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Prignitz Frau rettet Nutria-Babys vor dem Tod
Lokales Prignitz Frau rettet Nutria-Babys vor dem Tod
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16:28 18.12.2014
Der junge Sumpfbiber ist jetzt in guten Händen.
Der junge Sumpfbiber ist jetzt in guten Händen. Quelle: Beate Vogel
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Muggerkuhl

Eigentlich wollte Rosi Geisheimer vor etwa drei Wochen wie immer am Teich bei Muggerkuhl (Amt Putlitz-Berge) spazieren gehen. Das idyllische Gewässer war ihr ans Herz gewachsen, nachdem sie es vor einiger Zeit für sich entdeckt hatte. Und bei jedem Besuch konnte die Prignitzerin dort eine Sumpfbiberfamilie beobachten. Nur diesmal kamen die Nutrias nicht.

"Die Biberfamilie kannte mich, ich habe sogar ihre Burg getarnt", erzählt die Tierfreundin. Dann sah sie auf dem Teich etwas schwimmen. "Auf einmal kommt da ein kleiner Sumpfbiber aus dem Schilfgürtel auf mich zu, völlig verstört." Rosi Geisheimer lief um den kleinen Teich herum bis zum Steg, der im Sommer von Badegästen benutzt wird. "Dort habe ich dann den Knüppel gesehen." Reifenspuren und Futterreste fand sie ebenfalls am Ufer. Das Jungtier folgte ihr auf dem Wasser und rief immer wieder nach den Alttieren, berichtet sie. "Der Kleine schwamm immer hin und her."

Mit einem unguten Gefühl fuhr Rosi Geisheimer nach Hause. Am nächsten Tag war sie wieder am Teich und hörte sich auch im Dorf um. Es habe sich herausgestellt, dass die Tiere offenbar angefüttert wurden. "Die Nutrias haben dort rastende Radfahrer angebettelt." Der kleine Sumpfbiber saß wie versteinert am Ufer. Tags darauf konnte die Prignitzerin nicht, aber danach war sie wieder da. Mit etwas Futter und einem Drahtkörbchen fing sie das verstörte Jungtier ein und brachte es in Sicherheit. "Am nächsten Tag bin ich noch einmal hingefahren, ich hatte so ein komisches Gefühl." Und richtig: Da war ein zweites Junges, ebenfalls verstört und sogar ziemlich abgemagert. Auch dieses rief nach Artgenossen. Rosi Geisheimer musste einfach helfen. "Ich hatte gar nichts dabei." Mit einem Kescher, den sie im Auto fand, und einer Einkaufsbox aus Plastik fing sie das Tier ein.

Rosi Geisheimer vermutet das Schlimmste: Dass jemand die Nutrias am Teich erschlagen und mitgenommen hat. Immerhin galt das Fleisch der Sumpfbiber noch zu DDR-Zeiten als Delikatesse. In Deutschland ist aber vor dem Verzehr eine Trichinenschau Pflicht, weiß die Prignitzerin: "Sumpfbiber ohne die gesetzlich vorgeschriebene Fleischbeschau zu verzehren, kann zu einer oft tödlich verlaufenden Erkrankung mit Trichinen führen." Rosi Geisheimer und Bekannte aus dem Dorf suchten den Uferbereich der Kuhle ab, die kurz hinter der Landesgrenze in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Sogar Leute mit Hunden seien da gewesen. Gefunden hat keiner etwas.

In den folgenden Tagen machte sich Rosi Geisheimer viel Mühe damit, die jungen Nutrias in professionelle Obhut zu geben - leider erfolglos, wie sie sagt. "Ich habe im Tierpark in Güstrow angerufen und im Zoo von Schwerin, keiner wollte sie haben." Auch im Pritzwalker Hainholz und in der Biosphärenreservatsverwaltung in Rühstädt klappte es nicht. "Den Winter würden die Jungtiere aber nicht überleben ohne Mutter", weiß sie. "Harte, kalte Winter setzen dem Sumpfbiber sehr zu, weil er offenes Wasser braucht." Außerdem fehle es an geeigneter Nahrung und es kommt zu Erfrierungen an den fast unbehaarten Schwänzen und Füßen der Tiere.

Rosi Geisheimer brachte es nicht übers Herz, die verlassenen Nutrias ihrem Schicksal zu überlassen. Dank ihrer vielen Kontakte konnte sie die beiden Jungtiere jetzt in sichere Hände geben. Dort können sie den Winter verbringen. Im nächsten Frühjahr, wenn es wieder wärmer ist, sollen die beiden ausgewildert werden.

Von Beate Vogel

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