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Potsdam Wenn „Shore, Stein, Papier“ das Leben regeln
Lokales Potsdam Wenn „Shore, Stein, Papier“ das Leben regeln
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09:46 12.02.2018
$ick erzählt sein Leben mit Heroin und Haft in einer Youtube-Serie – und in der Autobiografie „Shore, Stein, Papier“ in Buchform. Quelle: Foto: Piper/Philip Bartz
Potsdam

Der erste Zug am Blech damals durch ein kleines Röhrchen hat sich tief durchgegraben und eingebrannt in den 15-Jährigen, der sich heute, 30 Jahre später, $ick nennt und seinen ersten Heroin-Trip so beschreibt: „Beim ersten Mal hab ich gedacht: Wie geil ist das denn? Ein richtig warmer Mantel“, der sich erlösend um die Schultern legt, „alles ist ok, es kann dich nichts belasten in diesem Zustand.“ Ein Zustand, in dem die Wirkung des inhalierten Rauchs dem Junge vorgaukelt, in Geborgenheit gehüllt zu sein. Sicher zu sein und aufgehoben. Ein Zustand, den er sich sofort täglich herbeiraucht. Dass die Substanz, die er und seine Clique „Shore“ nennen, Heroin ist, wird ihm erst Monate später klar. Zu spät.

25 Jahre lang prägen Heroin, zehn Jahre Kokain und viele weitere Substanzen das Leben und die Wahrnehmung des Mannes Jahrgang 1973. Die derbste Zeit erlebt er in Hannover, wo er alles hasst, als seine Mutter mit ihm dorthin zieht. Verrückten Aktionen ist er seit Kindertagen zugeneigt, am liebsten alles ausprobieren und auf alles pfeifen. Erst sind es Diebstähle und Einbrüche in Boutiquen, später das Dealen, wofür er Haftstrafen verbüßen muss. Ein jahrelanger Wahn, sein Körper irgendwann ein Nadelkissen, der Tod nur eine Druckstelle entfernt. Mit den Geschichten aus dieser langen dunklen Episode ist $ick im Internet bekannt geworden. In der von Redakteur Paul Lücke produzierten Videoserie „Shore, Stein, Papier“ erzählt $ick 380 Folgen lang einnehmend, wie einem guten Kumpel, mit Joints und Zigaretten und Kaffeetasse am Küchentisch davon. Und wie die Geburt seiner Tochter 2003 schließlich Licht ins Dunkel bringt: „Bist du drauf, bist du kein guter Vater, weil die Emotionen tot sind.“ Es ist der Beginn eines viel härteren Kampfes als der um den nächsten Trip – nämlich hin zur Heilung. Verantwortung und Schamgefühl vermiesten von da an jeden Rausch.

Mehr als 22 Millionen Mal wurden die Videos bisher angesehen. 2015 erhielt die Serie einen Grimme-Online-Preis für ihre Authentizität. Inzwischen gibt es „Shore, Stein, Papier“ als 430 Seiten starkes Buch. Es liest sich radikaler und mehr nach „Gossenmaul“, wie $ick einmal in einem Video den Umgangston mit seinen Freunden nennt. Die Arbeit am Video- und Buchprojekt beschreibt der Ex-Junkie im Nachwort als therapeutisch. Die Autobiografie wurde zum Bestseller, 2017 erschien die 5. Auflage.

Am 13. Februar ist $ick zu Gast im Waschhaus und liest aus „Shore, Stein, Papier“. Einlass ist 19 Uhr.

Von Michaela Grimm

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