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Prignitz "Hier ist freier Luftraum"
Lokales Prignitz "Hier ist freier Luftraum"
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16:25 22.07.2013
Viel los in Kammermark: Die Starter bereiten sich und ihre Flugzeuge auf die Meisterschaften vor.
Viel los in Kammermark: Die Starter bereiten sich und ihre Flugzeuge auf die Meisterschaften vor. Quelle: Atzenroth
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Kammermark

„Einer sitzt vorne, einer hinten“, sagt Grimm. Und das im Wechsel, „wer nicht fliegt, weiß immer genau, wo’s langgeht“, ergänzt er launig und bereitet sich mit seinem Flugfreund weiter auf den ersten Start vor.
Die beiden stehen mit ihrem Flieger in einer Reihe mit vielen anderen, oft noch recht jungen Flugfreunden, die ebenfalls dabei sind, letzte Vorbereitungen zu treffen. Wiederum andere Teilnehmer sind noch gar nicht angereist. Am Auftaktsamstag ist ohnehin zunächst „Probebetrieb“ angesagt. „Heute probieren wir alles aus“, sagt Achim Leutz. Der Falkenseer organisiert die Meisterschaften (die MAZ berichtete). So testet man das Flugzeugschleppfahrzeug und die beiden Winden, von denen „aus Kostengründen“ nur eine den Vereinen gehört, die die Meisterschaften veranstalten. Die andere Winde haben sie vom Partnerverein in Neuruppin geliehen.

Das Wetter scheint ideal zu sein. Oder etwa nicht? „Wo Wolken sind, ist Thermik“, erklärt Leutz. Wolken sind allenfalls am Horizont zu erkennen. Natürlich liegen den Segelfliegern genaue Wetteranalysen vor, dafür gibt es sogar spezielle Programme und aktuelle Wetterkarten. Das jetzige Hoch ist so bereits als „relativ stationär“ ausgemacht.

Ein anderes Flugzeug gewinnt beim ersten Testflug bereits vor stahlblauem Himmel an Höhe. Ausprobieren heißt aber nicht, dass man nur mal eben um die Ecke fliegt: Die Aufgabe ist an diesem „inoffiziellen Trainingstag“ ein 300-Kilometer-Flug im Dreieck. Zuerst wird Templin in der Uckermark angeflogen, dann geht es nach Glöwen, wo der Bahnhof Zielpunkt ist, bevor sich die Segelflieger gen Norden Richtung Ludwigslust wenden.Von da aus geht es dann wieder zurück nach Kammermark. Am Abend steht dann das erste Briefing für alle an, und der Sonntag ist so etwas wie der eigentliche erste Wettkampftag. Es ist, wie gesagt, nur der Auftakt für acht Flugtage, an denen die Teilnehmer in zwei Klassen, der offenen und der gemischten, um Meisterschaftsehren wetteifern. Am kommenden Sonntag um 10 Uhr soll Siegerehrung sein, und dazu wird auch Pritzwalks Bürgermeister Wolfgang Brockmann erwartet und eventuell die Heidelbeerkönigin. „Ich hoffe, dass wir in der kommenden Woche auch einmal um Berlin herumfliegen können“, sagt Achim Leutz. Das sind dann gleich 460 Kilometer. Ob’s klappt, hängt natürlich auch vom Wetter und der Thermik ab.

Veranstalter sind die Akademische Fliegervereinigung Berlin (AFV) und der DAeC Landesverband Berlin. Doch nicht alle Teilnehmer sind aus dem Raum Berlin in die Prignitz gekommen. Hendrik Noth zum Beipiel gehört dem Verein Grambeker Heide an, der seinen Sitz in der Waldstadt von Mölln in Schleswig-Holstein hat. Dem Selbstverständnis nach ist man trotzdem ein Berliner Verein, dessen Mitglieder aber in Schleswig-Holstein fliegen. Das hängt mit seiner Geschichte zusammen: Er wurde nämlich in Westberlin zu einer Zeit gegründet, als es ein Flugverbot gab. Daher sind die Westberliner Vereine damals in Richtung Westdeutschland abgewandert. Nach der Wende sind die meisten zurückgekehrt, bis auf die Grambeker Heide eben.
Wie aber sind die Segelflieger dann darauf gekommen, sich ein Domizil und ein Fluggelände in der Prignitz zu suchen? Der Grund ist eigentlich einfach: „Hier ist freier Luftraum“, erklärt Leutz. Wegen des neuen Großflughafens BER sei es im Süden und Osten von Berlin schwierig. Nicht so Richtung Norden und Nordwesten, wo selbst die Flughäfen Parchim und Rostock-Laage noch weit genug weg liegen – so weit, dass man in fast jede Richtung ein beliebiges 300-Kilometer-Flugdreieck planen kann. Zwar gibt es auch hier ein Sperrgebiet – aber erst ab einer Höhe von 3000 Metern. So hoch kann es zwar auch im Extremfall für die Segelflieger gehen, aber an diesem Samstag wird sich das Fluggeschehen zwischen 1500 und 2000 Metern Höhe abspielen. Ein Problem wäre es für die Segelflieger gewesen, wenn das Bombodrom gekommen wäre, doch das wurde ja verhindert.

Zunächst habe man gleich nach der Wende in Berlinchen bei Wittstock ein Sommerlager abgehalten, auch weil man einen Platz gesucht habe. Das gestaltete sich aber schwierig. Von Wittstock wendete man dann den Fokus Richtung Pritzwalk, doch die Flugbahn am Sommersberg war ihnen schlichtweg zu kurz. So kam man dann irgendwann auf die Idee, nach Kammermark zu gehen. Das alte Stadtgut sei damals „nur Acker gewesen“. Doch es hatte einen großen Vorteil: Es gehörte seit jeher der Stadt Pritzwalk. Leutz: „Es war von der Treuhand schnell zu kriegen, und die Stadt konnte schnell darüber verfügen.“ Einfach war die Sache dennoch nicht. Schließlich benötigte man ja auch noch die verkehrsrechtliche Zulassung und – Geld. Und ohne das eine war das andere nicht zu bekommen. Schließlich konnten die Segelflieger aber den gordischen Knoten durchschlagen. Seitdem verfügen sie über eine Bahn von 1100 Metern Länge und 200 Metern Breite. Ein anliegender Schafstall wurde zur Flugzeughalle umfunktioniert. An den Wochenenden gibt es seither regelmäßig Flugbetrieb. Lehrgänge und ein Sommerlager werden hier seit zwei Jahrzehnten veranstaltet. Nun also sieht Kammermark die zweiten Berliner Landesmeisterschaften – erst 2011 hatte es in Neuruppin die ersten nach der Wende gegeben.

Von Bernd Atzenroth

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