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Potsdam Zweite Wohnanlage im Kulturviertel
Lokales Potsdam Zweite Wohnanlage im Kulturviertel
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19:55 22.06.2018
Das Boardinghaus „Waveboard“ wurde 2014 unmittelbar neben dem Hans-Otto-Theater eröffnet.
Das Boardinghaus „Waveboard“ wurde 2014 unmittelbar neben dem Hans-Otto-Theater eröffnet. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam/Schiffbauergasse

Kommunalpolitiker aller Fraktionen wollen Wohnungen in der Schiffbauergasse verhindern, weil damit der Kulturbetrieb gefährdet würde. „Es reicht ein Bewohner, der das vor Gericht durchficht“, sagte Babette Reimers (SPD) am Donnerstagabend im Kulturausschuss.

Das Gremium votierte einstimmig für einen Antrag der Grünen, nach dem die kulturelle Nutzung der Schiffbauergasse auch „nach Auslaufen der Förderbindung“ fortgeschrieben und „Wohnnutzung ausgeschlossen“ werden soll. Beides sei in den Entwurf für den Bebauungsplan aufzunehmen.

Ebenso einstimmig votierten die Mitglieder des Ausschusses für einen Antrag der Linken, nach dem die Verwaltung den Stadtverordneten bis zum zweiten Quartal 2019 den Entwurf für einen Bebauungsplan „zur Sicherung und sinnvollen Weiterentwicklung des Kulturstandortes“ Schiffbauergasse vorlegen soll. In der Begründung ihres Antrages warnten die Linken vor einem „zunehmenden Verwertungsdruck“ für das Kulturviertel.

Laut Sibylle Straßberger, die im Stadterneuerungsamt für die Schiffbauergasse zuständig, wäre der Linken-Antrag nicht nötig, weil die Verwaltung bereits am Bebauungsplan arbeitet. Der Aufstellungsbeschluss sei schon 1992 verabschiedet worden.

Tatsächlich hat die Verwaltung mit der Villa Tummeley mittlerweile bereits die zweite Wohnanlage im Bereich des Bebauungsplans für die Schiffbauergasse genehmigt. Wie berichtet, sollen in der Villa und einem Anbau mehr als 30 Wohnungen mit mehr als 3000 Quadratmeter Gesamtfläche errichtet werden. In das benachbarte „Offiziershaus“ sollen nach Mitteilung der Investoren weitere elf Wohnungen und Ateliers kommen.

Laut Rathaussprecherin Christine Homann wurde die Baugenehmigung für die Wohnanlage bereits 2012 erteilt. Zwar hatten die Stadtverordneten schon im Jahr 2006 beschlossen, dass „jegliche Wohnnutzung in der Schiffbauergasse ... ausgeschlossen bleibt“. Doch laut Homann bezog sich dieser Beschluss nur auf den „Kernbereich“ des Geländes und das „Sondergebiet Kultur“ mit dem Hans-Otto-Theater und den übrigen, im Zentrum für Kunst und Soziokultur wirkenden Kultureinrichtungen.

Dass im Offiziershaus Wohnungen errichtet werden, schloss Homann auf MAZ-Nachfrage allerdings aus: „Der Bebauungsplanentwurf sieht für diesen Bereich die Nutzung als eingeschränktes Gewerbegebiet vor“, der Eigentümer sei „per städtebaulichem Vertrag verpflichtet, das Grundstück nach Maßgaben des zukünftigen Bebauungsplans zu nutzen.“

Erstmals war 2005/06 über die Risiken einer Wohnnutzung für das mit 100 Millionen Euro Förderung errichtete Kulturviertel diskutiert worden. Damals hatten die Stadtverordneten auf CDU-Antrag beschlossen, dass „jegliche Wohnnutzung“ über eine Verankerung im Bebauungsplan auszuschließen sei. Dass dieser Beschluss nicht umgesetzt wurde, erfuhren die Stadtverordneten erst Jahre später mit der Genehmigung eines „Boardinghauses“ unmittelbar neben dem Hans-Otto-Theater.

Zwar versicherten Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) und Investor Dirk Onnen, damals, dass die Bewohner der Herberge keine Wohnungsmietern vergleichbare Rechte hätten. Dennoch gibt es von den Bewohnern „durchaus Beschwerden“, so Straßberger auf Nachfrage von Kerstin Walter (SPD).

Norbert Mensch (CDU) zog nach der Debatte einen Ergänzungsantrag seiner Fraktion zurück, nach dem die Stadt den Bau von Studentenwohnungen in dem Kulturviertel prüfen sollte.

Von Volker Oelschläger

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