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Prignitz Junge Ranger übernehmen das Naturwacht-Ruder
Lokales Prignitz Junge Ranger übernehmen das Naturwacht-Ruder
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12:46 29.11.2019
Jürgen Herper (2.v.l) übergibt einen symbolischen Staffelstab an die neue Stützpunktleiterin Daniela Drechsler. Im Team mit den Rangern Clemens Herche (l.) und Sophie Hoffmann (r.) gilt es zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Quelle: Frank Pieperhoff
Rühstädt

Die Architektur erinnert an ein kleines Schloss. Jedoch: Auf den Türmen links und rechts befinden sich zwei prächtige Storchennester. So unmissverständlich werden die Besucher auf die Besonderheit dieses Ortes aufmerksam gemacht: Es ist ein Stützpunkt der Naturwacht Flusslandschaft Elbe. Beherbergt ist sie im Gebäude des großzügigen Besucherzentrums – im Europäischen Storchendorf Rühstädt.

Urgestein macht den Weg frei für neue Impulse

Um die Bewohner nicht nur dieser Nester kümmern sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Naturwacht. Mit der bevorstehenden Pensionierung des Urgesteins Jürgen Herper tritt nun ein klarer Generationswechsel ein. Seine Nachfolgerin ist die 33-jährige Daniela Drechsler. Die mit einem Mastertitel in Regionalentwicklung und Landschaftsschutz gut im Thema stehende Akademikerin arbeitet bereits seit zweieinhalb Jahren im Team.

Das Besucherzentrum Rühstädt wird von dem NABU betrieben. Die Naturwacht hat hier ihr Büro. NABU und Naturwacht arbeiten eng zusammen, einmal im Monat gibt es ein gemeinsames Treffen. Quelle: Frank Pieperhoff

Seit einem Jahr ist der 38-jährige Clemens Herche dabei – und nun ganz frisch Sophie Hoffmann, letztere nahezu direkt von der Uni kommend. Dieses Dreiergespann wird ab Januar 2020 unter Drechslers Leitung den Stützpunkt Rühstädt lenken und leiten. Der zweite Stützpunkt befindet sich im Auenforum Lenzen – mit der übergeordneten Gebietsleiterin Ricarda Rath.

Vertrauen in die Partner und Beobachtung der Natur

Jürgen Herper ist voll Zuversicht. Er vertraut auf seine gute Vorbereitung, darauf, die wichtigsten Aspekte vermittelt zu haben. Und er vertraut dieser neuen Generation. Er hofft, dass sie ihren eigenen Stil findet und seine Philosophie des sanften Beobachtens mit möglichst geringen und naturnahen Manipulationen fortsetzt. Die „behutsame Lenkung der zahlreichen Stillesucher“, formuliert Ricarda Rath eine Grundmaxime der Naturwacht.

Biber schreiben Historie

Als positives Beispiel stellt Herper den Umgang mit den Bibern in Krisensituationen vor. Bei dem Jahrhunderthochwasser 2002 und auch 2013 errichteten Biber Fluchtburgen in Deichen, sogar in der Wittenberger Innenstadt. Dies ist höchst gefährlich: „Ein Biberbau in einer Deichkrone ist ein Supergau – das muss gesagt werden“, gibt er zu bedenken. Doch sei die Biberpopulation kein Problem. Bei einem behutsamen Umgang pendele sie sich auf einem kontrollierten Niveau ein. Aktuell leben auf 60 000 Hektar 350 Biber.

Den Tieren anbieten, was sie suchen

Mit Fantasie und dem Wissen, wo sich Biber aufhalten, lassen sich auch Krisen meistern. So wurden künstliche Hügel nahe des Deiches aufgeschüttet. Ein Erfolg: Die Biber nahmen die Notunterkunft an und buddelten sich in den Hügel anstatt in den Deich. Ricarda Rath gab eine schwere Konsequenz bei einem falschen Umgang zu bedenken: Bei Stress strengen sich die Biber an, die Population zu erhöhen. Das konnte bisher vermieden werden. Sichtlich stolz ist der scheidende Ranger, dass noch kein Biber geschossen werden musste.

Der Schlüssel liegt in der gelungenen Kommunikation

An diesem Beispiel wird deutlich, wie notwendig eine enge Vernetzung ist. So spielen das Monitoring der Biber und der Hochwasserschutz eng zusammen. Und das gilt für viele Bereiche. Kommunikation ist wesentlich – allein ist nichts zu bewirken. In den Jahren seit 1993 ist ein enormes Netzwerk von Kontakten und Partnerschaften entstanden – bis hin zu Japan. Der ruhige und bescheidene Jürgen Herper betont explizit seine Dankbarkeit: Im Grunde stehen gleichermaßen seine Partner für einen Erfolg.

Die Weißstörche sind im östlichem Europa real gefährdet

So optimistisch Herper viele Dinge sieht, bei dem einen Thema ist ein Zweifel, vielleicht sogar etwas Furcht zu spüren: Bei den Störchen. Hier reicht die Vernetzung von weltweiten Beobachtungsstationen bis zum Bauern in der direkten Nachbarschaft. Kommen die Störche zu spät an, werden sie nicht brüten. Ist es zu trocken, fehlen die Kleintiere wie Würmer, Schnecken, Käfer oder Larven. In diesem und im letzten Jahr unterstützten die Bauern. Sie mähten einige Flächen vor der Zeit, damit die Storche Würmer finden. Die Weißstörche im östlichen Europa sind laut Herper ernsthaft bedroht.

Die Menschen müssen wissen, wie es um die Natur steht

Ein anderer, wichtiger Teil ist die Öffentlichkeitsarbeit: Die Menschen sollen motiviert werden, sich zu engagieren. Die Ranger-Touren begleiten die Interessierten - sogar in sensible Gebiete. Die wenigen angebotenen Ranger-Erlebnistouren gehen noch tiefer hinein und sollen begeistern. Hier muss ein gutes Maß gefunden werden, denn laut Herper halten Menschen nur das für wirklich schutzbedürftig, was sie sahen oder angefasst haben. Das junge Team bringt hier neue Impulse: Clemens Herche wird ab nächstem Jahr Kanutouren anbieten und Daniela Drechsler bietet im Schlosspark einen Vogelstimmenspaziergang an.

Im dem späten, grauen Herbst sind die Störche nicht mehr da. So empfängt das Besucherzentrum den Gast mit dem ausgesägten Meister Adebar. Quelle: Frank Pieperhoff

Öffentliche und kostenfreie Vorträge hält die Naturwacht regelmäßig einmal im Monat in der Kurklinik von Bad Wilsnack. Und das macht sie bereits seit zwanzig Jahren. Sie besucht Schulen und Kitas und veranstaltet Aktionstage. Zwischendurch wird eine in den Mist gefallene Schleiereule gemeldet, für die der Stützpunkt Rühstädt spezielle Brutplätze baut.

Die neue Generation wird ihre Arbeit neu gestalten

Das Monitoring wird jedoch mit 40 Prozent der größte Tätigkeitsbereich der neuen Naturwächterinnen und Wächter bleiben. Es handelt sich hier zum großen Teil um Pflichtaufgaben – Beobachtungen, die unbedingt gemacht werden müssen, um in einem größeren Zusammenhang Entwicklungen zu erkennen und möglicherweise sanft zu beeinflussen. Das Vertrauen ist da und der Stützpunkt Rühstädt wird sich weiter entwickeln. Wie ein Fluss, welcher die gesamte Landschaft prägt und verändert, so sei dieser Generationswechsel zu sehen, formulierte es Gebietsleiterin Ricarda Rath.

Von Frank Pieperhoff

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