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Prignitz Die Grenze und ihre Geschichten – die Prignitz ist dabei
Lokales Prignitz Die Grenze und ihre Geschichten – die Prignitz ist dabei
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13:14 20.11.2019
Die Elbe zwischen Lenzen und Dömitz bei Kietz. Der Grenzverlauf erzeugte so viele verschiedene Geschichten. Quelle: André Reichel
Quitzow

Was machten die Prignitzer, wenn sie zur DDR-Zeit einen Intershop besuchen wollten? Sie fuhren nach Quitzow, der einzigen mit diesem Laden bestückten Raststätte an der damaligen Transitstrecke HamburgWestberlin. Und so manch ein Gast, der sich dort mit seiner Westverwandtschaft traf, machte hinterher ungute Bekanntschaft mit der Stasi.

Kuno Karls aus Hagenow hat mit seinem einmaligen Zeitdokument mehr als 1860 Fotos von 135 fotografierenden Zeitzeugen aus Ost und West, die auf 592 Seiten Platz finden, zusammengetragen. Das Buch ist beim Verfasser erhältlich. Quelle: Kerstin Beck

Längst gibt es dieses Schreckensgespenst nicht mehr – doch die Zeit mit ihren Bildern ist auf Papier festgehalten worden, innerhalb einer geschichtsträchtigen Fotodokumentation, die von Kuno Karls aus Hagenow vor kurzem in Dömitz vorgestellt wurde.

Fotos und Anekdoten in Hülle und Fülle

Exakt 2858 Gramm schwer ist der Bildband mit dem Titel „Vom Entstehen und Vergehen der deutsch-deutschen Grenze“. Die unbeschreibliche Fleißarbeit des Foto- und Geschichtensammlers umfasst den Zeitraum von 1945 bis 2019 und den Bereich von der Elbe bis hin zur Ostsee.

Wenn der 81-jährige über die Entstehung dieses sehenswerten Konvoluts spricht, vergeht die Zeit wie im Fluge. Denn es gibt jede Menge Anekdoten, mit denen der Werdegang dieses Buches einhergeht und mit dessen Fotosammlung der Ehrenbürger der Stadt Hagenow schon in jungen Jahren begonnen hat.

Mit Kerzen vor dem Rathaus versammelt

So sollte der Augenoptikermeister in jungen Jahren auch zur „Fahne“, Jargon für die NVA, gezogen werden, und ganz richtig wollte sich Kuno Karls dann bei seiner Versicherung abmelden. „Das geht aber nicht, denn Sie sind der einzige Augenoptiker hier, wie soll denn unsere Bevölkerung versorgt werden?“ war die Antwort dazu. „Da kam ich eben nicht zur Armee!“ erzählt der Mecklenburger nicht ohne nachträgliche Freude.

Natürlich gibt es auch Erinnerungen an die Wendezeit: „Da gingen wir dann mit unseren brennenden Kerzen vor das Rathaus. Es sah jeden Tag wie Heiligabend aus. Und im Rathaus hatten sich heimlich die Bonzen verschanzt und beratschlagten dort, was wohl zu tun sei.“

Die Wende und ihre Auswüchse

Nachzuschauen ist der Werde- und Vergehensgang der Grenzanlagen in dem Buch: etwa wie die Amerikaner von Bleckede über die Elbe nach Mecklenburg kamen, wie die sowjetische Besatzung aussah, wie die Sperranlagen errichtet und letztlich beseitigt wurden. Es sind nachwendezeitliche Bilder zu sehen von ungeliebten und im Wald umgekippten „Ostautos“ bis hin zum Karl-Marx-Konterfei mit der Losung drauf „Proletarier aller Länder, vergebt mir“. Ebenso werden Auslagen in Geschäften mit den ersten Sex-Zeitungen gezeigt. Ob es Nachholebedarf gab, ist jedoch fraglich.

Dargestellt sind neben der Güst Cumlosen, wo von der Stasi täglich Tausende von Telefongesprächen abgehört worden sind auch die Minenberäumung bei Lütkenwisch, die Eröffnungen der verschiedenen Elbfähren, der Fall des Sendemastes auf dem Höhbeck 2009 sowie die Wustrower und die Wootzer NVA-Kasernen. Auch die „Interzonenstraße“ HamburgBerlin. „Da flog so manche Schokolade oder Cola aus dem Auto, wenn Kinder zu sehen waren“, so der Verfasser.

1860 Seite, 135 Zeitzeugen, 592 Seiten

Neben Passierscheinen, Mitnahmebescheinigungen und DDR-Personalausweis-„Sichtvermerken“ sind auch die verschiedenen Zehnmarkscheine, die es in der DDR gab, neben einem „forum-eine-Mark-Scheck“ abgebildet. Schließlich ging die Spaltung Deutschlands soweit, dass DDR-Bürger im Intershop nicht etwa mit West-DM, sondern mit einer Pseudo-Währung bezahlen mussten.

Zusammengetragen hat Kuno Karls dieses einmalige Zeitdokument mit mehr als 1860 Fotos von 135 fotografierenden Zeitzeugen aus Ost und West, die auf 592 Seiten Platz finden. Ist sein vorangegangenes Werk „Es war einmal eine Grenze“ bereits vergriffen, so ist dieses Buch beim Verfasser für 40 Euro erhältlich.

Kontakt: Kuno Karls, Telefon: 03883/62 58 87 oder Email: kunokarls5@googlemail.com

Von Kerstin Beck

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