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Gumtow 40 Jahre in einer Praxis: Das ist Brandenburgs wohl erfahrenste Arzthelferin
Lokales Prignitz Gumtow 40 Jahre in einer Praxis: Das ist Brandenburgs wohl erfahrenste Arzthelferin
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17:00 01.10.2019
So kennen die Patienten Cordula Pankow: Oft sitzt sie an der Patientenannahme in der Praxis Salditt in Gumtow, in der sie seit 40 Jahren arbeitet. Quelle: Sandra Bels
Gumtow

Wenn Cordula Pankow an alte Zeiten zurück denkt, schmunzelt sie. „Sie müssen wissen, wenn wir damals feststellen wollten, ob Eiweiß im Urin ist, dann mussten wir ihn kochen“, erzählt die gelernte Laborantin. Teststreifen wie heute, die gab es nicht vor 40 Jahren. „Da war alles noch Handarbeit“, sagt die Beckentinerin, die 1959 in Neuruppin geboren wurde.

Geburtstag und Betriebsjubiläum

Zum 60. Geburtstag gesellt sich ein zweites Jubiläum. Cordula Pankow ist die dienstälteste Mitarbeiterin der Arztpraxis Salditt in Gumtow. Sie fing dort nach ihrer Lehre zur medizinisch-technischen Laborassistentin an, die sie 1976 im Neuruppiner Krankenhaus begonnen hatte.

Geplant war das anders. „Ich sollte erst in Kyritz im Labor arbeiten“, erzählt Pankow. „Aber ich wurde dann doch nach Gumtow vermittelt“, fügt sie an. Sie arbeitet dort seit dem 23. September 1979. Es war ihr 20. Geburtstag. Die Kollegin, für die sie damals eingesprungen war, hatte ein Baby bekommen.

Vorschriften für die Untersuchungen

Cordula Pankow erinnert sich noch genau an die ersten Jahre. „Ich habe alle Laboruntersuchungen gemacht. Blut, Urin, Serum, klinische Chemie und Biochemie“, sagt sie. Für jede Untersuchung gab es genaue Vorschriften und Geräte. Der Urin wurde im Reagenzglas gekocht. „Dann habe ich Reagenzien dazu gegeben. Ist das Ganze ausgeflockt, war Eiweiß drin“, erzählt Cordula Pankow.

Auch beim Blutzuckertest wurde gekocht. „Wenn die Farbe dabei umschlug, wurde das Blut durch ein Fotometer geschoben“, so die Laborantin. Daran war dann der Blutzuckergehalt abzulesen. Heute ist das alles einfacher und geht auch viel schneller. Aber für Cordula Pankow hatte auch die damalige Zeit ihren Reiz. Die Blutgerinnung bestimmte sie zum Beispiel im Wasserbad mit einer Stoppuhr. „Mit hat die Arbeit immer großen Spaß gemacht“, sagt sie.

Cordula Pankow überprüft heute mit Teststreifen den Urin auf Eiweiß. Früher musste er dafür gekocht werden. Quelle: Sandra Bels

Nach der Wende wurde sie Arzthelferin

Nach der Wende wurde das Labor, das von Kyritz aus betrieben wurde, geschlossen. Cordula Pankow blieb in der Praxis – als Arzthelferin. „Ich hab damals als ungelernte Kraft angefangen, denn ich kam ja aus einem ganz anderen Bereich“, erinnert sich die 60-Jährige. Learning by doing nennt sie das, was dann kam, gefolgt von einer so genannten Anpassungsschulung zur Arzthelferin.

Heute kennt man sie entweder am Empfang oder bei Tätigkeiten im Labor wie Blut abnehmen oder Urinwerte bestimmen.

Nach 40 Jahren immer noch die Erste

Nach 40 Jahren ist die Beckentinerin noch immer die Erste morgens in der Praxis. Sie hat in den vergangenen 40 Jahren vier Kolleginnen kommen und gehen sehen. Die Praxis wurde mehrmals umgebaut und es gab auch einen Generationswechsel von den Eltern zu den Kindern. „Der Senior-Chef hat mir, als er 60 wurde, das Du angeboten“, erzählt sie und fügt an: „Ich habe zu 98 Prozent für den Doktor gearbeitet.“ In der Zahnarztpraxis seiner Frau konnte sie dank ihrer Ausbildung Helfertätigkeiten übernehmen. „Und nach der Wende konnte man als Ungelernte beim Zahnarzt nichts mehr machen“, sagt sie.

Auf einen Blick ist zu sehen, ob die Werte stimmen. Dafür war vor 40 Jahren noch sehr viel Handarbeit notwendig. Quelle: Sandra Bels

Führerschein war notwendiges Übel

Nur ungern erinnert sich Cordula Pankow daran, dass sie mit der Einführung neuer Sprechzeiten im Jahr 1992 gezwungen war, den Führerschein zu machen. Mit dem Bus wäre sie nicht mehr zur Arbeit gekommen. Sie fuhr damals nicht gerne Auto – und tut es noch immer nicht. Heute ist sie aber froh, dass sie den Führerschein hat und beim Fahren nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist.

Am 29. Oktober hat Cordula Pankow einen Termin bei der Rentenkasse. „Ich möchte mir ausrechnen lassen, wie ich mit Anstand einen ordentlichen Abschluss vom Arbeitsleben finden kann“, sagt sie. Weiter zu arbeiten, das kommt für sie nicht in Frage. Nicht weil es ihr keinen Spaß macht. Eher weil sie nach 40 Jahren Dienst und nur wenigen Fehltagen endlich mal Zeit für die Enkel haben will.

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Von Sandra Bels

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