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Prignitz Der König hat aufs Land gesetzt
Lokales Prignitz Der König hat aufs Land gesetzt
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16:27 04.01.2013
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POTSDAM/NEUSTADT

. Im Vergleich zu umfangreichen Ausführungen und Exponaten zur internationalen und der royalen Familienpolitik, über zahlreiche Kriege und das Militärwesen, über darstellende Kunst, Architektur, Manufakturen und weitere Themen vermisste man Ausführungen zur Agrarpolitik und zum Rechtswesen. Dabei sind es gerade diese Gebiete, denen sich der König nach der langen Phase der drei Schlesischen Kriege bis 1763 intensiver und durchaus erfolgreich widmete.

Obwohl Friedrich II. bereits mit seinem Amtsantritt 1740 erkannte, dass es mit dem Zustand der Landwirtschaft nicht zum Besten stand und er das durch weitere Kabinettsinstruktionen zum Ausdruck brachte, konnte er diese Aufgaben erst in Friedenszeiten mit Nachdruck in Angriff nehmen. Gleiches gilt auch für die Ausarbeitung eines „Allgemeinen Landrechtes für Preußen“. Die Zusammenführung verschiedener Rechtsvorschriften wurde ab 1780 fortgeführt und unter Friedrich Wilhelm II. in Kraft gesetzt.

Der Agrarwirtschaft galt besonderes Augenmerk, zumal es durch Seuchen bei Mensch und Tier, Kriege und Hungersnöte enorme Verluste gab. Durch Friedrichs ständiges Drängen wurden Maßnahmen zur Erhöhung der Erträge durchgeführt, neue Fruchtfolgen erprobt, der Anbau ertragreicher oder neuer Pflanzen wie Klee, Luzerne, Turnips/Rübenkohl gefordert. Die Landgewinnung durch Melioration, Verbesserung der Wiesen- und Weidebewirtschaftung, Anlegung „künstlicher Wiesen“ und neue Düngungsmaßnahmen mit Teich- und Seeschlamm waren Schwerpunkte. Waldanpflanzungen sollten den Versandungen durch Wind entgegenwirken.

Nicht vergessen werden darf der Kartoffelanbau. Hierbei spielt aber auch die Legendenbildung eine Rolle. Denn eingeführt wurde die Kartoffel schon von Friedrichs Urgroßvater, dem Großen Kurfürsten. Bei ihm und dessen Sohn ist die Kartoffel jedoch nur als Zierpflanze angebaut worden. Erst unter Friedrich II. erlangte sie Bedeutung bei der erfolgreichen Bekämpfung der Hungersnot.

In der Tierhaltung wurden Erfahrungen aus anderen Ländern genutzt. Schrittweise begann der Übergang zur Stallfütterung. Zuchtmaßnahmen durch Einfuhr von Zuchttieren waren ebenso erfolgreich wie die verstärkte Hühnerhaltung. Über 200 neue Dörfer entstanden in der Kurmark. Die Bevölkerung wuchs zwischen 1756 und 1775 um 52 000 Menschen.

Belege für sein Wirken in der Region gibt es viele. So erfolgten Anpflanzungen auf Sandschollen bei Dreetz, der Aufbau neuer Schäfereien beziehungsweise Vorwerke etwa in Neustadt, Goldbeck und Lehnin, der Anbau von Maulbeerbäumen und Meliorationsmaßnahmen im Dossebruch. Viele Projekte wurden unter Friedrich II. begonnen und konnten erst später nach seinem Tode abgeschlossen werden.

Zwei davon sind die Entwicklung der Pferdezucht und des Veterinärwesens. Der Bedarf an Pferden war außerordentlich hoch, nicht nur zu Kriegszeiten, sondern auch zunehmend in der Landwirtschaft. Schon Friedrich Wilhelm I. unterhielt in der Mark aber nur noch die zwei Gestüte in Neustadt und Rosenburg. Unter seinem Sohn Friedrich II. spielte Neustadt keine große Rolle mehr.

Der Bestand an Stuten betrug 1774 nur noch 18 Tiere. Der König hatte zwar in einer Kabinettsorder 1766 die Wiedereinführung einer guten Pferdezucht gefordert, aber wenig erreicht. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Erst Sohn Friedrich Wilhelm II., ab 1786 König, ließ mit seinem Interesse für die Pferdezucht und Graf Carl Heinrich August von Lindenau als anerkannten Fachmann an seiner Seite und einer nun gefüllten Staatskasse 1788 ein neues Gestüt in Neustadt errichten. Derselbe Graf von Lindenau wurde fast gleichzeitig vom König mit der Errichtung einer Tierarzneischule in Berlin beauftragt.

Die Vorgeschichte dieser Einrichtung reicht weit in die Zeit Friedrich II. zurück. Die dramatische Seuchenlage in Europa und der Bedarf an Rossärzten führte in Europa zur Gründung erster sogenannter Tierarzneischulen. Auch Friedrich erkannte die Notwendigkeit einer solchen Schule. Mit dem Machtantritt Friedrich Wilhelm II. ist dieses Vorhaben sofort in Angriff genommen worden und bereits 1790 konnte die Tierärztliche Hochschule in Berlin eröffnet werden.

*Der Autor ist Mitglied im Kulturverein Wusterhausen und dort Ansprechpartner für die Arbeitsgruppe Ortschronik/Museum. (Von Hartmut Schlüter*)

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