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Potsdam Denkmalschutz blockiert Aufzüge an Potsdamer Schulen
Lokales Potsdam Denkmalschutz blockiert Aufzüge an Potsdamer Schulen
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08:03 15.02.2020
Aufzug? Fehlanzeige. Laut Stadt ist es nicht möglich, historische Schulhäuser wie das Einstein-Gymnasium barrierefrei herzurichten. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Auf dem schmalen Grat zwischen Denkmalpflege und barreierfreier Teilhabe droht der Landeshauptstadt erneut ein Tritt ins Bodenlose. Das offenbart die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Andere“, die sich über die Ausstattung der Potsdamer Schulgebäude mit Aufzügen erkundigt hat. Demnach verfügen von den insgesamt 47 öffentlichen Schulen derzeit 27 über Fahrstühle. Vier weitere Schulhäuser sollen in den kommenden sechs Jahren Aufzüge erhalten. Bei sieben Schulen sind laut Stadt Aufzüge möglich, aber noch nicht terminiert. Für neun Schulen schließt die Stadt eine Nachrüstung hingegen aus.

Historische Schulhäuser werden nicht barrierefrei

Dabei handelt es sich um die Bürgel-, Dortu-, Eisenhart-, Goethe- und Hauptmann-Grundschule, um die Kollwitz-Oberschule, die Kleist-Abendschule sowie das Suttner- und das Einstein-Gymnasium. „Bei den hier genannten Schulen handelt es sich um historische Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen“, teilt Rathaus-Sprecher Markus Klier mit. „Eine Nachrüstung dieser Gebäude mit einem Aufzug würde nicht ausreichen, um eine Barrierefreiheit und Behindertengerechtigkeit sicherzustellen.“

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Strukturen an Menschen mit Behinderung anpassen – nicht umgekehrt

Neben der barrierefreien Zugänglichkeit eines Gebäudes sind demnach „komplexe genehmigungspflichtige Umbaumaßnahmen zur Sicherstellung einer barrierefreien inneren Erschließung“ notwendig. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Flure und die Türen ausreichend breit sein und Behindertentoiletten gebaut werden müssen, dass Treppen und Handläufe besonderen Anforderungen zu entsprechen und „weitere Maßnahmen, die in DIN-Vorschriften und in der Bauordnung geregelt sind“ zu erfolgen haben. Zwar heißt es im Teilhabeplan der Stadt, Potsdam soll eine Gesellschaft sein, „die ihre Strukturen an Menschen mit Behinderung anpasst und nicht umgekehrt“. Die Aufzug-Sache ist aber dennoch beschlossen: Für besagte Schulen habe man mit der Denkmalpflege bereits eine Barrierefreiheit geprüft „und für den Gebäudebestand als nicht umsetzbar festgestellt“.

Behindertenbeirat: „Wer Inklusion will, schafft Wege“

Für den Beirat für Menschen mit Behinderung ist diese Absage nicht hinzunehmen. „Wer Inklusion will, schafft Wege. Wer keine Inklusion will, schafft Begründungen“, sagt Beiratssprecherin Manuela Kiss. „Wir fordern, dass jede einzelne unserer Schulen barrierefrei ist. Das ist auch bei historischen Gebäuden unter Maßgabe des Denkmalschutzes möglich – man muss sich nur einmal mit Architekten unterhalten.“

Was passiert mit einem Schüler, der plötzlich im Rollstuhl landet?

Dass bestimmte Schulen für Jungen und Mädchen mit Behinderung tabu sind – daran scheint sich in der breiten Öffentlichkeit kaum jemand zu stören, meint Manuela Kiss: „Es wird mit zweierlei Maß gemessen. Aber wie sieht es aus, wenn zum Beispiel ein Schüler dieser Schulen in Folge eines Unfalls eine Behinderung erwirbt und plötzlich auf den Rollstuhl angewiesen ist. Was passiert dann mit diesem Schüler?“

Stadt verweist auf Einzelfallentscheidungen

Laut Stadt handelt es sich immer um Einzelfallentscheidungen: Sollte solch eine Situation eintreten, sei mit dem Schulamt, der Schulleitung, den Eltern, dem Schulträger sowie dem Kis als Eigentümer nach Lösungen zu suchen. Diese seien abhängig von der Machbarkeit vor Ort und dem individuellen Bedarf des Betroffenen. Je nach Schule seien bauliche Zwischenlösungen mit mobilen Rampen möglich. Klassenräume könnten getauscht und ins Erdgeschoss verlegt werden. Sollte ein Schulwechsel unabwendbar sein, lasse sich eine Schülerbeförderung in Anspruch nehmen. Die Sonderpädagogische Förder- und Beratungsstelle helfe, „optimale Bedingungen für den Schüler“ zu finden.

Von Nadine Fabian

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