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Gumtow Wo Landarbeit zum Hobby wird
Lokales Prignitz Gumtow Wo Landarbeit zum Hobby wird
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00:17 24.07.2018
Thieß Nagel (65) in Demerthin begeistert sich für alte Landtechnik. Vor allem der alte Lanz ist sein ganzer Stolz. Quelle: Alexander Beckmann
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Demerthin

Man traut es sich heutzutage ja kaum zu sagen: Dieser Motor läuft mit Diesel. Aber auf ehrliche Weise. Er lässt niemanden im Zweifel darüber, was er da verbrennt und wie viel.

Die Rußwolke aus dem Auspuff – das Wort Schornstein wäre auch passend – bringt manchen Großbrand vor Neid zum Erblassen. Jede Explosion des Kraftstoff-Luft-Gemischs ist ein Ereignis für sich.

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Das Geräusch macht weithin klar: Hier läuft ein Lanz-Bulldog: 3,5 Tonnen Stahl, 10,3 Liter Hubraum in einem einzigen Zylinder und atemberaubende 45 PS.

Das Monstrum ist der ganze Stolz von Thieß Nagel. Dass er es überhaupt sein Eigen nennt, hat der Demerthiner Emil Kort aus Kampehl zu verdanken. Vor vielen Jahren sei Kort mal mit seinem Lanz durchs Dorf getuckert, erzählt Nagel. Der Traktor habe ihn schlicht begeistert.

Auf dem Hof haben sich allerhand historische Fahrzeuge angesammelt. Quelle: Alexander Beckmann

Er sei mit Kort ins Gespräch gekommen. „Da hatte ich meine erste Bulldog-Fahrt. Und für mich stand fest: So ein Teil musst du haben.“

„Trecker haben mich schon immer interessiert“, sagt der 65-Jährige. „Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen.“ Seit der gebürtige Schleswig-Holsteiner vor 20 Jahren aus Berlin in die Prignitz zog, hatte seine Leidenschaft Raum zum Wachsen. Erste Anschaffung war ein „Deutz D5505“ aus den späten 1960er Jahren. „So einen hatte mein Onkel.“ Als Kinder seien sie da immer mitgefahren und hätten später auch mal selbst gelenkt.

Weitere Maschinen verschiedener Marken aus dieser Epoche folgten. „Ich hab auch Trecker verkauft, weil mir das zu viel wurde“, gesteht Thieß Nagel. „Das wächst einem ja über den Kopf.“ Wohl auch deshalb, weil der gelernte Kfz-Mechaniker sich nicht nur etwas zum Angucken hinstellen will.

„Es hat viel mit Spielen zu tun. Aber es muss auch was bei rauskommen“, findet der Demerthiner. Im wirklich großen Garten rund um das über Jahre mühsam hergerichtete alte Siedlerhaus baut er Gemüse an – von der Dimension her irgendwo zwischen Riesen-Beet und Mini-Acker.

Der alte Kartoffelroder ist noch im Einsatz. Quelle: Alexander Beckmann

„Da brauchte ich ja einen Pflug, einen Grubber, eine Egge und all sowas.“ Thieß Nagel setzt die historischen Arbeitsmaschinen regelmäßig zur Arbeit ein. „Dieses Jahr haben wir ganze sechseinhalb Kilo Kartoffeln gekauft.“ Alles andere wuchs auf dem eigenen Acker.

Nach und nach kam eine ganze Sammlung alten Ackergerätes zusammen. „Ich hab inzwischen vier Pflüge oder so.“ Dazu Maschinen zum Legen von Kartoffeln, zum Ernten und manches mehr. „Am liebsten bin ich ja am Grubbern“, gesteht Nagel.

Wenn ein Nachbar da mal Hilfe braucht, muss er nicht lange bitten. Beim Schaupflügen nahe Granzow ist der Demerthiner genauso Stammgast wie bei anderen Trecker- und Landmaschinentreffen in der Region. Am vergangenen Wochenende sorgte er mit seinem Lanz erstmals beim Familienfest der Kyritzer Schützen für Aufsehen. Seit einem Jahr ist der Rentner Mitglied im Verein.

Die alte Landmarschinentechnik wird noch genutzt.. Quelle: Alexander Beckmann

Der irgendwie urtümlich anmutende Bulldog hat ganz eindeutig Showtalent. Allerdings war es ein weiter Weg, bis das wieder zum Tragen kam. Er habe sehr lange nach so einer Maschine gesucht, erzählt Nagel, für den Geld durchaus eine Rolle spielt.

Bolldog-Fans gibt es aber offenbar mehr als genug. Über Österreich sei er schließlich auf einen Traktor gestoßen, der jahrzehntelang in Ungarn gelaufen war. „Der war vom Prinzip her Schrott. Es ist ein Nachkriegs-Bulldog. Mehr wissen wir nicht.“

Der Lanz lief zwar bald wieder, verteilte aber anfangs Unmengen von Motoröl in der Umgebung. Alle paar Kilometer hab man es auffüllen müssen. Und vor allem landete das meiste davon direkt im Gesicht des Fahrers. Fotos dokumentieren einen gut geschmierten Traktoristen. Zum Glück habe er fachkundige Unterstützer gefunden, die beim Einstellen des Motors helfen konnten, berichtet Nagel. „Ersatzteile sind eigentlich kein Problem.“

Bequem ist anders, aber ein Lanz-Bulldog-Besitzer schätzt ganz andere Qualitäten. Quelle: Alexander Beckmann

Wie alle anderen Maschinen des Demerthiner Sammlers, darunter auch zwei Mercedes-Limousinen aus den späten 60ern, steht der Lanz nun beinahe wieder da wie neu und kann nach wie vor die Aufgaben erfüllen, für die er einst gebaut wurde. Damit will sich Thieß Nagel vorerst begnügen. „Ich hab Gott sei Dank keinen Platz mehr. Den Carport habe ich für meine Frau freigemacht – fürs Brennholz.“

Andrea Nagel trägt diese Verantwortung mit Gelassenheit. Ihren Anteil am Hobby ihres Mannes beschreibt sie mit drei Worten: „Ich gucke zu.“

Von Alexander Beckmann