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Prignitz Fast nichts erinnert an den Poeten der Prignitz
Lokales Prignitz Fast nichts erinnert an den Poeten der Prignitz
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14:05 09.08.2019
Hermann Graebke. Quelle: Maria Kröhnke
Lenzen

Er gilt als der bekannteste Heimat- und Plattdeutsch-Dichter der Prignitz: Hermann Graebke (22. Juli 1833 bis 8. August 1909). Die Prignitz-Hymne „Mien Prignitzland“, drei Gedichtbände, mindestens zwei Lustspiele und ein Märchenbuch stammen aus seiner Feder.

Ab 1865 in Berlin lebend – in der Hoffnung, als Lehrer dort mehr zu verdienen als in Putlitz, hat er seine Heimat stets im Herzen getragen. In der Vorbemerkung zu seinem Stück „Een Verlobungsdag“ schreibt er: „Mien leew Heimat leg mi in Berlin immer inn Sinn, un ick füng an, n‘ poor Schnurren un ok dat, wat mien Herz bewegen ded, plattdütsch doltoschriewen“.

Es sind rund 100 Gedichte entstanden, in denen er die Prignitz, ihre Menschen und ihre damals noch plattdeutsche Sprache mal augenzwinkernd, mal melancholisch, nicht immer in perfekten Reimen, aber immer liebevoll umschmeichelt.

Seine Heimat dankt es ihm wenig: In seiner Geburtsstadt Lenzen, die gepflastert ist mit Infotafeln zur eigenen Geschichte, wird ihm keine öffentliche Ehrung zuteil. Nichts erinnert an den Sohn der Stadt. Keine Tafel, kein Gedenkstein, nicht einmal eine Straße trägt seinen Namen.

Geburtshaus? Längst abgerissen

Sein Geburtshaus in der Schulstraße 5, ehemals Kalandsgasse, steht nicht mehr, es wurde 1986 abgerissen. Kaum jemandem in Lenzen ist er ein Begriff: Fragt man Passanten nach Graebke, erntet man allermeist Kopfschütteln. Nur Pritzwalk war geschichtsbewusst genug, dort gibt es die einzige Hermann-Graebke-Straße der Prignitz.

In der vom Bund für Umwelt und Naturschutz betriebenen Burg Lenzen dann doch etwas: In der ersten Etage, die eine stadtgeschichtliche Ausstellung beherbergt – kläglicher Überrest des einstigen Heimatmuseums – hängt ein Foto von Hermann Graebke samt sehr kurzer biografischer Notiz. Es ist offenbar das einzige überlieferte Foto des Plattdeutsch-Dichters. Das Original wird im Lenzener Museumsarchiv verwahrt.

Und noch mehr Schätze ruhen dort: zwei handgeschriebene Postkarten Hermann Graebkes, ein Stammbaum, eine Kopie seiner Sterbeurkunde, eine Kopie seines Trauscheines, ein 44-seitiger Bericht „Die Familien Graebke in Lenzen“, und so weiter.

Humorvoller und warmherziger Mensch

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, waren es vor allem drei Menschen, die sich um Hermann Graebke bemüht haben: Elsbeth Graebke, eine Großnichte des Dichters (ihr Großvater und Hermann Graebke waren Brüder), die ihn als humorvollen und warmherzigen Menschen beschreibt, der es liebte zu erzählen; dann der Verwaltungsdirektor a.D. Karl Unger – und in besonderer Weise Artur Grüneberg, der das Lenzener Heimatmuseum in den 50er Jahren aufgebaut und bis 1980 geleitet hat.

Ihm ist zum Beispiel der ausführlichste Lebensbericht über Hermann Graebke zu verdanken, erschienen 1956 in „Unsere Heimat. Blätter aus der Prignitz“.

Dessen Sohn Georg Grüneberg findet es „wirklich eine Schande, dass Hermann Graebke in seinem Geburtsort weder gewürdigt wird, noch irgend etwas an ihn erinnert“. Der 70-Jährige, der „quasi im Museum aufgewachsen“ und mit der Stadtgeschichte zutiefst vertraut ist, sagt: „Wie alle Ur-Lenzener habe ich eine innige Beziehung zu Hermann Graebke. Früher bei den Treffen des Kulturbundes gehörten die Gedichte von Hermann Graebke immer dazu.“

Warum ist der bekannteste Prignitzer Plattdeutsch-Dichter in seiner Heimatstadt so wenig gewürdigt? Vielleicht fehlt den Entscheidungsträgern diese „innige Beziehung“, denn „seit der Wende hat Lenzen Amtsdirektoren, die nicht aus der Region stammen“.

Heute spricht keiner mehr Platt in Lenzen

Auch spreche man kein Platt mehr in Lenzen - was Graebke noch ferner rückt und für die Heutigen unzugänglicher macht. „Leider steht sein Geburtshaus in der Schulstraße nicht mehr, sonst hätte ich längst eine Tafel dort angebracht“, so Georg Grüneberg, der den stummen Stadtführer für Lenzen – die Infotafeln an vielen Häusern – entworfen und geschrieben hat.

Hermann Graebke hat keine Erben hinterlassen, die sein Andenken bewahren könnten. Sein einziges Kind Martin, ein Buchhändler, starb im Jahr 1923 unverheiratet und wurde auf dem Grab seines Vaters auf dem Evangelischen Friedhof in Berlin-Karlshorst, Abteilung 4 Nummer 11, beigesetzt. Das Grab existiert nicht mehr, es ist schnell verfallen und wohl schon in den 30er Jahren neu belegt worden.

So wäre es an den Prignitzern, die Erinnerung an ihren liebevollen Heimatdichter wachzuhalten. „Ich würde mir sehr wünschen, wenn wenigstens in Lenzen eine Straße oder ein Platz nach Hermann Graebke benannt wäre“, sagt Georg Grüneberg. Möglich sei es, es müsse nur der Wille da sein.

Von Maria Kröhnke

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