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Potsdam Wohnungssuche in Potsdam: „Die Situation ist dramatisch“
Lokales Potsdam Wohnungssuche in Potsdam: „Die Situation ist dramatisch“
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01:15 25.01.2019
Typische Wohnungsbesichtigung: Viele Bewerber bemühen sich um den Zuschlag. Weder die hohen Potsdamer Mieten noch die Anforderungen der Vermieter schrecken sie ab. Quelle: Foto: Lukas Schulze/dpa
Potsdam

Luisa Brandt muss schon kurz nach den ersten Schritten in der neuen Wohnung aufstöhnen. Zu groß ist die Enttäuschung, wieder einmal umsonst gefahren zu sein. Die 29-Jährige steht mit ihrem vierjährigen Sohn Louis an der Hand in einem ungemütlichen, komplett zugemauerten Vorsprung im zweiten Geschoss und schaut verständnislos auf die Lichter des vorbeirasenden Feierabendverkehrs. „Der ist Ausblick schön“, sagt sie, „aber das nützt mir auch nichts.“

Luisa Brandt ist extra den Weg aus Berlin gekommen, um sich die Wohnung in der Brandenburger Vorstadt anzusehen. Das Dreiecksgebäude, was man gerne als das Potsdamer Pendant zum New Yorker Flatiron Building bezeichnet, befindet sich in der Geschwister-Scholl-Straße in Toplage. Seit Wochen sucht sie für sich und ihren vierjährigen Sohn Louis eine Wohnung in Potsdam. Die alleinerziehende Mutter steht in Berlin kurz vor dem Bachelorabschluss und braucht, um ab Juni im Pflegemanagement in Potsdam anfangen zu können, hier eine neue Bleibe.

Dreimal die Woche zur Besichtigung

Schon beim Reinkommen hatte sie den zweiten Raum gesucht, so wie es im Inserat beschrieben war. Stattdessen fand sie ein Wohnzimmer mit einer kleinen halbhohen Mauer, der als Raumteiler den Ess- vom Wohnbereich abtrennte. Die vermeintliche 2-Zimmer-Wohnung mit 58 Quadratmetern für 470 Euro kalt, entpuppt sich als herbe Enttäuschung mit nur einem Raum. Sie ist gefrustet. „Die Situation ist dramatisch“, kommentiert sie den Wohnungsmarkt, „bei 600 Euro Miete spreche ich nicht von einer Villa am Wasser, das ist meist ein Loch.“ Im Schnitt stehen neben Uni, Nebenjob und Kind drei Besichtigungen in der Woche auf dem Programm – das kostet Kraft und Nerven. „Wenn man allein ist und kein Schwerstverdiener, ist es ganz schwer eine Wohnung zu finden“, sagt sie.

Luisa Brandt ist mit ihrem Sohn Louis (4) auf Wohnungssuche. Quelle: Anne Knappe

Die Werte im aktuellen Mietspiegel, der von der Stadtverwaltung gemeinsam mit Vertretern der Mieter und Vermieterseite im Arbeitskreis Mietspiegel erstellt wurde, schwanken zwischen 3,38 Euro und 10,79 Euro pro Quadratmeter. Daten von knapp 27.000 Mietwohnungen im gesamten Stadtgebiet wurden dafür ausgewertet. Am wenigsten zahlen Mieter mit unter 4 Euro in den rund 3500 teilausgestatteten Altbauwohnungen, günstig ist es zudem in den „Plattenbauten“ der Stadt. Am teuersten wird es für sanierte Neubauwohnungen oder vollsanierte Altbauwohnungen mit Durchschnittswerten um die 10 Euro pro Quadratmeter.

Bei einer weiteren Besichtigung im recht abgelegenen Kirchsteigfeld soll eine 70 Quadratmeter große Wohnung 800 Euro kosten. „Ich kann mir die Wohnung leisten, weil ich 30 Jahre gearbeitet habe“, sagt Heike (Name geändert). Für sie ist die Wohnung trotz der recht hohen Miete ein Glückstreffer. „Es gibt hier keine Staffelmiete – das höre ich zum ersten Mal“, sagt die Potsdamerin. Wer die Wohnung anmieten möchte, so sagt es das Protokoll der Vonovia, muss mindestens das Dreifache der monatlichen Gesamtmiete verdienen – also 2400 Euro. Gerade mal vier Leute sind zu der offenen Besichtigung gekommen, die Chancen stehen gut. „Je näher eine Zwei-Zimmer-Wohnung an der 800 Euro-Grenze kratzt, desto geringer ist auch der Andrang“, erklärt die Maklerin bei der Besichtigung.

Studenten bekommen teilweise keine Besichtigung

Von Massenbesichtigungen können die beiden Studenten Lilly (23) und Flo (25) berichten. Das Paar möchte erstmals zusammenziehen. Manche Vermieter erteilten ihnen sofort eine Absage – einfach weil sie Studenten sind. „Es ist schwierig, 2-Raum-Wohnungen zu finden, und dann sind immer viele Leute da“, sagt Lilly. In der Wilhelm-Staab-Straße in der Potsdamer Innenstadt haben sie jüngst eine Wohnung angesehen. Im 15-Minuten-Takt hat der Makler die 150 Leute gruppenweise ins Gebäude gelotst. Drei Stunden hat die Prozedur gedauert, erzählt Flo.

24 Stunden und 80 Interessenten

Dieser Run auf Potsdams Wohnungen ist nicht unüblich. Steht eine Anzeige auf den gängigen Portalen online, dauert es nicht lang, bis die Postfächer der Vermieter überquellen. So sind innerhalb von 24 Stunden für eine kleine 46-Quadratmeter-große Wohnung in Babelsberg Süd mit 465 Euro Kaltmiete rund 80 Anfragen eingelaufen, berichtet Barbara Bonasewicz. Sammeltermine vereinbart die Berliner Maklerin nicht, sondern lernt die Leute am Telefon vorher kennen. „Es ist für jeden unangenehm. Man möchte ja auch ein Gefühl für die Wohnung bekommen“, erzählt sie. Wer sich also um eine Bleibe bemüht, muss zumeist gleich ein kleines Dossier zu seiner Person mitangeben, ehe es zu einem Besichtigungstermin kommt. Denn erst wenn man es schafft, aus der Masse herauszustechen, hat man eine reale Chance, eine der so begehrten Wohnungen in der Landeshauptstadt zu ergattern.

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Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche sind in Potsdam kein Einzelfall. Erst vor einigen Wochen berichtete die MAZ von einer Studentin, die vier Stunden täglich nach Potsdam pendelte, weil sie keine Wohnung fand. Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Von Anne Knappe

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