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Prignitz Angst vor der Inklusion
Lokales Prignitz Angst vor der Inklusion
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16:05 25.06.2014
Die angekündigte flächendeckende Inklusion ist derzeit in den Schulen der Region eines der Hauptthemen. Quelle: Armin Weigel
Perleberg

Kornelia Britz berichtet, dass die Eltern der stärkeren Schüler befürchten, ihre Kinder würden künftig links liegen gelassen. Die Eltern der Schüler mit Förderbedarf haben wiederum Angst, außerhalb der Förderschule könnten ihre Kinder ganz untergehen.

Niemand weiß Bescheid - und nächstes Jahr soll es offiziell losgehen mit der Inklusion. Die Elternvertreter der Perleberger Grundschule wollten das nicht einfach hinnehmen und schrieben in ihrer Not an Politiker. Sie fordern, endlich Klarheit zu schaffen. Lediglich zwei Landespolitiker fanden den Weg in die Schollschule, das Bildungsministerium reagierte gar nicht erst auf das Schreiben der Eltern. Immerhin waren mit Thomas Domres, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken, und Gordon Hoffmann, Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, Regierung wie auch Opposition vertreten. Der dritte Prignitzer Landtagsabgeordnete Holger Rupprecht (SPD) hätte recht gut in die Runde gepasst, doch der Ex-Bildungsminister hält sich mit Äußerungen zum Agieren seiner Amtsnachfolgerin zurück.

Schulleiter Peter Awe - im Grunde seines Herzens überzeugt von der Inklusion - gab einen ernüchternden Einblick in den Schulalltag. "Die Rahmenpläne sind schon jetzt bis zum Rand voll gestopft - und zudem chaotisch", stellt er fest. "Es gibt zu viele Schüler in den Klassen und zu wenig Lehrer." Die Größe der Räume ist nicht ausreichend, auf jeden seiner 350 Schüler entfalle lediglich ein Quadratmeter. Nicht zum ersten Mal fordert er: "Wir brauchen Schulsozialarbeiter. Wenn wir Inklusion wollen, müssen wir diese Probleme lösen." Zunächst wollte die Schollschule eine Pilotschule für die Inklusion werden, als das Bildungsministerium jedoch die Bedingungen bekannt gab, winkten die Lehrer ab.

Fünf Prozent der Schüler haben einen diagnostizierten Förderbedarf. Nicht alle diese Schüler bleiben in der Schollschule. Ein, zwei gehen jährlich in die Förderschule ab. "Wir stehen nicht bei null, wir machen schon Inklusion", sagt Peter Awe. Es gibt jahrgangsübergreifenden Unterricht in den Flex-Klassen, es gibt zwei Sprachheilklassen, es gibt individuelle Lernpläne - aber nur zum Teil, es besteht Barrierefreiheit, aber ebenfalls nur teilweise.

"Wer bezahlt eigentlich die notwendigen baulichen Veränderungen?", wollten Eltern wissen. Bürgermeister Fred Fischer - die Stadt ist ja der Schulträger - machte klar, die Kommune hat das Geld nicht. Er verwies auf die Position im Städte- und Gemeindetag. Die Kommunen können ihre Schule für die Erfordernisse der Inklusion erst dann umbauen, wenn Bund und Land ihnen auch die entsprechenden Gelder zur Verfügung stellen.

Ein Lehrer des Perleberger Gymnasiums berichtete von einem hörgeschädigten Schüler. Es bestehe keinerlei Schalldämpfung in den Räumen. Der Unterricht mit 30 Mitschülern komme Hörgeschädigten vor, als stünde er in einer Bahnhofshalle. Völlig offen sei, so der Lehrer, wie es mit der Inklusion an Gymnasium und Oberschule einmal weitergehen soll.

Bärbel Treutler, Kreistagsabgeordnete der Grünen, vermisste die gesetzlichen Grundlagen - damit zum Beispiel Therapeuten in Schulen arbeiten können.

Die Lehrer äußerten sich weitgehend aufgeschlossen gegenüber der Inklusion. Doch deutlich wurde, dass sie sich überfordert fühlen. "Wir erwarten eine Unterstützung." Mit fünf, sechs Fortbildungen in einem halben Jahr sei es nicht getan. Eine Erzieherin berichtete, sie müsse Leistungen von den Kindern abfordern. Aber sie wisse nicht, wie weit sie bei Kindern mit Förderbedarf gehen könne. Klar sei, die Schüler einer Klasse könnten nicht immer gleich unterrichtet werden. Lerngruppen müssten gebildet werde, aber inwieweit geht das in einem Klassenraum? Erfolge eine räumliche Trennung wären mehr Räume und Aufsichtshilfen notwendig.

Mit Begeisterung berichtete Schulleiterin Kerstin Schulz von der Inklusion an der Wittenberger Jahnschule, einer der 84 inklusiven Pilotschulen im Lande mit nicht mehr als 23 Schülern in einer Klasse. Doch es war eher eine Begeisterung für die Sache, als eine für das Pilotprojekt. Der Krankenstand bei den Lehrerin sei hoch. 1400 Vertretungsstunden mussten seit Anlaufen des Projekten verkraftet werden. Die Schule bekommt für die Inklusion zusätzliche Lehrerstunden. Doch: Mit diesen Ressourcen werden die Ausfallstunden bekämpft.

Versprochen wurde der Pilotschule eine wissenschaftliche Begleitung. Kerstin Schulz sagt dazu nur so viel: "Wir brauchen aber eine echte wissenschaftliche Begleitung." Sie bedauerte, dass der Schule für Schüler mit besonderem Handicap nicht ein einziges Mal ein Einzelfallhelfer bewilligt wurde. Schon im Hort höre die Inklusion wieder auf - hier gab es bislang keinerlei zusätzliches Personal. Die Schulleiterin warnte: "Die Förderschulen dürfen nicht übereilt geschlossen werden."

Immerhin konnten die beiden Landespolitiker Lehrern und Schülern etwas von ihren Ängsten nehmen: "Die von Frau Münch für 2015 angekündigte flächendeckende Inklusion kommt nicht." Nach vehementen Protesten soll auch die für 2019 angekündigte Schließung der Förderschulen vom Tisch sein.

Gordon Hoffmann meinte, die Frage sei nicht, ob die Inklusion komme oder nicht. "Sie wird kommen. Offen ist, wie sie umgesetzt wird." In einem Konzept müsse fixiert werden, was nötig sei. Wieviel Lehrer, wieviel Schulpsychologen. Dann müsse das Land klären, wieviel das kostet und erst dann könne auch gesagt werden, in welchem zeitlichen Rahmen die Inklusion umgesetzt werden kann. Bisher sei das Pferd jedoch vom Schwanz her aufgezäumt worden, indem unrealistische Zeiten genannt wurde. Thomas Domres riet den Eltern, um sich Gehör zu verschaffen, auch die Möglichkeiten des Petitionsausschusses in Landtag zu nutzen.

Von Michael Beeskow

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