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Potsdam Wolfgang Joop plant Ausstellung über sein Lebenswerk im Potsdam-Museum
Lokales Potsdam Wolfgang Joop plant Ausstellung über sein Lebenswerk im Potsdam-Museum
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21:20 25.11.2019
Wolfgang Joop, deutscher Designer, will sein Lebenswerk in Potsdam ausstellen. Quelle: APA
Innenstadt

Es verspricht ein Kulturevent der Extraklasse zu werden: Der Potsdamer Star-Designer Wolfgang Joop plant eine Gesamtwerk-Kunstschau, die einen Überblick über alle Facetten seines Schaffens gibt. Ort der hochkarätigen Ausstellung wird das Potsdam-Museum am Alten Markt sein.

Die Pläne wurden auf MAZ-Nachfrage vom Rathaus bestätigt. „Es ist richtig, dass es zwischen Herrn Joop und dem Potsdam-Museum ein Treffen gab, um sich über eine mögliche Ausstellung von Joops Werken im Potsdam Museum zu verständigen“, berichtete Stadtsprecherin Christine Homann und erklärt dazu weiter: „Wir freuen uns über den begonnenen Austausch zu dem Ausstellungsprojekt, das nun weiter konkretisiert werden soll.“

Ein konkreter Zeitpunkt ist derzeit noch nicht bekannt. Aber eines ist schon jetzt sicher: Die Schau soll die gesamte Bandbreite des Schaffens des künstlerischen Multitalents Joop zeigen. „Das geht von Ölgemälden über Skulpturen bis zu Exponaten der Mode und Filmen der Modeschauen“, erläutert Wolfgang Joops Partner Edwin Lemberg, der die Ausstellung maßgeblich mitgestalten wird, im Gespräch mit der MAZ.

Im Potsdam-Museum am Alten Markt, eingerahmt von Nikolaikirche und Museum Barberini, soll Joop seine Werke zeigen. Quelle: Potsdam Tourismus

Was es definitiv nicht zu sehen geben wird, sind trocken dargebotene Exponate. „Wir werden nicht handgeschrieben Manuskripte seiner Bücher ausstellen“, erklärt Lemberg den Ausstellungsansatz, der auch viel Multimediales beinhalten und besondere Einblicke geben soll. Sprich: Weg von der reinen Oberfläche, hin zum Hintergründigen des Schaffens.

Konkret bedeutet das: Es wird einen Bereich in der Ausstellung geben, in dem Joops Inspirationsquellen preisgegeben werden, so Lemberg: „Eine Art Schlüssellocheffekt, wo die Frage beantwortet wird: Was interessiert ihn? Wie kommt das alles zustande?“ Zwar gab es in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche internationale Ausstellungen mit Werken des gebürtigen Potsdamers, aber in seiner Heimatstadt will er den inhaltlichen Bogen noch einmal weiter spannen.

Joop sammelt zeitgenössische Bilder und Skulpturen

Zur bisherigen Ausstellungsvita zählt unter anderem „Eternal Love – Ewige Liebe“: Im Rahmen der 54. Biennale in Venedig wurden 2011 Skulpturen sowie zweidimensionale Wandobjekte aus verschiedenen Materialien wie Marmor, Stoff, Papier und Metall gezeigt. Ausstellungen fanden zudem unter großer medialer Anteilnahme 2009 in der Kunsthalle Rostock, im darauffolgenden Jahr in Südkoreas Hauptstadt Seoul sowie 2013 im Museum der Künste in Leipzig statt.

Darüber hinaus sammelt Joop Kunst, insbesondere zeitgenössische Bilder und Skulpturen, außerdem Vintage-Möbel. Aus seiner Leidenschaft für Möbeldesign entstand 2011 eine eigene Möbelkollektion für die Neue Wiener Werkstätte. 2013 entwarf er Objekte für die Wiener Silber Manufactur.

Kunstliebhaber Joop vor dem Caravaggio-Bild „Narziss“ im Museum Barberini. Quelle: Michael Lüder

In der bildenden Kunst liebt Joop auch ungewöhnliche Sujets: Affen zum Beispiel, denen er menschliche Rollen zuteilt. Das Glatt-Perfekte ist nichts für den Vielfachbegabten. Er liebt Brüche; auch die Auseinandersetzung mit schmerzlichen Themen wie Tod und Vergänglichkeit gehören zu seiner Kunst.

Auch jetzt – wenig mehr als eine Woche nach seinem 75. Geburtstag – hat die Schaffenskraft keine Einbußen erlitten, obwohl Joop derzeit nach einem Knöchelbruch für ein paar Wochen Gehhilfen braucht. Doch das behindert ihn nicht in seiner Kreativität – die Kooperation mit dem Modelabel Van Laack ist nur eines der zahlreichen Projekte, erzählt der Designer im MAZ-Gespräch.

Geburtstagsgruß von Angela Merkel

Was ihn besonders freut: Zum Geburtstag haben ihm unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gratuliert; beide zeigten sich auch von Joop jüngstem Buch „Die einzig mögliche Zeit“ beeindruckt.

Die Liebe zur Kunst begleitet Potsdams Mode-Ikone seit jeher; allerdings lebte er sie anfangs auch in durchaus unkonventioneller Weise aus. Um seine Einkünfte aufzubessern, betätigte er sich sehr erfolgreich als Nachahmer von Blumenstillleben der holländischen Meister. „Die Ölbilder waren schon verkauft, während ich daran gearbeitet habe“, erinnert sich der gebürtige Bornstedter, der heute wieder am Ort seiner Kindheit auf dem alten Familienanwesen lebt.

Von Andy Warhol hält er nichts

Ungewöhnlich sei teilweise auch der Fertigungsprozess der Gemälde gewesen. Die Bilder wurden kurzerhand in einen Backofen gelegt, damit die Farben schneller trocknen. Als Joop eines Nachts vor lauter Erschöpfung einschlief, wurden die Werke so gut durchgegart, dass die Farbe sogar Blasen warf. Doch offenbar tat auch das dem Erfolg des Künstlers keinen Abbruch, wie er amüsiert erzählt: „Man hat mir die Bilder dann zum Restaurieren zurückgegeben, sodass ich doppelt daran verdient habe.“

Das Multitalent verehrt die Alten Meister wie Caravaggio, dessen „Narziss“ dieses Jahr erst im Museum Barberini in Potsdam zu sehen war. Aber auch Größen des beginnenden 20. Jahrhunderts wie Gustav Klimt und Egon Schiele beeindrucken Wolfgang Joop. Vom Pop-Art-Meister Andy Warhol, den er in seinen New Yorker Jahren persönlich einmal kennenlernte, hält der Couturier hingegen wenig: „Warhol wirkte wie ein verklemmter Buchhalter.“

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Von Ildiko Röd

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