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Potsdam Potsdam öffnet zweites Screening-Zentrum
Lokales Potsdam Potsdam öffnet zweites Screening-Zentrum
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17:55 20.03.2020
Zweites Abstrichzentrum in Potsdam am Stern eröffnet. Quelle: Jan Russezki
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Potsdam

Am Stern in Potsdam wurde am Freitagmorgen das zweite Abstrichzentrum für die Landeshauptstadt eröffnet. Dort werden Patienten mit Corona-Symptomen auf den Covid-19 getestet. Damit sind nun auch Corona-Tests rechts der Havel möglich. Die Eröffnung verlief nicht ganz ohne Probleme.

Vor dem Gebäude neben der Kita Pfiffikus in der Pietschkerstraße 14-17 sind 13 gelbe Kreuze im Abstand von 1,5 Metern auf den Boden gemalt. Auf diesen sollen die Patienten mit einer möglichen Corona-Infektion warten bis sie zum Abstrich hinein gerufen werden.

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Ärzte nehmen Abstriche ehrenamtlich

In dem Zentrum arbeiten vor allem Freiwillige aus dem medizinischen Bereich. „Es melden sich viele, aber wir brauchen weiterhin Ärzte“, sagt Elisabeth Lesche, Verantwortliche für das Screening-Zentrum am Stern und am St. Josefs-Krankenhaus von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Screening-Zentrum nur in Absprache besuchen

Betreten darf man das Screening-Zentrum ohne Aufforderung nicht. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bittet alle Potsdamer darum, sich vorher mit dem Hausarzt abzusprechen. „Das ist wichtig, damit diejenigen einen Abstrich bekommen, die ihn wirklich brauchen“, sagt er. In dem Screening-Zentrum sollen nur echte Verdachtsfälle getestet werden. Damit wird auch das Screening-Zentrum am St. Josefs-Krankenhaus entlastet.

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Andreas Schwank erklärt: „Wir wissen, dass die Verunsicherung sehr groß ist. Wir wollen die Patienten aus dem normalen Praxissystem raus haben, weil die hygienischen Anforderungen sehr hoch sind.“

Ärztin wird bedroht

Dennoch waren unter den 20 Patienten am Vormittag auch Menschen ohne einen ärztlichen Verdacht, erzählt Kristin Tributh. Die Allgemeinmedizinerin nimmt ehrenamtlich Abstriche im Screening-Zentrum. Dort sei die Stimmung angespannt. „Wir hatten zwei aggressive Patienten, die massiv die Abstriche einforderten, obwohl sie die Kriterien nicht erfüllen“, berichtet sie. Die Patienten würden sich vor ihr aufbauen und mit der Presse drohen, falls sie sich anstecken sollten. „Ich verstehe die Angst, aber nicht die Aggression. Ich bin nicht der Feind, das ist der Virus.“

Für den Sicherheitsdienst ist das keine Überraschung. „Es ist normal, dass die Leute hier emotional sind. Da ist es umso wichtiger, sich hinter die Ärztin zu stellen“, sagt ein Security.

Tests ohne Überweisung würden nicht gemacht, um die Ressourcen einzuteilen, erklärt Tributh. „Sie sagen, sie wollen Sicherheit, aber das wollen 80 Millionen Bürger. Die Kapazitäten sind nicht da. Die Labore testen auch alle anderen Krankheiten weiter“, sagt sie.

Das passiert im Screening-Zentrum

Für eine junge Potsdamerin war der Abstrich etwas ruhiger. Vor dem Eingang wartete sie auf einem der 13 gelben Kreuze. Ihr Gesicht ist rot, sie hustet stark. „Ich bin erkältet“, sagt sie. Zumindest hofft sie das. Sie kommt gerade aus dem Corona-Hochrisikogebiet in Los Angeles. Vom Ärztlichen Bereitschaftsdienst und ihrer Hausärztin wurde ihr geraten, sich auf Corona Testen zu lassen.

Um sie herum standen mehrere andere Patienten mit und ohne Schutzmasken auf den gelben Kreuzen. Sie tauschten sich über ihre Symptome und die Absprachen mit ihren Ärzten aus. „Das war bei mir ganz genau so“, hörte man jemanden sagen. Die Stimmung vor dem Screening-Zentrum war entspannt.

Das änderte sich aber im Screening-Zentrum. Weil auch der Presse kein Zutritt gewährt wird, hat die Potsdamerin der MAZ erzählt, was bei einem Abstrich passiert.

„Es ist komisch. Alle sind in Schutzkleidung und halten großen Abstand“, erzählt die 26-Jährige nach dem Abstrich. „Man muss auch gegen eine Wand, weggedreht von der Ärztin reden“, sagt sie. Dann wurde ein Abstrich aus dem hinteren Teil des Rachens genommen.

Spezielles IT-Programm für Corona-Tests

Die Probe wird mit den persönlichen Daten von der Gesundheitskarte zusammengebracht und ein Auftrag für das Labor erstellt. Ein spezielles Programm wurde in Corona-Krise entwickelt, um den administrativen Aufwand für die freiwilligen Helfer klein zu halten. So wird keine Krankenakte angelegt und die Probe direkt ins Labor gebracht.

Wie es nach dem Abstrich weiter geht, wusste die junge Potsdamerin nicht. „Es war unschön, dass ich selbst fragen musste, wie es nun weitergeht“, sagt sie. Sie muss nun 14 Tage in häuslicher Isolation bleiben. Ihre Testergebnisse bekommt sie in den nächsten zwei Tagen vom Gesundheitsamt – falls sie eine Infektion hat. Andernfalls meldet sich die Kassenärztliche Vereinigung.

Der Weg zum Screening-Zentrum

Das Screening-Zentrum ist schwer zu finden. Mit dieser Karte finden Sie den Weg. Einfach das Screening-Zentrum anklicken und in dem neuen Fenster auf das Navigationszeichen klicken.

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Von Jan Russezki