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Prignitz Denkmäler erinnern an Schicksal der Soldaten
Lokales Prignitz Denkmäler erinnern an Schicksal der Soldaten
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17:50 09.11.2018
Das Denkmal in Garz liegt direkt an der Straße und wurde großzügig angelegt. Jetzt soll es saniert werden.
Das Denkmal in Garz liegt direkt an der Straße und wurde großzügig angelegt. Jetzt soll es saniert werden. Quelle: Stephanie Fedders
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Prignitz

Es sind die ganz großen Ereignisse, die vielen in den Sinn kommen, wenn das Jahr 1918 thematisiert wird. Matrosenaufstand, Kaiserflucht ins Exil, Ausrufung der Republik. Selten fällt Licht auf einzelne Schicksale, die mit der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (Historiker George F. Kennan) verbunden sind.

Dabei gibt es bis heute deutschlandweit noch an die 100 000 Denkmäler, in denen die Namen der Gefallenen eingraviert sind. Auch in der Prignitz. Eine Spurensuche aus Anlass der Beendigung des Ersten Weltkrieges am 11. November vor 100 Jahren.

Viel Platz für das Denkmal in Garz

Das Internet weiß viel, ist aber nicht immer eine Hilfe. Hugo von Freier? Willy Röhr? Otto Holzapfel? Mit diesen Namen kann die Suchmaschine nichts anfangen. Drei Männer, die mit 19 weiteren Soldaten gefallen oder infolge von Verwundungen nach dem Krieg verstorben sind. Sie alle kamen aus Garz und Hoppenrade.

An der Kirche in Garz steht bis heute ein Denkmal, das an sie erinnert. Verglichen mit anderen Denkmälern nimmt das in Garz viel Platz ein. Mittig auf einer Tafel sind die Namen eingraviert, links und rechts von einer Mauer flankiert. Ein Zaun trennt die Fläche davor ab.

157 Kriegsdenkmäler aus dem Ersten Weltkrieg

Namen und Daten sind noch gut zu lesen, die Steine im Mauerwerk an Ort und Stelle. Dennoch steht das Denkmal auf der Agenda von Heiko Jaap, dem Baubeauftragten des evangelischen Kirchenkreises Prignitz. Die Fugen müssen ausgebessert, die Abdeckung neu eingeschlämmt werden. Von den 157 Kriegsdenkmälern aus dem Ersten Weltkrieg, die es noch im Landkreis gibt, stehen 71 an Kirchen. Jaap spricht von einer „zusätzlichen Baulast, die nicht primär im Fokus steht“. Der gilt vorrangig den Gotteshäusern.

Noch heute sind viele Gerdshagener empört, dass das Denkmal 1956 zerstört wurde. Geblieben ist nur der Sockel. Quelle: Stephanie Fedders

Dennoch steht der Erhalt des Bauwerkes für ihn und Pfarrer Christian Gogoll außer Frage. „Der Anstoß zur Sanierung kam sogar aus dem Dorf“, erinnert sich Gogoll. Häufig gebe es noch familiäre Beziehungen zu den Gefallenen. Immer mal wieder beobachtet er auch Personen, die die Namen studieren und auf der Suche nach Vorfahren sind. „In diesem Zusammenhang ist der Erhalt der Denkmäler wichtig“, sagt der Pfarrer. Die heutige Friedhofskultur sorge dafür, dass viele Gräber oftmals nach 25 Jahren wieder geräumt werden. Dann verschwinden die Grabsteine, die Namen und mit ihnen die Erinnerung an einen Menschen.

Vielfalt in der Gestaltung

Als Rainer Boddin sich vor sechs Jahren die Mühe gemacht hat, alle Kriegsdenkmäler aus der Zeit des Ersten Weltkrieges in der Prignitz zu dokumentieren und ihren Zustand auf Fotos festzuhalten, fingen manche Dörfer an, sich wieder für die Geschichte zu interessieren. In der Folge wurden Steine und Inschriften erneuert, Namen wieder lesbar. Beispielsweise in Preddöhl, Langnow oder Streckenthin. Boddin dokumentierte auch die Vielfalt in der Gestaltung – in Mesendorf steht ein Findling, in Kietz, Gemeinde Lenzerwische, wurde eine Säule aus Marmor aufgestellt.

Einen besonderen Platz in Boddins Ordner nimmt Gerdshagen ein. Nach 32 Jahren wurde der Findling 1956 abgebaut und nach Rostock geliefert. Für den Aufbau des Überseehafens wurden entsprechende Steine gebraucht. Gerdshagens ehemaliger Bürgermeister Gottfried Spitzner weiß, dass damals viele Einwohner protestiert haben – ohne Erfolg. „Die Eingravierung wurde gerettet, ist aber nicht wieder aufgetaucht“, sagt Spitzner. Nur der Sockel ist geblieben. An so einen Frevel hat der Schriftsteller Robert Musil bestimmt nicht gedacht, als er 1932 in seinem „Nachlass zu Lebzeiten“ schrieb: „Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler.“

Von Stephanie Fedders

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