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Prignitz Geheimer Raum in Wunderblutkirche entdeckt
Lokales Prignitz Geheimer Raum in Wunderblutkirche entdeckt
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12:07 19.02.2018
Der erste Bauabschnitt bei der Sanierung der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack ist beendet. Quelle: Andreas König
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Bad Wilsnack

Fast hatte man sich an den Anblick gewöhnt: Die kolossale Wunderblutkirche in Bad Wilsnack ist seit Monaten hinter halbdurchsichtigen Planen und meterhohen Rüstungen versteckt. Doch das ist bald Vergangenheit. „Der erste Bauabschnitt ist geschafft“, sagt Christian Richter, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. „Gerade hatten wir die abschließende Bauberatung“, berichtet Christian Richter. Wobei „abschließend“ ein relativer Begriff ist, geht doch die Herkulesaufgabe der Kirchensanierung weiter.

„Aber zunächst wird in den nächsten Tagen die Rüstung von der Westwand abgebaut“, sagt der Gemeindekirchenratsvorsitzende. 600 000 Euro Fördermittel aus dem Fonds von Kulturstaatsministerin Monika Grütters stecken in dem bis jetzt Erreichten. Hinzu kommen 200 000 Euro, die von der Kirchengemeinde Jahr für Jahr als Eigenanteil zu erbringen sind.

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Kirchenwände können nicht mehr kippen

„Selbstverständlich könnten wir das nicht aus eigener Kraft, aber wir haben große Unterstützung seitens der Landeskirche und des Kirchenkreises Prignitz, und auch die Stadt Bad Wilsnack hilft, wo sie kann“, erklärt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates.

Mit dem bis jetzt verbauten Geld wurde der Westteil des Kirchendaches neu gedeckt. „Das ist das, was man sehen kann, aber was darunter erneuert wurde, ist für die Statik des Gebäudes noch viel wichtiger“, erklärt Christian Richter. Der Dachstuhl wurde ausgesteift, um ein weiteres Auseinanderkippen der Kirchenwände zu verhindern. Um sechs Grad sind die Seitenwände des Sakralbaus bereits wegen statischer Mängel des bisherigen Dachstuhls nach außen gekippt. Mit dem erneuerten Dachstuhl wird dieser Effekt aufgehalten, rückgängig machen lässt er sich nicht.

„Wilsnacker Stein“ entwickelt

Mit den Ziegeln, die bereits auf den erneuerten Teilen des Dachs liegen, hat es seine eigene Bewandtnis: „Wir wollten regionale Ziegelhersteller einbinden und waren bei der Firma Baars in Karstädt“, sagt Christian Richter. Dort konnte man zwar keine den Wilsnacker Anforderungen genügenden Steine produzieren, wohl aber im Stammwerk im sächsischen Obergräfenhain. „Dort wurden die Dachziegel eigens für unsere Anforderungen gefertigt“, sagt der Gemeindekirchenratsvorsitzende. Mit Erfolg: Die neuen Ziegel, eignen sich offenbar so gut für historische Bauten, dass sie als „Wilsnacker Stein“ (Arbeitstitel) in Serie produziert werden sollen. Die Delegation aus Bad Wilsnack versah einen Teil der Steine mit dem Wilsnacker Pilgerzeichen – den drei Hostien, die für die Wunderblutlegende stehen und den mittelalterlichen Pilgerstrom erst ausgelöst haben. Auch ein Teil der bleiverglasten Fenster wurde teilweise erneuert – ebenfalls vom einheimischen Handwerksbetrieb Schulz, der sich in den neu gestalteten Fenstern dezent verewigt hat.

Eiserne Särge aufgearbeitet

Zwar ist die Wunderblutkirche schon recht gut erforscht, doch birgt sie noch immer manches Geheimnis. „Zu den bislang fünf Prunksärgen kamen weitere vier hinzu“, sagt Christian Richter. Darunter war ein Sarg von Ottilie von Bismarck, die gut 200 Jahre vor ihrem berühmten Nachfahren, dem „Eisernen Kanzler“ Otto von Bismarck gelebt hat. „Auch eiserne Särge wurden gesichert, so dass sie wieder ansehnlich sind. Vor allem aber ist die Totenruhe wieder hergestellt“, sagt der Gemeindekirchenratsvorsitzende.

Beim Öffnen der Gruft stießen Fachleute und Vertreter des Gemeindekirchenrates auf einen bislang unbekannten Raum. „Wir hatten Werkzeug dort abgelegt und merkten, dass der Boden nachgab.“ Es fand sich dort ein Raum, eine Art Krypta, der nicht für Begräbnisse genutzt wurde. Lediglich eine Münze aus dem Jahr 1724 fand sich. „Wir nennen den Raum intern ’Schatzkammer’, sagt Christian Richter. Sonst war der Raum leer.

Von Andreas König