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Prignitz Freude in Glöwen über vorläufige Rettung
Lokales Prignitz Freude in Glöwen über vorläufige Rettung
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00:40 13.04.2018
Die Oberschule mit Grundschulteil Glöwen kann im Schuljahr 2018/19 nur eine 7. Klasse eröffnen, sagt Schulleiter Jörn Atlas.
Die Oberschule mit Grundschulteil Glöwen kann im Schuljahr 2018/19 nur eine 7. Klasse eröffnen, sagt Schulleiter Jörn Atlas. Quelle: Andreas König
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Glöwen

Anja Kramer schien es die Stimme verschlagen zu haben. Von der neuen Entwicklung in Sachen Oberschule Glöwen war die Bürgermeisterin der Gemeinde Plattenburg positiv überrascht. Die Landtagsfraktionen von SPD und Linken haben vereinbart, jegliche weitere Entscheidung über Schulschließungen zu vertagen, bis die eingesetzte Demografiekommission zu Ergebnissen gekommen ist. Das wird nicht vor 2019 der Fall sein, weshalb die Glöwener Oberschule der drohenden Schließung vorerst entgeht.

Dass Anja Kramer zunächst kein Wort herausbrachte, hatte aber eher mit einem Infekt zu tun, der ihre Stimme belegte. Dann kam die Freude: „Wir haben jetzt ein Jahr mehr Planungssicherheit.“

Im übrigen auch für eine vergleichbare Schule in Neutrebbin im Oderbruch, worüber sich Anja Kramer genauso freute, denn die Vertreter beider Standorte kämpften Seite an Seite um ihren Erhalt. Die Freude ist umso größer, da die Signale aus Potsdam vorher in die andere Richtung wiesen.

Anja Kramer: „Wir brauchen eine dauerhafte Einzügigkeit“

Doch mit einer vorläufigen Rettung der Schule wird Anja Kramer sich sicherlich nicht begnügen: „Wir brauchen eine dauerhafte Einzügigkeit“, betonte die Bürgermeisterin. Im Moment können Oberschulen nur im Ausnahmefall mit einem Zug eine neue siebte Klasse bilden, und dies muss immer wieder neu erkämpft werden.

Ganz ähnlich wie Anja Kramer sieht es auch Schulleiter Jörn Atlas. „Das hört sich nicht schlecht an“, meinte er, und er war genauso überrascht. Aber nichts wünscht sich der Schulleiter mehr, als dass „irgendwann einmal ein Status Quo gegeben ist“.

Jörn Atlas: „Pädagogik geht nur über Inhalte“

Atlas: „Dieses jährliche Kämpfen um den Erhalt der Schule kostet dermaßen viel Kraft, die uns an anderen Stellen fehlt.“ Die Vorgaben für Mindestschülerzahlen hält er für überholt, sie sollten auch nicht allein entscheidend für die Zukunft von Schulstandorten sein: „Pädagogik geht nur über Inhalte.“ Jörn Atlas diagnostiziert ein bundesweites Problem, denn Bildung ist aus seiner Sicht in ganz Deutschland unterfinanziert.

Und so waren sich die Bürgermeisterin wie der Schulleiter einig darin, dass man an den geplanten Aktionen zugunsten des Standortes Glöwen festhält. So bleibt es dabei, dass der RBB mit seinem Robur am Donnerstag, 12. April, um 15 Uhr nach Glöwen zur Schule kommt, und auch der für den 16. Mai angesetzte Aktionstag, zu dem Bildungsministerin Britta Ernst eingeladen ist, bleibt bestehen.

„Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, uns seriös und ruhig für unsere Belange einzusetzen. Das werden wir auch weiterhin tun“, erklärte der Schulleiter.

Rainer Schneewolf: „Jetzt nicht die Hände in den Schloss legen“

Rainer Schneewolf konnte man mit der Nachricht sogar noch später überraschen. Der Plattenburger Gemeindevertreter der Grünen hatte noch nichts von der vorläufigen Rettung der Glöwener Schule gehört. „Das finde ich ganz toll“, sagte er. Aber wie Jörn Atlas und Anja Kramer findet er: „Man kann jetzt nicht die Hände in den Schoß legen.“ Wichtig sei es, sich jetzt „kräftig ins Zeug zu legen, damit die Schule wieder mehr Schüler hat.“

Sebastian Steineke: „Der öffentliche Druck hat gewirkt“

In der Tat hat der Landtag noch nicht abschließend entschieden, wie Marcel Elverich, Wahlkreismitarbeiter des SPD-Landtagsabgeordneten Holger Rupprecht in Perleberg, betonte.

Doch da die beiden Koalitionsfraktionen eine Mehrheit im Landtag haben, dürfte die Sache zumindest vorentschieden sein, zumal auch die politische Konkurrenz eher den Vorstoß unterstützen wird, sieht sie doch die neue Entwicklung auch als ihren Erfolg an: „Der öffentliche Druck hat gewirkt – die Oberschule Glöwen kann bleiben“, twitterte zum Beispiel der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke.

Von Bernd Atzenroth