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Potsdam Max Baurs Blick ins Garnisonmuseum
Lokales Potsdam Max Baurs Blick ins Garnisonmuseum
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19:37 27.08.2018
Blick in einen Aussellungsraum des Garnisonmuseums. Die Original-Abzüge von Max Baur in zeitgenössischem Passepartout-Karton sehr gut erhalten.
Blick in einen Aussellungsraum des Garnisonmuseums. Die Original-Abzüge von Max Baur in zeitgenössischem Passepartout-Karton sehr gut erhalten. Quelle: Repro: Potsdam-Museum
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Die Mappe, in der sich 14 Fotografien befanden, war in kostbares Leder gebunden. Vorne prangte eine elegante Gravur, bestehend aus drei Großbuchstaben unter einer Krone: EGR. Erstes Garderegiment zu Fuß. Der Empfänger der Mappe kannte die Eliteeinheit nur zu gut – einst war er ihr Regimentsführer gewesen. Nun gab es das Regiment nicht mehr, und der ehemalige Regimentsführer lebte im Haus Doorn in den Niederlanden. Man schrieb das Jahr 1939. Ex-Kaiser Wilhelm feierte im Januar seinen 80. Geburtstag. Nach Deutschland konnte der adelige Exilant nicht mehr zurück. Aber was es in seiner einstigen Residenzstadt Potsdam Neues gab, das interessierte den ehemaligen Monarchen natürlich schon noch.

Max Baur, Mappenwerk „Garnisonmuseum“. Quelle: Potsdam-Museum

Es waren Neuigkeiten, die dem militäraffinen Hohenzollern gut gefallen haben dürften. Das Garnisonmuseum – untergebracht im heutigen Filmmuseum – florierte seit der Eröffnung 1923 und hatte sich zum Publikumsmagneten gemausert. Besonders seit dem Umbau 1938. Davor wurden die Exponate teilweise noch in ehemaligen Pferdeboxen des früheren königlichen Marstalls ausgestellt. Nun war das Haus auf dem neuesten Stand. Und die Zuschauer kamen in solchen Scharen, dass der Eingang in die Schlossstraße verlegt werden musste. Wilhelm konnte das Museum in seiner vollen architektonischen Schönheit bewundern. Die Ex-Untertanen hatten den besten Lichtbildner der Stadt für Innenaufnahmen engagiert: Max Baur, dem das Potsdam-Museum am Alten Markt eine sehr erfolgreiche Ausstellung mit Stadt-Ansichten gewidmet hat, die erst am vergangenen Sonntag mit besten Besucherzahlen zu Ende gegangen ist. Baur war es also, der im Garnisonmuseum seine Kamera mit Stativ aufbauen durfte. Seine Aufnahmen mochten einst der Dokumentation gedient haben – heute erzählen sie auch über die Verhältnisse in der Zwischenkriegszeit. Denn unumstritten war das Museum beileibe nicht. „1922 gab es einen Stadtverordnetenbeschluss, es einzurichten“, erzählt Markus Wicke, Vorsitzender des Museumsfördervereins. „SPD und KPD haben dagegen gestimmt.“

Max Baur, Mappenwerk „Garnisonmuseum“. Quelle: Potsdam-Museum

Doch im immer noch erzmonarchistisch gesinnten Potsdam hatten sie keine Chance. Und so bekamen im Garnisonmuseum auch Exponate eine Heimat, die anderswo im weitgehend enmiltarisierten Nachkriegsdeutschland nicht mehr so wohlgelitten waren. Beispiel: Die lebensgroßen Wachsfiguren in preußischen Uniformen, mit denen man 1900 noch auf der Weltausstellung in Paris geprunkt hatte. Anfang der 1920er Jahre wollte man sie im Berliner Zeughaus nicht mehr haben. In den Sälen des Garnisonmuseums fand der Besucher auch Schlachtengemälde und ein Diorama mit der Potsdamer Frühjahrsparade aus Zinnsoldaten. Auf den Fotografien wirkt das Ganze fast wie gemalt – der Kunst Max Baurs sei Dank. „Seine Arbeit ist sehr plastisch, eine Komposition aus Licht und Schatten“, erläutert Baur-Expertin Judith Granzow.

Das Potsdam Museum bekommt eine Mappe mit Bildern von Max Baur geschenkt. Quelle: Friedrich Bungert

Dass die Kostbarkeiten nun vom Museumsförderverein angekauft werden konnten, ist das Ergebnis eines fast unglaublichen Zufalls. Vor kurzem bekam Vereinschef Wicke den Tipp, dass ein Potsdamer Antiquariat eine Mappe mit außergewöhnlichen Bildern im Angebot habe – als diese sich dann als Arbeiten von Max Baur herausstellten, war das quasi das Sahnehäubchen auf der laufenden Ausstellung. Bei dem Zufallsfund handelt es sich zwar nicht um die ledergebundene Präsent-Mappe für den Kaiser. Dennoch ist das leinengebundene Exemplar angesichts der Seltenheit quasi ein Jackpot. Denn die Bilder machen ein Museum sichtbar, dessen Existenz mittlerweile fast aus dem Bewusstsein der Stadt verschwunden ist. Was natürlich auch daran liegt, dass nach den kriegsbedingten Auslagerungen 1944 die meisten Exponate in alle Winde verstreut wurden. Spätestens 1947 zog das Potsdamer Heimatmuseum in die Räume.

Wenke Nitz, Markus Wicke und Judith Granzow (v.l.). Quelle: Friedrich Bungert

Die wieder aufgetauchte Mappe mit Baurs Museumsbildern wird auf jeden Fall nicht im Depot Staub ansetzen. In der Sonderausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne. Geschichten aus Potsdam und Babelsberg 1918-1945“ soll sie ab Februar 2019 gezeigt werden. Immerhin, so Kuratorin Wenke Nitz, machte die Schaffung eines eigenen Militär-Museums mehr als deutlich: „Die Garnison war ein wichtiger Referenzpunkt in der Stadt.“

Von Ildiko Röd