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Potsdam Aldi plant weiteres Wohn- und Marktobjekt
Lokales Potsdam Aldi plant weiteres Wohn- und Marktobjekt
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00:21 12.11.2018
Oberbürgermeister Jann Jakobs (2.v.r.) warf seine Spatenladung am höchsten und weitesten am Freitag zum Baustart für den „Wohn-Aldi“ im Bornstedter Feld.
Oberbürgermeister Jann Jakobs (2.v.r.) warf seine Spatenladung am höchsten und weitesten am Freitag zum Baustart für den „Wohn-Aldi“ im Bornstedter Feld. Quelle: Rainer Schüler
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Bornstedter Feld / Potsdam-West

 Für einen ersten Supermarkt mit Wohnungen darüber hat der Discounter Aldi am Freitag den symbolischen ersten Spatenstich vollzogen. Das 14 Millionen Euro teure Projekt soll im Frühjahr 2020 eröffnet werden; im Sommer kommenden Jahres beginnt die Vermarktung der 36 Mietwohnungen, die Aldi selbst verwaltet.

16 Monate soll der Bau brauchen und kein Einzelfall in Potsdam bleiben. Nach MAZ-Informationen wird der Aldi-Markt an der Zeppelinstraße das nächste Projekt. Nach Auskunft von Manfred Schaffner aus dem verantwortlichen Babelsberger Architektenbüro Urbania wird wahrscheinlich auch dieser Markt abgerissen und durch einen größeren Neubau mit Wohnungen darüber ersetzt.

Der Aldi an der Zeppelinstraße soll das nächste Wohnungsprojekt des Discounters werden. Auch hier würde der bestehende Markt abgerissen und durch einen größeren ersetzt, der Wohnungen über sich hat. Quelle: Rainer Schüler

In Potsdam-West könnte sogar ein Stockwerk mehr aufgesetzt werden, was von der obersten Etage den Blick zur Havel möglich machen würde.

Auch für den neuen Stadtteil Krampnitz wird ein Aldi-Markt nach diesem Muster geplant, doch sind noch keine derartigen Anfragen bei der Stadtverwaltung gestellt worden. Lars Kölling, bei Aldi für Immobilien und Expansion zuständig, sagte der MAZ, man sei an Krampnitz interessiert. Man prüfe einige Standorte, die sich baurechtlich für ähnliche Projekte eignen. Das sei in Wohngebieten einfacher als in Misch- oder Gewerbegebieten, wo es eine Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe gibt und Gewerbeobjekte dann umgewidmet werden müssten.

Aldi hat sechs Märkte in Potsdam. Bis auf das denkmalgeschützte Objekt an der Berliner Straße mit Büros darüber sind das einstöckige Gebäude, die in den Augen des scheidenden Oberbürgermeisters Jann Jakobs (SPD) den „Eindruck“ einer besseren „Lagerhalle einer ländlichen Bezugs- und Absatzgesellschaft“ erwecken. Über solche Architektur könne man sich streiten, sagte er, aber offenbar seien diese Aldi-Einstocker schon „Kult. Die gibt es als Modellbausatz sogar für Modelleisenbahnen.“

Jakobs sagte zum Baustart im Bornstedter Feld, die Verbindung von Markt und Wohnungen sei eine „wunderschöne Idee. Das brauchen wir in verdichteten Wohngebieten wie dem Bornstedter Feld“. Er fände es „sehr schön, wenn Aldi sich auch in Krampnitz engagieren würde.“ Es sei wichtig, einen Versorgungsinfrastruktur nicht erst zu schaffen, wenn die Bewohner schon da sind. Aldi habe ja auch im Bornstedter Feld „schon investiert, als hier noch nicht viel von Bebauung zu sehen war.“

Die Baugenehmigung hat der Konzern schon seit Dezember 2017 und ungewöhnlich schnell bekommen. Die Bauverwaltung habe ihm begeistert berichtet, „dass hier etwas ganz Großartiges“ entsteht, berichtete Jakobs: Das sei ein „Quantensprung auch für Aldi.“ Dass es so schnell ging, schreibt Manfred Schaffner auch seiner Bekanntheit in der Bauverwaltung zu. Immerhin hatte er seit der Jahrtausendwende das Projekt eines Sport- und Freizeitparks mit Bad und Multiplex-Großkino in Drewitz baureif entwickelt, dort wo heute Porta und Möbel-Boss stehen.

Manfred Schaffner, Urbania Quelle: Rainer Schüler

Doch 2003, als alles schon unterschriftsreif war und die Investoren in der Stadtverordnetenversammlung saßen, um den Beschluss des Bebauungsplanes zu erleben, gab es plötzlich Bedenken von Stadtverordneten, und die Landesregierung strich zugesagte Förderungen. 23 Millionen Euro sollte laut Schaffner allein das Drewitzer Spaßbad kosten.

Der inzwischen abgerissene Aldi an der Ecke Nedlitzer Straße und Georg-Hermann-Allee war 2003 eröffnet worden. Er hatte 780 Quadratmeter Verkaufs-, 200 Quadratmeter Verkaufsfläche und 60 Quadratmeter Nebenräume. Vor dem Markt konnten unter freiem Himmel 90 Autos parken. Der Markt hatte keinen Backwarenstand und keine separate Flaschenrücknahme.

Das wird nun alles anders. Der neue Markt ist 1400 Quadratmeter groß. Die Gänge sind breiter, die Regale niedriger, das Sortiment reichhaltiger. Allerdings ist das Erdgeschoss für 50 Innenparkplätze vorgesehen. Die Kunden kommen über Rollbänder und Fahrstuhl zum Verkaufsbereich im ersten Stock. Im zweiten Obergeschoss liegen 18 Zwei- und Drei-Zimmer-Apartments, im nur halb so großen dritten Stockj 18 Ein-Raum-Apartments. Das Dach wird als Gründach ausgebildet.

Das Gebäude ist mit seinem Kopfteil an der Nedlitzer Straße am höchsten und fällt dann in Richtung Buga-Park ab. Es ist überall behindertengerecht, auch in den Toiletten. Babywickelräume sind laut Kölling Standard. Neu sind ein extra Raum für frische Backwaren und eine gesonderte Pfandbehälterrücknahme. Die Bereiche Frischfleisch und -fisch werden erweitert.

Von Rainer Schüler