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Prignitz Eintreten oder abhauen
Lokales Prignitz Eintreten oder abhauen
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00:29 22.04.2015
Dietrich Meißner ist an diesem Morgen sehr deprimiert. Sein zweiter Traktor ist vor einer Woche abgebrannt. Quelle: Cornelia Felsch
Schrepkow

An die Worte des Vaters, als er am 1. April 1960 aus dem Gemeindebüro heim kam, kann sich der Landwirt Dietrich Meißner noch genau erinnern: "Ich habe unterschrieben." Dem 76-Jährigen steigen die Tränen in die Augen, denn mit dem Eintritt in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) "ging alles den Bach hinunter". Für den damals 22-Jährigen Dietrich Meißner sollte dieses Ereignis später schwerwiegende Folgen haben.

Im Frühjahr 1960 wurde die Kollektivierung durch eine Kampagne der SED zwangsweise abgeschlossen. Die Partei schickte Studenten und bewährte Genossen aufs Land, um den Bauern klar zu machen, welche enormen Verbesserungen sie mit der Kollektivierung zu erwarten hätten. Es wurden zunächst drei verschiedene Typen von LPG gebildet. Je nach Typ wurden von den Bauern der Boden (Typ I), dazu ihre Maschinen (Typ II) oder der gesamte landwirtschaftliche Betrieb mit Vieh, Maschinen und Gebäuden (Typ III) in die Genossenschaft eingebracht. Auch die Schrepkower Bauern gaben sich geschlagen. Ein Teil behielt das Vieh; die Meißners aber entschieden sich für den Typ III. "Wir haben lange überlegt", sagt Dietrich Meißner. "Aber es blieben nur die zwei Möglichkeiten: Entweder wir hauen ab oder wir treten ein." An die Ereignisse jener Tage erinnert seit 2010 ein Gedenkstein in Kyritz, eine Initiative des Deutschen Bauernbundes. Für Sonntag, 25. April, lädt die Interessenvertretung bäuerlicher Familienbetriebe zu einer Kranzniederlegung an diesem Denkmal ein, um an die Opfer der Zwangskollektivierung zu erinnern.

Kranzniederlegung am Denkmal in Kyritz

Der Deutsche Bauernbund wird am Sonnabend, 25. April, um 14 Uhr einen Kranz am Denkmal für die Opfer der Zwangskollektivierung in Kyritz niederlegen.

Bei der Kranzniederlegung sprechen die beiden Historiker Rainer Potratz, beim Land Brandenburg zuständig für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, und Reinhard Jung, der heute Landwirt und Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbunds ist.

Das Denkmal in der Graf-von-der-Schulenburg-Straße am Ortseingang aus Richtung Wittstock wurde vor fünf Jahren vom Bauernbund errichtet. Es soll daran erinnern, dass in der kurzen Zeit von Mitte Januar bis zum 25. April 1960 etwa 400 000 Bauern gezwungen wurden, ihr Eigentum in die LPG einzubringen.

Die Enthüllung des Denkmals im Jahr 2010 hatte in Brandenburg zu einer wochenlangen agrarpolitischen Debatte geführt.

Auf dem Hof der Familie Meißner entstand damals der LPG-Stützpunkt. Eine SED-Genossin übernahm die Leitung der LPG; Vater und Sohn Meißner arbeiteten in der Tierzucht, die Mutter fütterte die Mastbullen. Bezahlt wurde nach Arbeitseinheiten. "Die Zustände auf den Äckern und in den Ställen wurden immer schlimmer, die Erträge geringer und für wenig Geld mussten wir immer mehr arbeiten", erzählt der Schrepkower Bauer. In lockerer Runde bei einem Bier in der Kneipe platzte ihm schließlich der Kragen. Er beschimpfte einen SED-Mann und weigerte sich, weiterhin für so wenig Geld zu arbeiten.

Am Abend des 22. November 1962 holten zwei Polizisten Meißner und seinen Bruder ab. Am folgenden Tag wurden die Brüder nach Neuruppin gebracht. Noch heute erinnert sich Meißner mit großer Empörung an die Äußerung eines Richters am Potsdamer Bezirksgericht : "Die Saat der Nationalsozialisten ist aufgegangen", habe er gesagt. Nach drei Monaten Einzelhaft kam Meißner mit Kriminellen in eine Mannschaftszelle, später wurde er in ein Arbeitslager des Thüringer Stahl- und Walzwerkes Maxhütte in Saalfeld überführt. Sein schlechter Gesundheitszustand war für ihn die Rettung. Er verbrachte mehrere Wochen im Krankenhaus und bekam schließlich eine leichtere Arbeit.

Von Cornelia Felsch

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