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Potsdam Zoff um Gefängnis-Fenster im Potsdam-Museum
Lokales Potsdam Zoff um Gefängnis-Fenster im Potsdam-Museum
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10:33 11.06.2013
Blick aus dem Treppenhaus des Potsdam-Museums auf den Alten Markt.
Blick aus dem Treppenhaus des Potsdam-Museums auf den Alten Markt. Quelle: Volker Oelschläger
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Potsdam

Das mit einer Gitterkonstruktion eingefasste Treppenhaus hinter den Panoramafenstern des Potsdam-Museums am Alten Markt sorgt für Streit. Markus Wicke, der Vorsitzende des Museums-Fördervereins, schimpft: „Es ist ein beklemmendes Gefühl, wenn Sie da hochgehen. Es verbaut den Blick auf den Alten Markt. Ich finde es scheußlich.“ Er schätze den Architekten des Hauses, Reiner Becker, aber diese Arbeit habe er „nicht verstanden“, so der Vorsitzende, der sich mit seiner Kritik in größerer Gesellschaft weiß: „Ich kenne keinen aus unserem Verein, der das schön findet.“ Schließlich, so Wicke, empfinde er es „auch ein bisschen als Provokation“.

Architekt Reiner Becker räumte auf MAZ-Anfrage zu den Gründen für die gefängnisartige Gestaltung des Treppenhauses freimütig ein, dass die von Wicke kritisierte Wirkung beabsichtigt sei. Der mit Gittern verstellte Blick auf den Alten Markt sei ein Hinweis darauf, dass dieser Platz mit dem Stadtschloss „nicht echt, sondern aufgebaut, eine Kunstwelt“ sei. Zugleich spiele das Gitter auf die politische Bedeutung des Alten Rathauses an, das in der DDR seit dem Wiederaufbau in den 1960er Jahren Kulturhaus war. Gegenwärtig ist dieser Teil der Geschichte durch das großflächige Wandbild „Potsdamer Alltag 1966“ von Werner Nerlich im Obergeschoss, an dem ab Herbst der Rundgang durch die neue stadthistorische Ausstellung beginnen wird. Die Gestaltung des Treppengeländers sei ein Bruch mit normalen Sehgewohnheiten. „Es ist ein ganz anderer Ausblick. Man fühlt sich gefangen, man ist bedrückt und froh, wenn man endlich raus ist.“ Für ihn, so Becker, sei das Treppenhaus schon Teil der Ausstellung.

Im Potsdam-Museum wollte man sich zur Gestaltung des zentralen Aufgangs gegenüber MAZ nicht äußern. Direktorin Jutta Götzmann ließ gestern lediglich ausrichten, ihr Haus sei nicht in die Planung einbezogen worden.
Rathaussprecher Markus Klier antwortete auf MAZ-Anfrage auch namens des für den Ausbau des Potsdam-Museums zuständigen Kommunalen Immobilienservices (Kis) grundsätzlich: „Da es sich um ein architektonisches Gestaltungselement des Architekten innerhalb einer architektonischen Gesamtkomposition handelt, gab es seitens des Kis keine Veranlassung, hier im Detail in die entwurfliche Freiheit des Architekten einzugreifen.“ Eine Überarbeitung sei nicht „vorgesehen. Der würde auch das Urheberrecht des Architekten entgegenstehen“. Schließlich räumt Klier ein: „Die genauen Beweggründe des Architekten zur Wahl dieser Gestaltung sind dem Kis nicht bekannt.“

Das Alte Rathaus und das benachbarte Knobelsdorffhaus wurden für 8,9 Millionen Euro zum neuen Museumsquartier ausgebaut, das nach mehreren Sonderausstellungen im Herbst mit der neuen Dauerausstellung zur Stadtgeschichte regulär eröffnet wird. (Von Volker Oelschläger)

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