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Prignitz Kostproben aus Berliner Kleinbrauereien
Lokales Prignitz Kostproben aus Berliner Kleinbrauereien
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16:53 25.07.2018
Das Bier von Christoph Flessa war die erste Kostprobe. Quelle: Bernd Atzenroth
Pritzwalk

Es ist heiß in Pritzwalk, und was läge da näher, als sich am Abend ein eiskaltes Bier zu genehmigen? Peter Korneffel, Bierexperte aus Berlin, weiß, dass Bier heute „fast schon ein Softdrink gegen den Durst“ ist. Doch während sich allerorten angesichts der Hitze die Menschen ein eisgekühltes Gezapftes genehmigen, hat Korneffel dazu durchaus eine etwas andere Einstellung: „Eis und Kälte betäuben unsere Zunge“, sagt er am Dienstagabend im Museumscafé der Pritzwalker Museumsfabrik.

„Bier ist belebendes Beiwerk“, stellt der Autor fest, der 2015 einen Band über Biermanufakturen in Berlin mit Porträts von jungen Brauern herausgebracht hat. Symbolisch dafür sei die Redewendung „sich auf ein Bier treffen“. So hat es sich entwickelt. Es war aber früher ganz anders, wie der preisgekrönte Autor Korneffel in einem kleinen Exkurs über die Geschichte des Bieres feststellt. Vorläufer des Biers gab es in Mesopotamien bereits vor 7000 Jahren, und selbst Berlin und Brandenburg sind seit zwei Jahrtausenden Bier-Land. 1660 gab es in Berlin auf damals 15 000 Einwohner 250 Braustätten, bevor sich ab dem 19 Jaherhundert nach und nach die Großbrauereien durchsetzten.

Alternativen zum Bier-Einerlei in Berlin

Korneffel ist ein Bier-Enthusiast und daher genau der Richtige für einen interessanten Abend im Rahmen der Sommerreihe der Pritz-walker Museumsfabrik, die sich ganz dem Thema Bier-Kultur widmet. Leider sind an diesem Abend nicht ganz so viele Besucher da wie gewünscht – der ein oder andere hat vielleicht doch lieber im Garten seinen Humpen gefüllt und wieder geleert.

Dabei hat er was verpasst. Denn Korneffel hat Biere zur Verkostung mitgebracht, die definitiv nicht nur „belebendes Beiwerk“ sind – Alternativen zum Bier-Einerlei der althergebrachten Brauszene in Berlin, die sich nach einem jahrzehntelangen Konzentrationsprozess auf eine Großbrauerei in Höhenschönhausen im Besitz eines Nahrungsmittelgiganten beschränkt. Da werden in Pritzwalk Erinnerungen an das Ende der Schraube-Brauerei wach, die zunächst an den Oettinger-Konzern fiel, bevor sie schließlich ganz geschlossen wurde.

Peter Korneffel gab Auskunft über die wieder aufkeimende Bierkultur in Berlin. Quelle: Bernd Atzenroth

MIttlerweile gibt es aber in Berlin eine wachsende Craftbeer-Szene. Craftbeer, das ist für Korneffel der „Gegenentwurf zum Industrie- und Massenbier“. Nicht umsonst hat Korneffel seinen Vortrag „Der Wiederaufstieg Berlins zu einer Welt-Biermetropole“ betitelt. Kleine Hausbrauereien schießen wie Pilze aus dem Boden. Junge Brauer experimentieren wild mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.

„Avantgardisten einer neuen deutschen Bierkultur“

Korneffel bezeichnet sie als „Avantgardisten einer neuen deutschen Bierkultur“. Er stellt zunächst den „Bier-Rebellen“ Christoph Flessa vor, der aus der Hausbesetzerszene kommt, zeitweise in Mexiko gelebt hat und nunmehr ausschließlich regionales Bier für Prenzlauer Berg und Mitte braut. Beim Geschmackstest sind sich die Besucher nicht einig darüber, ob ihnen eher Flessas „Red Lager“ oder ein „Pale Ale“ des Brauers Oliver Lemke mit seiner „fruchtig-feinen Note“ besser schmeckt, der mittlerweile drei Brauereien in Berlin betreibt und darin acht Biere braut.

Schließlich lässt Korneffel sein Publikum noch Bier der Stone Brewery mit dem schönen Name „Bourbon Barrel-aged Arrogant Bastard“ kosten. Die Stone Brewery ist eigentlich in San Diego beheimatet, hat aber im alten Gaswerk von Berlin-Mariendorf eine riesige Dependance eröffnet. „Eigentlich sollte es ein rotes Bier werden, doch der Brauer hat sich verrechnet“, erklärt Korneffel. Doch dann probierten die Macher das „verunfallte Bier“, und siehe da: es hatte einen strengen, aber interessanten Geschmack. Zusätzlich ließ man es dann noch in Bourbonfässern reifen.

„Kein Bier, von dem man größere Mengen trinken kann“

„Rauchig“ fand ein Gast das Bier, „interessant“ fand es ein anderer. Jedenfalls „kein Bier, von dem man größere Mengen trinken kann“, wie Korneffel sagt. Aber eines, das gut geeignet ist, um es zusammen mit einer Brezel geschmierten Broten zu verzehren – was die Anwesenden auch taten, denn die Besatzung vom Bistro Pannacotta versorgte sie mit dem passenden Essen.

Korneffel hatte ein paar Kostproben mitgebracht, die die Gäste zusammen mit Brezeln und geschmierten Broten goutierten. Quelle: Bernd Atzenroth

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung konnte man noch weiter probieren – drei weitere Biere standen nach Angaben von Museumschef Lars Schladitz zur Auswahl. Die Diskussionen zeigten für ihn zwei Dinge: „Das Thema Bier bewegt die Pritzwalker in besonderem Maße.“ Und außerdem gibt es offensichtlich Ansätze für eine Hausbrauerszene – für die gab es ja bereits im ersten Teil der Bier-Kultur-Reihe Anregungen vom Putlitzer Autor und Hausbrauer Tom Wolf.

Wer diesmal den Bierabend verpasst hat, kann sich vielleicht den 24. August vormerken: Dann kommt der aus Pritzwalk stammende Sebastian Feind mit seinem Bier aus Amsterdam in die Museumsfabrik – mit einer Wagenladung holländischem Bier.

Von Bernd Atzenroth

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