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Prignitz Grüne-Band-Region: Ein Anwärter für das Unesco-Welterbe?
Lokales Prignitz Grüne-Band-Region: Ein Anwärter für das Unesco-Welterbe?
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14:33 30.09.2019
Blick über die Elbe nach Niedersachsen am Bösen Ort nahe der Stadt Lenzen. In dem ehemaligen Grenzgebiet befindet sich heute das Grüne Band – ein bedeutendes Naturschutzprojekt. Quelle: Bernd Atzenroth
Lenzen

Naturschutztage in Lenzen – und damit ein Treffen vieler Naturschützer aus ganz Deutschland – sind mittlerweile seit Jahren im Ort üblich. Doch bei der diesjährigen Zusammenkunft ging es nicht nur um die Erhaltung der Natur. Es galt, zunächst ein großes Jubiläum zu begehen, das in vielen Vorträgen gewürdigt wurde: das 30-jährige Bestehen des Grünen Bandes.

Und dazu waren an die 100 Gäste aus ganz Deutschland sowie Österreich angereist, die drei Tage hindurch in Vorträgen, aber auch in Exkursionen, die vom Rambower Moor bis hin in die altmärkische Hohe Garbe führten, sich von den derzeitigen naturräumlichen Gegebenheiten der ehemaligen deutsch-deutschen Grenzbereiches informieren konnten.

Die Teilnehmer versammelten sich zu einem Erinnerungsfoto vor dem Hauptgebäude der Burg Lenzen. Quelle: Kerstin Beck

Gekommen waren zudem Besucher aus Südkorea, einem Land, welches interessante Parallelen zu Deutschland aufweist. Denn: Das 77 Millionen Einwohner zählende Land ist seit 1948 in zwei Staaten aufgeteilt; die Grenze zwischen beiden Staaten wurde nach dem Koreakrieg 1953 eingerichtet und präsentiert sich seitdem als demilitarisierte Zone.

In dem vier Kilometer breiten Grenzgürtel konnte sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte – wie am Grünen Band – eine naturbelassene Flora und Fauna mit verschiedenen Kranicharten, Kragenbär sowie Sibirischem Tiger entwickeln. Und im April dieses Jahres wurde auf südkoreanischer Seite in einem Teil der Zone ein Wanderweg eröffnet.

Gekommen war auch  Eun Ju Hwang (Mitte) aus Südkorea, um über die Gegebenheiten an der entmilitarisierten Zone zu Nordkorea zu berichten. Quelle: Kerstin Beck

„Wir schauen ganz genau zu Ihnen nach Deutschland hin, um zu sehen, wie sich ihre ehemalige Grenzregion als naturkundlich ­einmaliges sowie als touristisches Gebiet entwickelt“, sagte dazu die Wissenschaftlerin Eun Ju Hwang, die als Vertreterin des National Nature Trust Korea angereist war.

Und inzwischen gibt es auch eine Initiative, die sich dafür einsetzt, dass die demilitarisierte Zone aufgrund ihres Naturreichtums als Peace Park – also als friedensvermittelnde grenzüberschreitende Schutzzone – sowie als Unesco-Welterbe eingetragen wird.

Kolonnenwege, Wachtürme und Kfz-Sperren

Letzteres ist eine weitere ­Parallele zu dem Grünen Band. Denn immer wieder wurde es in den Vorträgen deutlich: Der ehemalige Grenz- und Todesstreifen erfüllt alle Voraussetzungen, als besagtes Weltkulturerbe deklariert zu werden. Insbesondere Leonie Glabau von Icomos-Deutschland, dem internationalen Rat für Denkmalpflege, plädierte dafür, dass der Bereich des Grünen Bandes in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen werden sollte: „Das Grüne Band ist eine Schneise für ein großes Geschichtszeugnis, und schließlich bezeugen das noch viele vorhandene Relikte wie Kolonnenwege, Wachtürme, Kfz-Sperren und wüste Dorfplätze. Und diese naturräumliche Besonderheit verdient es, als Weltkulturerbe aufgenommen zu werden!“

Und in einer Presseerklärung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit heißt es: „30 Jahre nach dem Mauerfall hat sich die ehemalige innerdeutsche Grenze längst zu einem länderübergreifenden Lebensraumverbund entwickelt“. Dieser Lebensverbund soll aber nicht nur erhalten, sondern auch im Sinne des Naturschutzes weiterentwickelt werden.

Der Höhepunkt des Treffens: Uwe Riecken, Leiter der Abteilung Biotopschutz des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn, überreicht an Hubert Weiger, dem Vorsitzenden des BUND-Deutschlands, einen Förderbescheid über 4,36 Millionen Euro. Quelle: Kerstin Beck

Dafür gab es dann am Samstagnachmittag noch einen zukunftsweisenden finanziellen Anschub, welcher sich anhand der Vielzahl gezückter Kameras wohl als der Höhepunkt des Treffens erwies: Uwe Riecken, Leiter der Abteilung Biotopschutz des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn, überreichte Hubert Weiger, dem Vorsitzenden des BUND-Deutschlands, einen Förderbescheid über 4,36 Millionen Euro.

„Das neue Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt wird das Grüne Band mit naturnahen Lebensräumen und schon bestehenden Biotopverbundachsen in der Nähe verknüpfen“ heißt es in oben angeführter Presseerklärung weiter.

Für die Prignitz wird ein gesondertes Projekt vorbereitet

Mit der Übergabe am Samstag wurde das Vorhaben gleichzeitig offiziell gestartet. Richtig los geht es damit am 1. Oktober. „Und damit werden für den Naturschutz weitere Gebiete, die sich in der Nähe befinden, mit eingebunden. Man kann es so sehen, dass jetzt an eine Wirbelsäule die Rippen angebracht werden,“ erläuterte Uwe Riecken das Vorhaben.

Die betreffenden Gebiete werden dazu als Modellregionen ausgewiesen. „Die Prignitz ist aber nicht mit dabei. Hier wird es noch ein anderes Vorhaben entlang der Elbe geben, welches aber noch in der Vorbereitung ist“, ergänzte dazu Bettina Kühnast, die Leiterin des Lenzener Besucherzentrums.

Von Kerstin Beck

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