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Potsdam Wieder Streit um Potsdamer Kunsthaus
Lokales Potsdam Wieder Streit um Potsdamer Kunsthaus
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18:50 02.04.2018
Das Kunsthaus „Sans titre“. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Um das Grundstück des Kunsthauses „Sans titre“ an der Französischen Straße in der Potsdamer Innenstadt wird wieder gestritten. Wolfram Gay, Vorstandssprecher der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 (PWG), äußerte am Dienstag in einem Gespräch mit der MAZ Kritik an der SPD-Fraktion. Die hatte im Mai einen mit klarer Mehrheit verabschiedeten Beschluss der Stadtverordneten initiiert, der auf eine langfristige Sicherung und eine potenzielle Erweiterung des Kunsthauses abzielt.

Die PWG ist Vermieterin des „Sans titre“, das 2009 in einem früheren Gebäude der Energiewirtschaft eröffnet wurde. Gay bekräftigte, dass die PWG an ihrer Absicht festhalte, auf dem eigens dafür erworbenen Grundstück Wohnungen zu errichten. Er räumte ein, dass eine Integration des Kunsthauses „Sans titre“ im vorhandenen Gebäude oder in neuen Räumen eine Option sei, die allerdings auch finanziell noch völlig unklar sei.

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Wolfram Gay, Vorstandssprecher der PWG 1956 Quelle: Christel Köster

Er frage sich jedoch auch vor diesem Hintergrund, auf welcher Basis der Beschluss überhaupt herbeigeführt worden sei. Gay kritisierte nicht zuletzt, dass niemand von der SPD mit der PWG als Eigentümerin gesprochen habe: „Ich freue mich, dass die SPD sich für die Kultur stark macht. Ich finde es aber mehr als erstaunlich, dass der Eigentümer davon erst aus der Zeitung erfährt.“

Die Stadtverordneten hatten im Mai als Ergänzung zum laufenden Bebauungsplanverfahren zum Französischen Quartier beschlossen, dass „der Erhalt des Kunsthauses ,Sans titre’ ... zu sichern“ sei. Auch eine „bauliche Erweiterung“ zur Französischen Straße sei „zu ermöglichen“.

David Kolesnyk, Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand, wies Gays Kritik am Dienstag auf Anfrage zurück. Er verwies auf einen Passus im Beschluss, nach dem der Oberbürgermeister beauftragt wurde, „mit dem Grundstückseigentümer eine dauerhafte Nutzung des ,Sans titre’ als Kulturstandort zu verhandeln“. Es sei „normal, dass wir unsere Wünsche äußern, unsere Erwartungen und Ziele festsetzen“, so der Politiker. Nun sei die Verwaltung beauftragt zu sehen, „was davon umsetzbar ist“.

Mit Blick auf das „Sans titre“ verwies Kolesnyk nicht zuletzt darauf, dass dort „schon vorher in der Öffentlichkeit verschiedene Dinge im Raum standen“. Nach dem Stadtverordnetenbeschluss vom Mai hatte die SPD erklärt, dass der B-Plan in diesem Bereich auf „Wunsch“ der PWG geändert werden solle, „um eine behutsame bauliche Ergänzung mit Wohnungen an der Französischen Straße zu ermöglichen“. Das Kunsthaus „Sans titre“ wolle die PWG „prinzipiell erhalten und zur Straße hin ergänzen“.

Eine Diskussion gab es vor zwei Jahren tatsächlich. Damals waren im Kunsthaus Studentenentwürfe für eine Erhaltung und Erweiterung des „Sans titre zur Straße präsentiert worden. Scharfe Kritik gab es aber auch 2015 schon von Wolfram Gay, der wie heute monierte, dass das Projekt am Eigentümer und Vermieter vorbei organisiert worden sei. Er habe erst aus der Zeitung davon erfahren, erklärte er damals.

Zum aktuellen Vorgang äußerte sich Gay gegenüber MAZ erst nach einer am Montag veröffentlichten Ausstellungskritik, in der an den Mai-Beschluss erinnert wurde.

Die PWG 1956 eG

Die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 eG wurde am 5. März 1956 als Arbeiterwohngenossenschaft „Fortschritt“ gegründet. Heute hat sie über 5000 Mitglieder und mehr als 4000 Wohnungen im Bestand.

Zuletzt errichtete die PWG in der Potsdamer Innenstadt mehrere Holländerhäuser mit rund 60 Wohnungen zwischen Französischer Kirche und dem Bergmann-Klinikum.

An der Französischen Straße sind laut PWG-Vorstandssprecher Wolfram Gay mindestens 20 Wohnungen geplant.

Von Volker Oelschläger

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