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Prignitz Bärbel Manns Liebeserklärung an Bad Wilsnack
Lokales Prignitz Bärbel Manns Liebeserklärung an Bad Wilsnack
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14:18 26.09.2019
Bärbel Mann ist ein Bad Wilsnacker Urgestein. Ihre Familie lebt seit Generationen im Ort. Quelle: Fotos (3): André Reichel
Bad Wilsnack

Der Prignitzer Kurort ist untrennbar mit der Geschichte rund um das Wunderblut von Wilsnack verbunden. Wurde doch der Ort durch die Verehrung von Hostien im späten Mittelalter über die Landesgrenzen hinaus bekannt und als Wallfahrtsort ziemlich wohlhabend. Mit der von Martin Luther angestoßenen Reformation war mit dem Wunderglauben Schluss und der Ort versank vorerst in der Bedeutungslosigkeit. Die imposante Kirche im Herzen des Prignitzortes zeugt jedenfalls noch heute von dieser goldenen Zeit.

Das Wunderblut auf der Bühne

Die Bad Wilsnackerin Bärbel Mann beschäftigt sich seit langer Zeit schon mit eben diesem Thema. Die 80-Jährige leitet ein Laienspielensemble. Als „Theater am Pilgerweg“ führt die Gruppe jedes Jahr beim Pilgerfest ein neues Stück vor großem Publikum auf. Insgesamt sind es bis jetzt acht Theaterstücke, alle aus der Feder von Bärbel Mann, die auch die Regie führt.

Thematisch geht es dabei im Kern, wie könnte es anders sein, immer um das Wunderblut. Drumherum strickt die Kulturschaffende Seniorin eine sich durch alle Stücke wie ein roter Fadern ziehende Geschichte, in der historisches und aktuelles Geschehen einfließen. „manch bekannter Bad Wilsnacker hat sich so schon bei uns auf der Bühne wieder gefunden“, so Bärbel Mann.

Gut 30 Frauen, Männer und Kinder sind Mitglied in der Wilsnacker Theatergruppe. Etwa die Hälfte steht davon auf der Bühne. Viele andere sind in Sachen Logistik oder bei der Licht- und Tontechnik aktiv. „Es ist eine tolle Gruppe und wir haben viel Spaß bei den Proben, wie auch bei unseren Auftritten“, sagt Bärbel Mann.

Beifall ist der größte Lohn für die Darsteller

Außer in Bad Wisnack tritt das Ensemble auch in anderen Orten entlang des historischen Pilgerweges auf. So auch in Berlitt. Unlängst erst bekamen sie dort bei ihrer Aufführung von mehr als 40 begeisterten Besuchern stürmischen Beifall. „Das ist unser größter Lohn!“, meint Bärbel Mann. Ein neues Stück für die kommende Saison ist längst in Arbeit. Genaueres will die 80-Jährige aber nicht verraten. Angst davor, das ihr dafür mal die Ideen ausgehen könnten, hat sie nicht. Zu gute kommt ihr dabei , dass sie sich gut in der Geschichte ihres Heimatortes auskennt.

Bärbel Mann ist waschechte Wilsnackerin und wohnt in den Haus, das schon ihren Urgroßeltern gehörte. Ihr Vater verlies die Familie, als sie noch ein kleines Kind war. „Mein Großvater war seitdem die wichtigste Bezugsperson“, sagt Bärbel Mann. Mit ihm machte sie als Kind oft Spaziergänge im Ort und erfuhr viele spannende Geschichten.

Bärbel Mann hat zur Geschichte ihres Heimatortes diese Bücher und Hefte geschrieben. Quelle: André Reichel

Später hat sie sich zur Heimatgeschichte belesen, sprach zudem mit vielen älteren Bewohnern und lies sich von ihnen ihre Geschichten erzählen. Kürzlich erst erschien das von Bärbel Mann verfasste Buch „Bad Wilsnack – Historischer Wallfahrtsort und Kurstadt mit Tradition“, in dem es um die Geschichte des Ortes geht. 2010 erschien ihr erstes Buch „Bad Wilsnack – ein famoses Nest“, in dem ebenfalls die Ortsgeschichte beleuchtet wird. „Meine Bücher sind eine Liebeserklärung an meine Heimatstadt“, erklärt Bärbel Mann auf ihre Motivation zum Schreiben angesprochen. Privat schreibt Bärbel Mann Gedichte und Geschichten für ihre Enkel und Urenkel, die ebenfalls einmal in einem Buch zusammengefasst werden sollen.

19 Jahre Lehrerin in Eberswalde

Nach der Schule ging Bärbel Mann nach Jena, studierte dort Chemie und Pädagogik. 19 Jahre lang lebte sie dann in Eberswalde, wo sie als Lehrerin arbeitete, einen Mann kennenlernte, heiratete und zwei Kinder bekam. Die Ehe ging in die Brüche. Ihr nächster Mann war Förster. Mit ihm und den Kindern zog sie 1981 nach Plattenburg. „Mein Mann bekam dort eine Försterstelle“, sagt Bärbel Mann, für die in Bad Wilsnack keine Lehrerstelle frei war. So arbeitete sie in der Kurklinik als Veranstaltungsleiterin. 1983 war sie an der Organisation des Festumzuges zur 625-Jahr-Feier des Ortes maßgeblich beteiligt.

Als 1988 die Mutter von Bärbel Mann starb, zog sie mit ihrer Familie ins Elternhaus in der Lindenstraße ein. 1990 gründete sie mit sieben weiteren Leuten den Fremdenverkehrs- und Kulturverein, in dem sie 14 Jahre Vereinsvorsitzende war. „Es war nicht immer einfach, Kultur und Tourismus unter einen Hut zu bringen“, sagt Bärbel Mann. Später ging aus diesem Verein der Tourismusverband Prignitz hervor, dessen Ehrenvorsitzende sie bis heute ist.

Stadt- und Kirchenführungen

Beruflich änderte sich für Bärbel Mann nach der politischen Wende nicht viel. Doch als Veranstaltungsleiterin der Kurklinik war sie nun auch für das Marketing zuständig. „Wir mussten uns von nun an selbst um Gäste bemühen“, sagt Bärbel Anfangs nur für Kurgäste, später auch allgemein für Touristen machte die Seniorin Stadt- und Kirchenführungen und bildete auch Stadtführer aus. Auch viele Vorträge zur Stadtgeschichte hat sie gehalten.

Für ihre besonderen Verdienste hat die 80-Jährige vor vier Jahren das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Quelle: André Reichel

Der Tod ihres Mannes 2011 war ein herber Schicksalsschlag, doch Bärbel Mann blieb aktive Kulturschaffende. Für ihre besonderen Verdienste bekam sie im März 2015 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ideen für neue Projekte hat die rüstige Seniorin mehr als genug. „So lange die Gesundheit mitspielt, mache ich weiter“, sagt Bärbel Mann.

Von André Reichel

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