ist die Phase, in der die meisten Filme entstanden“, sagt Ursula von Keitz. „Und es ging immer auch um die Fragen: Wem gehört Fontane? An welche Tradition können wir mit der literarischen Bildung anknüpfen?“ Und auch, so von Keitz: Ist der Osten näher am Stoff dran oder ist der Westen näher dran?

Das Filmprogramm

Die Ausstellung „Theodor Fontanes Männlichkeiten. Rollenbilder zwischen Kino und Fernsehen“ ist ab Freitag, 3. Mai, bis zum 27. Oktober im Foyer des Filmmuseums zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

Begleitet wird die Schau durch ein umfangreiches Filmprogramm:

Do., 2. Mai, 20 Uhr: Ball im Metropol, 1937

Do., 9. Mai, 17 Uhr: Der stumme Gast, 1945

Do. 9. Mai, 19 Uhr: Ich glaube an dich!, 1945

Fr., 7. Juni, 19 Uhr: Corinna Schmidt, 1951

Fr., 21. Juni, 19 Uhr: Rosen im Herbst, 1955

So., 25. August, 19 Uhr: Unwiederbringlich, 1968

Do., 12. September, 17 Uhr: Fontane Effi Briest, 1974

Do., 12. September, 19.30 Uhr: Schach von Wuthenow, 1977

Do., 24. Oktober, 17 Uhr: Stine, 1979

Do., 24. Oktober, 19 Uhr: Melanie van der Straaten, 1982

Hinzu kam: Die Verfilmungen waren auf beiden Seiten stets eine Frage der Kultur- und Medienpolitik. Denn sie hatten nicht nur einen Unterhaltungsauftrag, sondern auch einen Informations- und einen Bildungsauftrag. In der DDR haben sich die Filme den Figuren und Geschichten vor dem Hintergrund der marxistisch-leninistischen Staatsideologie genähert. So wurde etwa in einem Film die Arbeiterbewegung größer geschrieben als sie in Fontanes Werk eigentlich war.

Die Filmausstellung wird hauptsächlich auf der Galerie im Foyer zu sehen sein. Doch auch im Erdgeschoss werden bereits einige Stücke gezeigt. So auch ein Kleid von der Effie Briest aus der Verfilmung von Wolfgang Luderer aus dem Jahr 1970. Warum ein Frauenkleidungsstück, wo es doch um die Männer geht? „Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir einfach kein anderes Kleidungstück hatten“, sagt Ursula von Keitz. „Aber wir werden ihr schwarze, im Profil zu sehende Männer-Silhouetten zur Seite stellen. Um einiges größer als die Puppe selbst.“

Von Annika Jensen

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