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Prignitz Gabriel Winter ist der geborene Metallbauer
Lokales Prignitz

Gabriel Winter ist der geborene Metallbauer

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11:19 04.09.2021
Metallbauermeister Gabriel Winter aus Groß Pankow in der Prignitz ist gern kreativ. Er baut auch Möbel.
Metallbauermeister Gabriel Winter aus Groß Pankow in der Prignitz ist gern kreativ. Er baut auch Möbel. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Groß Pankow

Gabriel Winter steht in einer riesigen Scheune. Halb Baustelle. Halb Werkstatt. Auf der einen Seite ist noch ein Fenster mit alten Rahmen zu sehen, von denen der Lack abgeplatzt ist. Auf der anderen Seite ein neu gerahmtes Fenster. „Hier mach ich es mir schön“, sagt der 29-Jährige. Hier – in einer Scheune in Hohenvier, einem Ortsteil von Groß Pankow in der Prignitz – arbeitet der Metallbauermeister an seiner beruflichen Zukunft.

Die Scheune als Hobbyraum

Als 24-Jähriger hatte er die Scheune gekauft. Also, eigentlich war es ein sanierungsbedürftiges Haus mit Scheune. Aber Letztere habe den Ausschlag gegeben, erzählt Gabriel Winter. Die Arbeiten am Haus macht er fast alle selbst. Er baut auch Möbel. So, wie es für ihn und seine Frau passt. „Hier kann ich kreativ sein“, schwärmt der Jungmeister. Und er berichtet: „Jeder, der vorbeikommt und das sieht, sagt: Du bist der geborene Handwerker. Mach dich selbstständig.“ Das hat er jetzt auch vor. Nachdem er schon den einen oder anderen Umweg gegangen ist.

Experiment Landwirtschaft

In Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) hat er eine Ausbildung zum Metallbauer in der Fachrichtung Konstruktionstechnik gemacht und war zwei Jahre als Facharbeiter tätig. Doch dann sattelte er um. Er begann eine Ausbildung zum Landwirt. „Ich sollte den Landwirtschaftsbetrieb meiner Eltern übernehmen“, erzählt er. Die Lehre zog er bis zum Ende durch. Auch wenn er schnell merkte, dass die Landwirtschaft nicht sein Ding ist. „Ich bin der geborene Metallbauer“, sagt er selbstbewusst. Das müssen auch seine Ausbilder gemerkt haben. Die meiste Zeit verbrachte der Landwirt-Azubi in der Werkstatt, um Maschinen zu reparieren. Draußen auf dem Feld sei er so gut wie gar nicht gewesen. 2016 war die Lehre beendet – und auch das Experiment Landwirtschaft. Gabriel Winter arbeitete als Schweißer und fasste schnell den Entschluss, als Metallbauer den Meister zu machen. Finanziert hat er die Meisterausbildung über das Aufstiegs-BAföG.

Meisterausbildung war eine Herausforderung

Sein Ziel war von Anfang an die Selbstständigkeit. Er lasse sich nicht gern in seine Entscheidungen reinreden, sagt er. „Ich bin mein eigener Herr.“ An das Projekt Meisterbrief sei er etwas blauäugig herangegangen. „Ich dachte: Eigentlich kann ich’s ja. Ich brauch nur den Zettel, diesen Meisterbrief.“ Aber er musste erfahren, dass jeder der vier Teile der Meisterausbildung eine Herausforderung war. Der Erfolg kam nur, weil er „bei jedem Teil 100-prozentig konzentriert und vorbereitet war“, erzählt Gabriel Winter. Genauso wie bei seinem Meisterstück. Es steht auf dem Hof hinter seinem Haus. Es ist eine Hollywoodschaukel aus Metall. Natürlich. Die Aufgabe lautete, eine Schaukel für zwei Personen zu konstruieren und zu bauen, mit verstellbarer Rückenlehne, verstellbarem Dach. „Es sollte keine 0815-Ausführung werden“, ergänzt Gabriel Winter. Eine Woche hatte er für die Konstruktion Zeit. Fünf für den Bau. Den schaffte er allerdings in drei Wochen. „Das hieß: zwei Wochen Urlaub für mich“, sagt er schmunzelnd. Das Praktische geht im sehr leicht von der Hand. Aber als seine Fähigkeiten in der Lehrlingsunterweisung geprüft wurden, habe er sich schwer getan. „Ich bin nicht so wortgewandt“, sagt der Metallbauermeister. Doch es hat alles geklappt.

Jetzt steht die Existenzgründung an

Jetzt steht für den 29-Jährigen ein Seminar für Existenzgründer an. Er bekommt Unterstützung vom Lotsendienst in Wittenberge. Die Meistergründungsprämie soll helfen beim Start in die Selbstständigkeit. Seine Mutter sei stolz auf ihn, erzählt Gabriel Winter. Obwohl er nun nicht den Hof der Eltern übernehmen wird. Das mache sie zwar traurig, aber sie könne es verstehen. Schließlich, meint der Meister, profitiere seine Mutter ja auch von seiner Berufswahl. Erst kürzlich habe er bei ihr eine Treppe eingebaut.

Die nahe Zukunft hat Gabriel Winter schon geplant: eine ordentliche Werkstatt, neue Maschinen und dann Aufträge, Aufträge, Aufträge. „Ich will nicht super groß wachsen.“ Er möchte schlicht sein eigener Herr sein. Und vielleicht steht auch schon die nächste meisterliche Karriere in der Familie Winter an: „Meine kleine Schwester ist Konditorin. Die ist richtig gut und sie will ihren Meister machen.“

Von Ute Sommer