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Potsdam Zwischen Lebenslang und Freispruch
Lokales Potsdam Zwischen Lebenslang und Freispruch
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06:19 08.08.2017
Der Angeklagte am Tag der Plädoyers am 7. August 2017 mit seinem Verteidiger Hagen Wegewitz. Quelle: Nadine Fabian
Potsdam/Glindow

Mit einem Indiz ist es so eine Sache: Es wiegt schwerer als eine Behauptung, aber weniger als ein Beweis. Im Mordprozess gegen den 60-jährigen Potsdamer Hans-Dieter V., der seinen aus Glindow stammenden Kompagnon im Juni 2009 auf einer Geschäftsreise mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet haben soll, liegen eine Menge Indizien vor. Aber lassen sie sich auch zu einer so dichten Kette verknüpfen, dass ein zweifelsfreier Rückschluss auf das möglich ist, was sich vor acht Jahren tatsächlich in einem Waldstück in Tschechien ereignet hat?

Ja, sagen Staatsanwalt Jörg Möbius und Nebenklage-Vertreter Alexander Kleinert. Nach zwölf Verhandlungstagen vor dem Landgericht Potsdam sehen sie es als erwiesen an, dass Hans-Dieter V. aus Habgier zum Mörder wurde. Sie fordern, den Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Nicht nur die zeitliche und örtliche Nähe zu Tat und Tatort sprechen demnach für V. als Täter. Besonders auffällig sei sein Verhalten unmittelbar nach dem Verschwinden des Partners: So löste der Angeklagte nur wenige Tage später die gemeinsamen Geschäftskonten auf und überwies rund 80 000 Euro auf das Konto der auf seine Frau laufenden Firma. Von dort hob er das Geld in mehreren Beträgen ab – es gilt seither als verschwunden.

Dass das Opfer Joachim L. vermögend war, habe in Glindow jeder gewusst. Dass der Angeklagte unter chronischem Geldmangel litt, zeige sowohl seine Vergangenheit, in der er bereits wegen mehrfachen Betruges und falscher Versicherung an Eides statt verurteilt wurde, als auch das Verfahren selbst. „Der Angeklagte ist ein Meister des Verschleierns, ein Schauspieler und großer Manipulator“, so Staatsanwalt Möbius. „Er ist durch und durch ein Betrüger.“ Sein Verhalten, sein Vorgehen, seine Geschäftstätigkeiten folgten über Jahre hinweg dem immer gleichen Muster: V. habe mit diversen Firmen und Konten hantiert, aber alles vom Handy bis zum Fuhrpark auf andere Personen eintragen lassen: „Er zog im Hintergrund die Strippen. Er nimmt keinerlei Rücksicht auf andere – er allein ist derjenige, der zählt, der sagt, wo es langgeht – und er stürzt damit andere Menschen ins Verderben.“

Verteidiger Hagen Wegewitz plädiert weiterhin auf Freispruch. „Die Beweisaufnahme hat den Sachverhalt, so wie er in der Anklageschrift niedergelegt wurde, nicht bestätigt“, sagte Wegewitz: „Auch nach der umfangreichen Beweisaufnahme fehlt es an jeglichem Nachweis einer Verbindung des Angeklagten mit dem Mord.“ Dass ein Mord vorliegt, sei auch für die Verteidigung glasklar: „Aber der Angeklagte ist nicht der Mörder.“ Um Hans-Dieter V. schuldig zu sprechen, müsste das Gericht zwar nicht mit absoluter Gewissheit, aber wie der Bundesgerichtshof es ausdrückt „mit einem nach der Lebenserfahrung ausreichenden Maß an Sicherheit, das vernünftige Zweifel nicht aufkommen lässt“, von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt sein. Für eine Verurteilung müssen demnach vier der fünf Mitglieder der Strafkammer unter Vorsitz von Richter Theodor Horstkötter sicher sein, dass die Hergangsschilderung „die einzig zwingende“ ist, die zudem keine vernünftigen Zweifel zulässt. Sollte mehr als eines der Mitglieder – egal, ob Berufsrichter oder Schöffe – Zweifel hegen, ist der Angeklagte vom Mordvorwurf freizusprechen.

Wegewitz kommt außerdem zu dem Schluss, dass sich auch die weiteren Vorwürfe – Betrug und Untreue – nicht beweisen lassen und der Angeklagte auch hier freizusprechen ist. Wegewitz betonte, „dass es einen Freispruch zweiter Klasse nicht gibt“. Die Gerechtigkeit im Rechtsstaat basiere auf dem institutionalisierten und streng formalisierten Strafprozess „und nicht auf einem Beweis der Unschuld des Angeklagten“. Diesem wurde wie im Strafprozess üblich das letzte Wort zuteil. Hans-Dieter V. nutzte die Gelegenheit, um erneut seine Unschuld zu beteuern. Bei den Ermittlungen seien viele Fehler gemacht worden, so V. Die Behörden seien „brutal“ vorgegangen: „Der daraufhin stattfindende Wahnsinn, die öffentliche Jagd hat meine Familie und meinen Leumund kaputt gemacht.“ Joachim L. sei sein Freund gewesen: „Seinen Tod bedaure ich sehr, habe ihn aber nicht zu verantworten.“

Das Urteil wird am Freitag verkündet.

Von Nadine Fabian

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