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Potsdam Zwangsehe-Prozess: Vater legt Berufung ein
Lokales Potsdam Zwangsehe-Prozess: Vater legt Berufung ein
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06:00 18.12.2014
Der Verurteilte sieht sich einem "Komplott" gegenüber und akzeptiert das Urteil nicht. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Der Prozess um einen Vater, der seine Tochter zwangsverheiratet haben soll, geht in die nächste Instanz. Der Angeklagte hat Berufung eingelegt. Nun wird das Landgericht erneut die Zeugen hören und ein neues Urteil fällen. Vom Amtsgericht war der 48 Jahre alte Türke Anfang Dezember zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem wurde verfügt, dass der Vater zu seiner Tochter keinen Kontakt mehr aufnehmen darf.

Richter François Eckhardt sah es damals als erwiesen an, dass der 48-Jährige seine Tochter im Sommer 2012 gegen deren Willen in eine Ehe gezwungen hatte. Diese war erst kurz zuvor aus der Türkei geflohen. Auserkoren für sie hatte der Angeklagte den Sohn eines Arbeitskollegen. „Herzlichen Glückwunsch, meine Tochter, ich habe dich vergeben“, soll er zu seiner heute 20 Jahre alten Tochter gesagt haben. Ein Mitspracherecht habe sie dabei nicht gehabt, sagte sie vor Gericht. Ihr Vater und ihr Bruder hätten so starken Druck auf sie ausgeübt, dass sie mit dem auserwählten Mann im türkischen Konsulat die Ehe schloss. Kurz vor der eigentlichen Hochzeitsfeier fasste sie den Mut, zu fliehen. Zunächst kam sie in einem Frauenhaus unter, bis heute lebt sie getrennt von ihren Verwandten.

Einsichtig zeigte sich der Angeklagte, der nur gebrochen deutsch spricht, bei dem Prozess vor dem Amtsgericht nicht, auch wollte er sich zu der Anklage nicht äußern. „Ich stehe einem Komplott gegenüber“, sagte er stattdessen. Es war das erste Mal, dass in Potsdam ein Mann wegen Zwangsverheiratung vor Gericht stand. lir

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Weil er seine Tochter gegen ihren Willen verheiratet hat, ist ein Potsdamer türkischer Herkunft heute zu einer 1-jährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Es ist das erste Mal, dass ein Zwangsheirat-Prozess in Potsdam verhandelt wurde. Einsichtig zeigt sich der Vater nicht und spricht von einem "Komplott".

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