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Prignitz Böllern jetzt auch in Klasse 3
Lokales Prignitz Böllern jetzt auch in Klasse 3
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18:16 30.03.2017
Christoph Grabow weiß, wann er den Knopf drücken muss, um ein Feuerwerk spannend zu machen.
Christoph Grabow weiß, wann er den Knopf drücken muss, um ein Feuerwerk spannend zu machen. Quelle: Claudia Bihler
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Halenbeck

Ein Silvester ohne Alkohol können sich die Feuerwerker aus Halenbeck durchaus vorstellen. Aber einen Jahreswechsel ohne Böller? „Undenkbar“, sagen die fünf Vereinsmitglieder, die da im kleinen Vereinsraum zusammensitzen unisono: „Das geht gar nicht.“ Kein Wunder also, dass sie sich vor rund drei Jahren als Verein zusammengeschlossen haben und nun auch das dürfen, was „normalen“ Verbrauchern von Gesetzes wegen verwehrt ist: Sie können auch zu anderen Zeiten Feuerwerke steigen lassen, dann, wenn die Silvesterknaller längst aus den Regalen von Einzelhandels– und Baumärkten wieder verschwunden sind.

Ein richtiges Feuerwerk kostet Zeit

Das Alkoholgebot gilt für Christoph Grabow ohnehin, denn er ist es, der den entscheidenden Zündfunken auslöst: „Silvester fängt für ihn immer erst um 0.30 Uhr an“, sagt Jenny Grabow. „Dann, wenn wir alle schon ins Bett gehen könnten, können er und sein Kollege auch mal ein Glas trinken.“ Und Christoph Grabow sagt aus Überzeugung: „Wenn das alle so machen würden, würde auch bei der Silvesterknallerei nicht so viel passieren.“

Die Vereinsmitglieder haben schon vor der Vereinsgründung 2014 vieles zusammen unternommen. Quelle: Claudia Bihler

Doch bis er schließlich die Feuerwerkskörper und Batterien mit den elektronischen Zündern versehen und den Koffer mit der Zündung öffnen kann, haben bereits alle Vereinsmitglieder viel Zeit investiert, um ein Feuerwerk zu einem echten Erlebnis werden zu lassen.

Ohne Dramaturgie geht gar nichts

Inzwischen treten die Mitglieder des Pyrotechnik Halenbeck bei diversen Veranstaltungen auf. Zu privaten Festen, bei runden Geburtstagen, Dorffesten. „Jetzt wurden wir für eine Jubiläumsfeier bei McDonalds gebucht“, sagt Michael Godau, der Vereinsvorsitzende. Je nach den Vorstellungen der Auftraggeber entwerfen die Leute von den Pyrotechnikern in Halenbeck ein individuelles Feuerwerk: Mal mag ein Auftraggeber vor allem Böller, manche mögen, wenn das Feuerwerk heult, hier ist vor allem ein Höhenfeuerwerk gefragt, dort wird auch mal eine Feuerfigur gezündet. Die zugehörige Musik schneiden die Halenbecker selbst.

Ein gutes Feuerwerk folgt einer Dramaturgie: Die schönsten Raketen steigen zum Schluss. Quelle: Privat

Dramaturgie ist nötig, sagen die Experten: „In der Regel fängt ein Feuerwerk am Boden an, dann werden die ersten Raketen gezündet, bevor beim großen Finale dann die schönsten und höchsten Figuren am Himmel zu sehen sind.“ Das erfordert Planung, die die Vereinsmitglieder gemeinsam machen. Eingekauft wird im Großhandel. Heike Godau: „Da bekommen wir auch viele Sachen, die normalerweise nicht im Laden zu haben sind.“ Funkelnagelneu ist eine erweiterte Zulassung: Dürfen normale Verbraucher nur Feuerwerk bis Klasse 3 nutzen, haben die Halenbecker nun die Genehmigung, auch solche der Klasse 3 zu zünden: Diese sind mit mehr Pyrotechnik bestückt und haben demzufolge auch mehr Leuchtkraft am Nachthimmel.

Verein arbeitet zum Selbstkostenpreis

Bei einem großen Feuerwerk sind die Pyrotechniker bis zu zwei Tage damit beschäftigt, alles aufzubauen. Schließlich soll im entscheidenden Moment alles wie am Schnürchen klappen. Dafür ist vor allem Christoph Grabow zuständig. „Er weiß einfach, wann er auf den Knopf drücken muss“, sagt Jenny Grabow. „Auch wenn mehrere Feuerwerkskörper auf einmal zu sehen sein sollen.“ Der Feuerwerker weiß, dass dies davon abhängt, wie lange ein Feuerwerkskörper zur Zündung benötigt – oder auch, wie lange die zuletzt durchgestartete Rakete leuchtet.

Der Verein arbeitet mehr oder weniger zum Selbstkostenpreis. Die Feuerwerkskörper sind nicht ganz billig, elektronische Geräte wurden extra angeschafft. „Und Fahrtkosten fallen ja meist auch noch an.“

Im Juli sind Halenbecks Feuerwerker beim Dorffest in Ellershagen zu sehen. Quelle: Privat

Die kleinen Beträge, die auch nach einer Veranstaltung in der Kasse bleiben, setzen die Halenbecker dann zwar einerseits zu ihrem eigenen Vergnügen ein, wenn sie an Silvester ihr großes Feuerwerk im Dorf steigen lassen. Andererseits beeindrucken sie damit regelmäßig auch das gesamte Dorf. „Wir haben hier schon Kommentare bekommen, bei denen uns bescheinigt wurde, dass unser Feuerwerk größer und schöner ist, als alles, was die Leute anderswo gesehen haben“, sagt Heike Godau. „Selbst am Brandenburger Tor soll nicht so viel los gewesen sein.“

Nachdem bei den Silvester-Events meist das ganze Dorf auf den Beinen ist, hat der Verein daraus eine öffentliche Veranstaltung gemacht und grillt nun auch Würstchen vor dem Vereinshaus. „Einige haben auch versprochen, dass sie mal den einen oder anderen Euro beisteuern“, sagt Michael Godau. Das nächste Spektakel am Himmel bereiten die Pyrotechniker bereits vor: Es soll zum Dorffest der Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf Mitte Juli steigen, wenn das Dorf Ellershagen seinen 500. Geburtstag feiert.

Von Claudia Bihler

30.03.2017
30.03.2017