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Potsdam Erdgeschichte in getanzten Bildern: Geoforscher drehen Film in Chile
Lokales Potsdam Erdgeschichte in getanzten Bildern: Geoforscher drehen Film in Chile
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17:54 11.11.2019
Dreharbeiten in Chile: Co-Autorin Kirstin Übernickel von der Universität Göttingen mit dem Kameramann und Drohnen-Piloten Christopher Conrady vom Geoforschungszentrum Potsdam. Quelle: GFZ
Templiner Vorstadt

Lange Artikel voller Fachbegriffe in Zeitschriften für Experten – das ist nicht der Weg, allgemeines Interesse für die Wissenschaft und ihre Themen zu wecken, findet Friedhelm von Blanckenburg. Der Geoforscher vom Potsdamer Telegrafenberg will andere Wege gehen und hat in Koproduktion mit dem Filmbüro Potsdam einen Film produziert.

Friedhelm von Blanckenburg vom GFZ in Potsdam Quelle: Rainer Schüler

Gedreht in Chile, geplant und produziert in Potsdam, zeigt er in grandiosen Aufnahmen, wie „Leben auf Steine trifft“ und Biologie die Erdkruste verändert. Verblüffend ist, dass dieses Ur-Kräfte-Messen auch künstlerisch zu illustrieren ist: Menschen tanzen Erdgeschichte.

Wenn Biologie auf Geologie trifft

Die Wissenschaftler vom Geoforschungszentrum (GFZ) wollen die Grenzen ihrer Fachgebiete überschreiten, den Blick weiten, Überblicke schaffen. Im weltweiten, aber aus Deutschland gelenkten Earth-Shape-Projekt galt es zu ergründen, wie sich Biologie und Geologie gegenseitig beeinflussen. Am Ende des halbstündigen Films verdeutlicht ein Profitänzer-Paar das Wechselspiel.

Für den Potsdamer Regisseur und Produzenten Wolfgang Dümcke war die Imagefilm-Idee von Blanckenburg eine Herausforderung, denn Wissenschaft ist ein immer noch eher trockenes Thema: „Um manche Wissenschaftler machen wir Filmleute lieber einen großen Bogen“, sagt er. Zu hoch seien die Verständnishürden, zu schwierig sei die Übersetzung der hochspezialisierten Fachlichkeit in eine allgemeinverständliche Sprache.

Film-Produzent Wolfgang Dümcke Quelle: Rainer Schüler

Aber bewegte Bilder sind eine immer wichtigere Methode, Forschung in ein breites Publikum zu tragen: Wissenschaft ist längst bei Youtube angekommen.

Das Geoforschungszentrum Potsdam macht in einem Halb-Stunden-Film anschaulich, wie die Biologie die steinerne „Haut der Erde“ verändert: Grandiose Bilder machen ihn auch für Laien sehenswert.

„Die Hälfte der Menschen wählt audiovisuelle Medien, um sich über Wissenschaft zu informieren“, sagt Blanckenburg und fügt hinzu: „Aber die sind grundsätzlich interessiert an Wissenschaft.“ Film ist für ihn ein Weg, auch jene zu erreichen, die sich der Forschungswelt bislang verweigern.

Acht Versionen eines Films

Entstanden ist ein Film in acht Varianten: verschiedene Längen, verschiedene Sprachen. Da reden deutsche Forscher miteinander grundsätzlich englisch, auch wenn sie unter sich sind – dies macht sie international verständlich. Das deutsche Publikum hört einen deutschen Sprecher und deutsche Übersetzungen. Lange Phasen bleiben wissenschaftlich, werden aber durch beeindruckende Landschaftspanoramen und ausholende Kamerafahrten mittels einer Drohne illustriert, die den Eindruck erweckt, als seien vier Kameras am Werk gewesen. Es war nur eine, virtuos gelenkt durch Christopher Conrad. Er zoomt ihre Filmaufnahmen ruckartig. Später wurden sie so geschnitten, dass Bewegung erzeugt wird – auch da, wo sich eigentlich gar nichts bewegt, außer vielleicht eine Fahrzeugkolonne der Wissenschaftler: Mächtige Staubfahnen zieht sie hinter sich her in der Atacama-Wüste Chiles, die gar nicht heiß ist, wie viele Menschen glauben, sondern eher kalt, jedoch nur unfassbar trocken: Statistisch regnet es dort nur alle zehn Jahre mal, obwohl sie an den Pazifischen Ozean grenzt.

Vier Klimazonen auf einem Gebirge

Vier verschieden Klimaregionen des chilenischen Küstengebirges hat man vergleichend untersucht, von staubtrocken bis regenwaldfeucht. Die geologischen Bedingungen waren gleich, Klima und Vegetation aber sehr verschieden. Computersimulationen verdeutlichen, was man herausgefunden hat.

Die immer noch spezielle Fachbegrifflichkeit wird also übersetzt für jedermann. Forschung hat plötzlich Unterhaltungswert. Durch Verlinkungen und eine Verschlagwortung soll der Film auch für Menschen erreichbar sein, die vielleicht nur reisen wollen, aber über Chile als Suchbegriff auf das Potsdamer GFZ kommen.

„Die Haut der Erde – Wo Leben auf Steine trifft.“ Der Film ist auf YouTube abrufbar unter https://go.daf.li/EarthShape

Von Rainer Schüler

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