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Potsdam „Wir werden doch alle mal älter, nicht?“
Lokales Potsdam „Wir werden doch alle mal älter, nicht?“
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06:31 06.04.2018
Herta Engler (l.) ist nun eine Jahrhundertfrau. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Brandenburger Vorstadt

Sooo alt? Alma und ihre Freunde aus der Kita der Erlösergemeinde machen große Augen. 100 Jahre! Selbst wenn sie ihre ganze Fantasie zusammen nehmen – das können sie sich nicht vorstellen: die Fünf- und Vierjährigen nicht und die Drei- und Zweijährigen schon mal gar nicht. 100 Jahre! So groß das Staunen, so groß ist auch die Inbrunst, mit der die Kinder ihr Ständchen im Evangelischen Seniorenzentrum Hasenheyer-Stift an der Erlöserkirche schmettern: „Steht der Kuchen auf dem Tisch, macht sich dick, macht sich breit: Guten Morgen, liebe Frau Engler – du hast Geburtstag heut!“

Eine schöne Kindheit an der Havel

Herta Engler, die Besungene, klatscht, summt, lacht und drückt den kleinen Gratulanten Gummibärchen in die Hände. Als die 1922 im fernen Bonn erfunden wurden, war sie genauso alt wie die Steppkes, die nun selig von dannen ziehen. Damals lebte Herta Engler in Rathenow, wo sie am 6. April 1917 das Licht der Welt erblickt hatte. Der Vater war im Havelstädtchen Oberbauhofaufseher. Auf dem weitläufigen Gelände erlebte Herta Engler mit dem jüngeren Bruder eine schöne Kindheit. Am liebsten spielte sie mit ihren Schulfreundinnen und mit Katzen und Hunden. Tiere liebt sie bis heute.

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In Rathenow besuchte Herta Engler das Lyzeum und die Haushaltsschule. „Das waren die schönsten Jahre meines Lebens“, sagt sie. „Dass alle Kinder eine gute Ausbildung bekommen, das ist das Wichtigste.“

Lehrerin an der Schwerhörigenschule in Potsdam

Die Bildung hat ihr stets am Herzen gelegen – nach dem Krieg nahm sie ein Studium als Neulehrerin für Deutsch und Geschichte auf, absolvierte zudem ein Sonderstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin. Viele Jahre arbeitete sie an der Schwerhörigenschule in Potsdam, ging aber krankheitsbedingt in den 1970er Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. – Vor der eigentlich dafür bestimmten Zeit ist vieles in Herta Englers Leben geschehen. Ihr Tochter starb 1946 im Kindesalter, ihr Mann, den sie bei der Arbeit in den Arado-Werken kennengelernt hatte, eine Woche vor Kriegsende. Die beiden 1941 und 1942 geborenen Söhne Wolfgang und Siegbert zog Herta Engler allein groß. Der Kontakt zu ihnen ist eng, auch ehemalige Schüler melden sich noch immer.

Jede Woche besuchte die Gartenfreundin die Freundschaftsinsel

Seit 2014 ist Herta Engler im Hasenheyer-Stift zu Hause, nimmt gern und regelmäßig an Andachten und Veranstaltungen teil und wird als sehr freundliche, dankbare und aufgeschlossene Bewohnerin geschätzt, die sich auch um das Wohl ihrer Mitmenschen sorgt. So sehr ihr ihr Gärtchen, das sie einst mit viel Liebe pflegte, und die wöchentlichen Besuche der Freundschaftsinsel fehlen mögen – Herta Engler schwärmt davon, wie schön sie es im Stift hat. „Ich bin so zufrieden, dass es solche Einrichtungen gibt und man seinen Verwandten nicht zur Last fällt“, sagt sie. „So gut man sich auch versteht – jeder muss sein eigenes Leben leben. Zu dicht, das ist nichts. Ich wünsche mir so eine Einrichtung für alle – wir werden doch alle mal älter, nicht?“

Die ältesten Potsdamer

Derzeit leben 31 Menschen, die 100 Jahre alt sind oder älter. Die meisten davon sind Frauen.

Die älteste Potsdamerin in 108 Jahre. Ihr folgen eine Dame mit 107, eine Dame mit 106, eine mit 105, drei Damen mit 104 und sechs Damen mit 103 Jahren.

Der älteste Potsdamer ist 102 Jahre alt – so alt sind allerdings auch vier Damen. Es folgen sechs 101-Jährige (fünf Damen, ein Herr) und sieben 100-Jährige (vier Damen und ein Herr). nf

Von Nadine Fabian

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