Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Prignitz Als auch in Lenzen die Wende real wurde
Lokales Prignitz Als auch in Lenzen die Wende real wurde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 18.11.2019
Ein Überraschungsgast: Gekommen war auch Richard Buchner von der UOKG Berlin, ehemaliger Leiter des KGB-Gefängnis-Gedenkstätte Potsdam, der an den Lenzener Ernst-Otto Schönemann erinnerte, der im Zuge der Ausweisungsaktion 1961 die Stadt verlassen musste. Quelle: Kerstin Beck
Lenzen

Noch einmal gab es in der Prignitz eine Gedenkveranstaltung zu 30 Jahre Mauerfall – und hier am Sonntagnachmittag in der Lenzener Kirche war zu erleben, wie Predigten, Gebete und Gesang das Eine sind, Erinnerungen aber von Menschen, die so vieles in der Vergangenheit erlebt hatten, das Andere.

Gekommen war zum das Neue Potsdamer Orchester, dirigiert von Oana Maria Bran. Die Musiker intonierten Bachs „Erfreut euch, ihr Herzen“. Komponiert worden war das Musikstück eigentlich als Osterkantate, aber hier war es am richtigen Platz – schließlich ging es um etwas, was 1989 ganz friedlich und hoffnungsvoll stattgefunden hatte.

Kirchenchöre beeindrucken mit Einlagen

Dazu waren auch die Solisten Elisabeth Feldmann, Franziska Buchner, Alexander Tremmel und Sönke Trams Freier erschienen. Letzterer, übrigens 1989 in Hamburg geboren und inzwischen Gesangsstudiums-Absolvent mit Auszeichnung, glänzte dabei als Bass-Baritonist mit einer besonders beeindruckenden Solo-Partie.

Auf der Empore hatten zudem Mitglieder der Kirchenchöre aus Lenzen, Wittenberge und Gartow Platz genommen, die den Gottesdienst mit ihren akustisch faszinierenden Einlagen ergänzten.

„Ich kann nur davon zehren, was andere erzählen“

Und dann ging es natürlich auch um die Zeit vor 30 Jahren. „Da war ich noch gar nicht geboren, denn ich kam erst 1990 auf die Welt“, bekannte Pfarrer Gérôme Kostropetsch in seiner Predigt. „Ich kann nur davon zehren, was andere erzählen!“

Zum Erzählen betraten dann der Lenzener Bürgermeister Thomas Wange sowie Amtsdirektor Harald Ziegeler das Podest. Als dann aber der ehemalige Lenzener Pfarrer Johannes Reuschel das Mikro in die Hand genommen hatte, wurde es ganz still. Seine Worte gingen unter die Haut: „In der DDR wurde die Wahrheit mit Füßen getreten.

Und eine Diktatur, und das war die DDR, kann nur überleben, wenn sie den Menschen immer wieder Angst macht. Und diese Angst saß tief in uns.“ Schließlich habe es in lenzen 1952 und 1961 Ausweisungen gegeben. „Lenzen war damals Sperrgebiet, und Familien, die als unzuverlässig galten, wurden ausgewiesen. Es war totale Willkür.“

Akt der Befreiung

Doch im Herbst 1989 änderte sich das auch hier: „Überall gab es Friedensgebete und Demos, nur nicht hier in Lenzen. Nach einem Gottesdienst wurde ich angesprochen – dass es so nicht weitergehen könne.“ So fand schließlich am 7. November 1989 in der Kirche eine große Bürgerversammlung statt – das wurde zu einem Akt der Befreiung. „Es war ein Sieg über dieses verlogene System!“, sagt Reuschel.

Und dann kam noch Richard Buchner von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft aus Berlin nach vorn, der an die Ausweisung Ernst-Otto Schönemanns 1961 erinnerte. Der Ex-Lenzener wäre bestimmt gern gekommen, um über seine Erinnerungen zu sprechen – wenn man ihn denn eingeladen hätte.

Von Kerstin Beck

Die Archäologen um den Wissenschaftler Immo Heske von der Universität Göttingen sind in dieser Woche wieder am Königsgrab in Seddin (Prignitz). Sie wollen dem Fürstenhof auf die Spur kommen.

18.11.2019

Er fuhr viel zu schnell. Er drängelte. Und er bremste andere Autofahrer aus. Zum Glück hat die Polizei alles gefilmt, denn die Beamten hatten den Raser mit ihrem Videowagen auf der Autobahn 24 verfolgt.

17.11.2019

Der Europäische Maulwurf wurde zum Tier des Jahres 2020 gewählt. Zu den bedrohten Arten gehört er nicht. Wie es ihm aber wirklich geht, wissen auch die Fachleute nicht zu sagen, denn es gibt so gut wie keine Maulwurfsforscher.

17.11.2019