Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Wohnen unter begrünten Dächern: Neues Quartier am Volkspark kommt
Lokales Potsdam Wohnen unter begrünten Dächern: Neues Quartier am Volkspark kommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 28.08.2019
Die neuen Baufelder (rot umrahmt) liegen nördlich des Parkplatzes und der Biosphäre. Quelle: Simulation: ETBF
Bornstedter Feld

Zwischen der Georg-Hermann-Allee und dem Volkspark soll voraussichtlich ab 2021 ein Kiez mit mehr als 300 Wohnungen, Kita, Jugendfreizeiteinrichtung, Bürgertreff, Studentenwohnungen und kleineren Gewerbeflächen entstehen. Außerdem hat die benachbarte Fachhochschule Interesse an Flächen für das duale Studium angemeldet. Das hat Bert Nicke, Geschäftsführer der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam und des Entwicklungsträgers Bornstedter Feld (ETBF), am Mittwoch im Bauausschuss erklärt.

Erstmals wurden dabei Visualisierungen des Quartiers gezeigt. Darauf zu sehen: Acht viergeschossige Wohnhäuser mit begrünten Dächern, die sich um einen Innenhof mit Kinderspielgeräten gruppieren. Direkt an den Volkspark grenzen die Kita und der Jugendclub an. Die Visualisierung stellt den südlichsten Teil des Quartiers dar.

150 Wohnungen mit Sozialbindung

ETBF-Chef Nicke kündigte im Bauausschuss zudem an, dass die Pro Potsdam jenen Teil der Wohnungen bauen möchte, der in das Segment gefördertes Wohnen beziehungsweise Studentenwohnen fällt, sprich: Mieten für den schmalen Geldbeutel, angefangen mit 5,50 Euro pro Quadratmeter für Wohnschein-Berechtigte. Rund die Hälfte der mehr als 300 Wohnungen soll in diese Kategorie fallen. Für die Studentenwohnungen hat das Studentenwerk als Generalmieter Interesse gezeigt, so Nicke.

Mit dem Bau des Quartiers wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Areals aufgeschlagen, das im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgte. Trotz heftiger Bürgerproteste hatte der Entwicklungsträger der Stadtverwaltung vorschlagen, auf den umstrittenen Flächen am Volkspark Wohnungen zu errichten. Das Areal wird derzeit noch als Parkareal genutzt, ist aber laut B-Plan für eine Bebauung vorgesehen. Dennoch empfinden viele Bürger den Grünstreifen gefühlsmäßig als Teil des Parks, sozusagen aus Gewohnheitsrecht.

Neuer Standort für Montelino

Beliebte Freizeittreffpunkte wie die Grillplätze und der Zirkus Montelino müssen für die Baupläne weichen. Montelino bekommt nun einen ganzjährigen Standort am Kletterfelsen südlich der Biosphäre. Der Standort für die Grillplätze ist noch nicht festgelegt.

Insgesamt sind fünf Baufelder nördlich von der Biosphäre – längs dem Volkspark und der Georg-Hermann-Allee – geplant. Auf dem nördlichsten wird der Entwicklungsträger eine Kindertagesstätte errichten. Daran schließen drei Baufelder mit je vier bis sechs Wohnhäusern à vier Etagen an. Während ein Baufeld komplett dem geförderten Wohnungsbau für einkommensschwache Mieter vorbehalten bleibt, werden die Wohnungen auf den anderen beiden Baufeldern auf dem freien Markt angeboten – und zwar relativ schnell: „Wir werden damit schon auf der Münchner Immobilienmesse Expo Real im Oktober beginnen“, sagte Nicke.

Ausschreibung ab Ende September

Die Ausschreibung wird zwischen dem 27. September und dem 27. November veröffentlicht; Mitte 2020 sollen die Verkäufe über die Bühne gegangen sein. Wobei es Bedingungen gibt: Es sollen jene Bieter zum Zuge kommen, die mit den überzeugendsten Konzepten punkten. Heißt: „Bevorzugt werden Bauherren mit architektonisch überzeugenden Bebauungskonzepten, mit belebenden Erdgeschoss-Nutzungen (etwa Einzelhandel, Gastronomie) und mit Konzepten, die zum Park orientierte parkverträgliche Wohnformen – Wohngemeinschaften, Appartements mit Parkanschluss – vorsehen.“

Ursprünglich hatte die Planung vorgesehen, dass jedes Baufeld einen Anteil an frei finanziertem und gefördertem Wohnen bekommt – allerdings hätten sämtliche Sozialwohnungen in diesem Fall an der Georg-Hermann-Allee gelegen. Durch die Aufteilung der Baufelder bekommen auch einige der billigeren Wohnungen eine Parklage.

Ärger in der Nachspielzeit

Und: Die Vermarktung vereinfache sich durch die Entflechtung, erklärte Nicke, der seine Informationen innerhalb weniger Minuten quasi in der „Nachspielzeit“ des Bauausschusses nach 22 Uhr herunterspulen musste. Steffen Pfrogner (Die Andere) fand diesen „Vortrag im Schweinsgalopp“ unzureichend, wie er vehement deutlich machte.

Obwohl die Stadtverordneten den Plänen für die parknahe Bebauung bereits im Winter zugestimmt haben, pochte Ausschuss-Neuling Pfrogner auf eingehendere Erläuterungen. „Wenn die Altherren und Altdamen das schon kennen, haben sie einen Wettbewerbsvorteil“, sagte er mit Blick auf jene Stadtverordneten, die schon in der vergangenen Wahlperiode dem Gremium angehört hatte. Seinen Antrag, sich noch einmal ins Thema zu vertiefen, lehnten die übrigen Stadtverordneten fast durch die Bank ab.

Lesen Sie dazu auch:

Von Ildiko Röd

Die Wirkung von neuen Gebäuden in Potsdam, die über die Baumwipfel herausragen, soll im 3D-Modell der Stadt vorab geprüft werden. Diese Idee der Grünen kann allerdings nicht umgesetzt werden, denn das 3D-Modell der Stadt ist wegen Software-Problemen nicht mehr nutzbar. und die IT-Abteilung im Rathaus hat keine Kapazitäten, um das zu ändern.

28.08.2019

Christiane Thiel ist dieser Tage vollauf beschäftigt, denn bis Ende September will sie die Gemälde im Chorraum der Bornimer Kirche fertig restauriert haben. Von ihrer Arbeit können sich Interessenten aber schon am Denkmaltag, dem 8. September, einen Eindruck verschaffen, denn die Kirche gehört zu den 55 Denkmalen, die an diesem Tag offenstehen.

28.08.2019

Eine Mietbegrenzung wie in Berlin soll es in Potsdam nicht geben. Die Verwaltung warnt vor langer Rechtsunsicherheit und sogar kurzfristig steigenden Mieten. Der neue Bauausschuss will den Berliner Weg nicht weiter verfolgen.

27.08.2019